Hobbymeteorologen Alle reden sie vom Wetter

Mal ist es zu kalt, mal zu warm, mal zu nass, mal zu trocken: das Wetter. Ständig lamentieren wir über die Launen der Natur. Irgendwie, so scheint es, kann man es uns nie recht machen. Der einzige Weg, den Verdruss zu überwinden, heißt: Urlaub. In der wohlverdienten Auszeit wollen wir einfach nur entspannen und an nichts denken. Schon gar nicht an die Kapriolen des Wetters. Die könnten uns ja schließlich die Urlaubsstimmung verhageln. Doch siehe da: Auch auf Reisen unterhalten wir uns über die Wirren des Wetters. Und das, obwohl wir uns eigentlich davon lossagen wollten.

 

Kaum am Ferienort angekommen, dreht sich alles nur noch um die Witterungsverhältnisse. Wir fragen andere Hotelgäste, wie lange die Sonnenscheindauer zuvor gewesen war. Wir erkundigen uns, ob Niederschlag für die nächsten Tage angekündigt ist. Und wir feixen, wenn es bei uns im Hotel schön ist und zu Hause regnet. Eine Genugtuung. Quietschvergnügt schlendert man durch die Lobby und ruft dem Zimmernachbarn zu: „Ach ja, übrigens, über Deutschland liegt ein Tief.“ Da schmeckt der Cocktail gleich noch besser. Doch so richtig können wir den Urlaub gar nicht genießen. Die Gedanken kreisen permanent um Temperatur, Niederschlag, Luftdruck, Feuchtigkeit, Windstärke und so weiter und so fort. In den Ferien werden wir unfreiwillig zum Wetterfrosch.

Dabei kann sich die Expertise der Hobbymeteorologen durchaus sehen lassen. Bauernregeln gesellen sich zu jahrelanger Ortskenntnis und Pfadfindertugenden. Alsbald wird der angefeuchtete Finger in die Luft gereckt, die Wölbung des Joghurtdeckels geprüft und der Himmel mit dem Fernstecher inspiziert. Kündet der Wolkentyp von Niederschlag? Wetterleuchten am Horizont? Droht nach Vollmond gar ein Wetterumschwung? Fragen über Fragen. Und das Tolle: Jeder kann mit fachsimpeln.

John Serale, ein Wissenschaftler aus den USA, hat einmal gesagt, Wettergespräche gehörten zur niedrigsten Form der Kommunikation. So eine Art billiger Small Talk. Nach dem Motto: Wer gar nichts zu melden hat, kann immer noch über Wind und Wetter schwadronieren. Das Problem ist nur, dass die sogenannte Sprechakttheorie in Kalifornien erfunden wurde, wo es gut 360 Sonnentage im Jahr gibt und so gut wie nie regnet. Da fällt einem die Kreativität schon etwas schwer. So eintönig wie das Wetter sind die Gedanken. Kein Wunder, dass Sprechen zum Akt wird.

 

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