Hochsaison für Touristen aus den Golfstaaten München, ein Mekka für die Araber

Auf Einkaufstour: Araberinnen in der Maximilianstraße. Foto: Martha Schlüter

Mehr als 100.000 Menschen pilgern jedes Jahr von den Golfstaaten an die Isar und geben dabei deutlich mehr Geld aus als alle anderen Gäste.

München - Limousinen-Schlangen vor den Luxus-Hotels, überfüllte Geschäfte in der Maximilianstraße, jede Menge verschleierter Frauen im Straßenbild: Die Gäste aus Arabien sind wieder in der Stadt.

Abu Dhabi, Dubai, Saudi Arabien oder Oman – mehr als 100000 Touristen aus den Golfstaaten zieht es nach München. Tendenz – nach einer kleinen Delle im letzten Jahr – steigend. Allein diesen Mai waren’s 8515 Besucher – 47,5 Prozent mehr als im Mai 2011.

Was diese Besucher für die Stadt so interessant macht: Sie geben deutlich mehr Geld aus als andere Gäste. Rund 500 bis 1000 Euro am Tag sind es laut Tourismusamt. Die Araber frequentieren Luxus-Boutiquen genauso wie Drogeriemärkte, sie mieten sich über Wochen Suiten für Familie und Bedienstete oder Appartements.

Und: Sie lassen sich ärztlich behandeln. Rund die Hälfte der Gäste, so die Tourismus-Statistiker, kommen auch aus medizinischen Gründen an die Isar: die reichen von der Knie- bis zur Krebs-Operation.

Ein weiterer wichtiger Grund für die Reiselust der Golfstaaten-Anwohner: das bayerische Klima. In ihrer Heimat ist es derzeit drückend heiß, maximal 45 bis 50 Grad. Deswegen lieben die Gäste auch schlechtes Wetter. Und ein Besuch auf der Zugspitze mit einer Rutschpartie auf dem Schnee gehört zum Standard-Programm der Nahost-Touristen.

Was die Besucher an München besonders schätzen: Dass es hier ordentlich und sauber ist, dass sie nicht angefeindet werden – und dass die ganze Stadt auch im weltweiten Vergleich als sehr sicher gilt.

Hotels und Geschäfte haben sich auf die lukrative Kundschaft aus Nahost eingestellt: Mit Shisha-Zelten, Pfeilen, die die Gebetsrichtung nach Mekka anzeigen oder speziellen Speisenkarten. Und mit Preislisten auf arabisch. In besseren Häusern spricht längst ein Teil des Personals auch Arabisch, etwa im Oberpollinger. Eine ganze Reihe von Limousinen- und Fahrservices ist auf die Bedürfnisse der arabischen Gäste spezialisiert. Bis hin zum teppichverkleideten Kleinlaster – damit die Einkäufe auf dem Weg zum Flughafen heil bleiben.

Wie lange sie bleiben: Die meisten der Gäste fliegen zum Beginn der Fastenzeit Ramadan wieder in ihre Heimat zurück. Heuer ist das der 20. Juli.

Eine große Umfrage unter arabischen Gästen, was ihnen an München (nicht ) gefällt, lesen Sie in der AZ-Wochenend-Ausgabe auf den Seiten 10 und 11. Außerdem: Was Touristen aus China, Japan, Italien, Spanien, Brasilien und anderen Ländern in der Stadt unternehmen, und welches die zehn beliebtesten Orte der Gäste sind.

 

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