Hitler-Attentäter Stadtspaziergang: Gedenken an Georg Elser

Georg Elser bastelte lange an der Bombe, die Hitler dann aber doch nicht tötete. Foto: dpa

Er ist der lange vergessene Held im Widerstand gegen die Nazis. Eine Münchnerin will das ändern und organisiert Stadtteilspaziergänge auf den Spuren des Hitler-Attentäters.

Maxvorstadt - Heute Nacht vor 77 Jahren zwang die Gestapo Georg Elser nach Folter und Verhören, seine Hosen herunterzulassen. Seine Knie waren geschwollen und vereitert. Ein weiterer Beweis, dass der Schreiner dreißig Nächte im Bürgerbräukeller kniend verbracht hat, um dort in einer Säule eine Bombe zu verstecken. Sie sollte am 8. November 1939 Adolf Hitler töten. "Elser konnte nicht wissen, dass Hitler wegen Nebels früher im Bürgerbräukeller redet", sagt Hella Schlumberger (73) von der Münchner Georg-Elser-Initiative.

Die Publizistin kämpft dafür, dass dem Widerstandskämpfer würdig gedacht wird. 77 Jahre nach dem missglückten Attentat führt sie Münchner durch die Maxvorstadt zu Orten Georg Elsers. Sie beginnt beim Gebäude der Bayern LB, wo früher das Wittelsbacher Palais stand und die Gestapo residierte. Unter Folter versuchten sie, aus Elser herauszubekommen, wer seine Hintermänner waren. "Auch deshalb ist das Gedenken an Elser schwierig. Weil er allein handelte, lässt er sich politisch nicht vereinnahmen", sagt Schlumberger.

Eine Infotafel am Haus listet Elser nicht auf

Als am Haus der Bayern LB eine Infotafel angebracht wurde, die darüber informiert, wer hier verhört wurde, fehlte: Elser. Erst nachträglich wurde das korrigiert. "Elser wird oft vergessen oder bei seinem Gedenken geschlampert. Mit Elser kann man’s ja machen", sagt Schlumberger, die derlei Versäumnisse durch Hartnäckigkeit zu richten versucht.

Seit 1997 ist ein Platz an der Türkenstraße nach Elser benannt. Hier an der Türkenschule hängt seit 2009 auch eine Installation der Künstlerin Silke Wagner, die täglich um 21.20 Uhr für eine Minute aufleuchtet – zum Zeitpunkt des Bombenattentats.

Damals zog die Elser-Initiative eine 5000-Euro-Spende mit der Begründung zurück, es handle sich um ein inhaltsloses Kunstobjekt.

An dem nach ihm benannten Platz ist Elser täglich von seinem Untermieterzimmer vorbei in den Bürgerbräukeller gegangen – zwischen dem heutigen Gasteig und dem Gema-Verwaltungsgebäude. Dort ist eine Platte in den Boden eingelassen und eine Infotafel mit Foto informiert über den Widerstandskämpfer. Das Foto haben die Nazis während der Folter gemacht. "Unerträglich, dass dieses Foto zum Gedenken an Georg Elser verwendet wird", findet Schlumberger. Auch an dem Haus in der Türkenstraße 94 erinnert nichts daran, das hier ein Held im Widerstand gegen die Nazis gelebt hat. Es gibt noch viel zu tun für Hella Schlumberger.

 

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