Historisches Museum Regensburg Ein echter Dürer? Sensationsfund in der Rumpelkammer

Links der Entdecker: Rudolf Reiser, Rechts der Sensationsfund: Dieses Dürer-Bild ist fast ein Jahrhundert im Archiv des Museums verstaubt. Foto: ho/Historisches Museum Regensburg

Im Archiv des Historischen Museums in Regensburg findet der Historiker Rudolf Reiser einen echten Dürer. Über 100 Jahre liegt das Werk unentdeckt herum. Jetzt ist es erstmals öffentlich gezeigt worden.

 

Regensburg – Es war eine unglaubliche Entdeckung, die der Historiker Rudolf Reiser in den Beständen des Historischen Museums Regensburg vor genau einem Jahr machte, für ihn „der Wahnsinn schlechthin“. Reiser wollte nicht glauben, was er da sah. Auf der Suche nach einem Bild des Renaissance-Malers Michael Ostendorfer stieß er „mitten in der Rumpelkammer“ auf einen echten Dürer.

Dass er ausgerechnet in seiner Heimatstadt Regensburg beim unermüdlichen Sammeln von Epitaphen (Denkmäler mit Gedenkinschriften) den Fund seines Lebens machte – so weit hat seine forscherische Fantasie bisher nicht gereicht.

Bis Reiser, mehr oder weniger aus Zufall, in den Archiven arbeitete und plötzlich und unerwartet auf das unglaubliche Gemälde stieß, den Dürer. Albrecht Dürer. In dem Depot, das sie alle Rumpelkammer nennen und das für Reiser eigentlich kein unbekanntes Terrain war.

Monatelange Arbeit und Recherche folgt auf den Sensationsfund

Dort also entdeckte der Journalist nun tatsächlich ein Selbstporträt von Albrecht Dürer (1471-1528). Und dazu erblickte er pikante Details: „Er verpasst“, beschrieb es Reiser bei der Präsentation der Sensation am Freitag im Historischen Museum in Regensburg, „der heiligen Maria die Züge seiner Kurtisane, bei der er zur Zeit seiner Malarbeit regelmäßig Unterschlupf findet und sich deswegen „vor den Franzosen fürchtet“ – einer überaus unwillkommenen Geschlechtskrankheit. Laut Reiser schrieb Dürer dies an seinen Nürnberger Freund Willibald Pirckheimer.

Reiser ist kein Kunsthistoriker, sondern Historiker – daher begegnete er kritischen Zweiflern, die sich nach chemischen und physikalischen Expertisen erkundigten, mit dem deutlichen Hinweis auf kommunale kunsthistorische Zuständigkeiten. Klemens Unger, Kulturreferent von Regensburg, sagt dazu: „Wir werden das Bild nun sauber auf seine Echtheit untersuchen. Und sobald unsere Experten zu einem Ergebnis gekommen sind, werden wir das der Öffentlichkeit natürlich mitteilen.“

Reiser selbst hat sich nach dem spektakulären Fund viele Monate lang an die Arbeit gemacht. Reiste nach Berlin und Wien und begab sich auf intensive Recherche. Verglich Schriften und Briefe und spezifische Merkmale in Gemälden, Holzschnitten, auf Zeichnungen und Kupferstichen, grub in Archiven. „Das war Detektivarbeit, glauben Sie mir!“

Dürer stellt sich selbst in dem Bild als Mohr dar

Sich selbst malte Dürer als einen „Mohren“, einen Schwarzen, weil dieser, wie auch das Tor, sein Familienwappen ziere. Reiser weiter: „Dürer stellt sich als Mohr im kostbaren Muschelkleid des Dogen unter dem heute noch bestehenden Adlertor der Nürnberger Burg dar. Seine Beine sind nach italienischer Art eines Macho gespreizt, der rechte Fuß steckt in einem Schlappen einer Badegespielin.“

Dürers Vorliebe für Kurtisanen zeige sich am aufreizenden Zuschnitt des Dekolletés der Dame – einer von drei Kolleginnen übrigens; zwei andere schöne, ihm gern gefällige Venezianerinnen sind in der Berliner Gemäldegalerie und in Wien zu sehen, jeweils mit Dürers Namens-Initialen auf dem Mieder.

„Man sollte halt“, so Reisers Erkenntnis, „auch aus anderen Gründen auf ein Mieder schauen.“ Beweise dafür finden sich nicht nur bei Dürer – auch Albrecht Altdorfer (1480-1538) hinterließ verräterische Chiffren – etwa auf dem ebenfalls jetzt in Regensburg präsentierten Flügelaltar sowohl an Maria wie auch auf anderen Marien-Bildnissen. Der Flügelaltar, 1517 entstanden, besteht aus fünf größeren Tafeln und stammt, so Reiser, „eindeutig von Altdorfer, und zwar in jedem Detail“.

Auch ein Fund von Reiser: Zwei Tafeln eines Flügelaltars von Albrecht Altdorfer.

Fast ein Spezialgebiet des Regensburgers Reiser, der bei München lebt und über „Adeliges Stadtleben im Barockzeitalter“ promoviert hat. Er war schon immer ein höchst hartnäckiger historischer Forscher. In zwei Hinweisen erkennt Reiser, dass Dürer sich in dem schwarzen Mann selbst porträtiert habe. Erstens dessen Position „direkt unter dem Scheitel eines heute nicht mehr stehenden Torbogens – eine klare Anspielung auf das ungarische Dorf Ajtós, woher sein Vater stammt. Weiter sein Gehabe um die drei Ringe, die er in Venedig kauft.“ Und die trägt er hier, bestens sichtbar.

Der Schatz, den Reiser in Regensburg barg, umfasst jedoch nicht nur Dürers „Heiligen Drei Könige (Epiphanie)“, die, so Reiser, „wohl schon ein Jahrhundert lang im Depot des Historischen Museums liegt“. Aus eben diesem Renaissance-Depot barg er außerdem Tafeln von Albrecht Altdorfer und Wolf Huber (1485-1553), Maler, Zeichner und Baumeister der Renaissance.

 

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