Hilft ihm die Geburt seiner Tochter? Der Neustart von Leroy Sané in der DFB-Elf verzögert sich

Leroy Sané im Zweikampf mit N'Golo Kanté. Foto: Augenklick/GES/Helge Prang

Leroy Sané ist das vielleicht größte Offensivjuwel, das Deutschland hat, doch an seiner Einstellung hapert es. "Gefühlt muss man ihm immer sagen, was er tun muss", sagt Toni Kroos über den Flügelstürmer von Manchester City. Hilft ihm die Geburt seiner Tochter?

Sinsheim - Leroy Sanés Neustart im DFB-Team muss noch ein bisschen warten – und dafür gibt es gute Gründe. Beziehungsweise einen guten Grund. Und der heißt Rio Stella. Sané ist erstmals Papa, seine Freundin Chandice Brook (31) brachte die gemeinsame Tochter zur Welt. "Ich bin unglaublich glücklich euch mitteilen zu können, dass gestern meine Tochter geboren wurde. Mutter und Kind sind wohlauf!", verkündete Sané stolz auf Twitter.

Der 22-Jährige hatte bereits am Freitag das Mannschaftshotel in München verlassen, trat die Reise nach Sinsheim zum Testspiel gegen Peru gar nicht erst an. Die Geburt des ersten Kindes, dieser Moment ist selbstverständlich viel bedeutender als jedes Länderspiel – auch wenn es für Sané nach den (sportlichen) Negativmeldungen der vergangenen Monate einen hohen Stellenwert gehabt hätte.

Pep Guardiola strich Sané zuletzt aus dem Kader

Gegen Frankreich (0:0) am Donnerstag durfte Sané nach seinem WM-Aus zumindest einige Minuten in der Schlussphase mitspielen, bei seinem Klub Manchester City hatte es der Außenstürmer zuletzt gegen Newcastle United nicht mal in den Kader geschafft. "Der Grund ist das, was ich jeden Tag sehe", erklärte Trainer Pep Guardiola. "Es tut mir leid für Leroy, aber wir haben einen großen Kader, sechs Angreifer. Meine Spieler überzeugen mich, wenn sie rennen und alles geben." Und das – so waren Guardiolas Aussagen zu deuten – hat Sané zuletzt offenbar nicht getan.

Hat der Ex-Schalker, der 2016 für 50 Millionen zu City wechselte, ein Einstellungsproblem? Darüber wurde in der jüngeren Vergangenheit in England gerätselt – und auch im DFB-Team stellt man sich diese Frage. Im Vorfeld der WM, im Trainingslager in Südtirol etwa, hatte Sané laut "Bild" beinahe seine Ausbootung für das Turnier in Russland verschlafen. Angeblich musste der 22-Jährige in den Mittagsstunden geweckt werden, um von Joachim Löw die schlechte Nachricht übermittelt zu bekommen.

Dass es überhaupt so weit kommen konnte, dass Löw auf einen seiner gefährlichsten Stürmer verzichtete, lag an Sanés Darbietungen im Kreise der Nationalmannschaft. "Er hat keine überzeugenden Leistungen gebracht, auch nicht im Trainingslager", erklärte Löw. In den Testspielen blieb Sané meist blass, dafür gab es deutliche Kritik von den Kollegen. Toni Kroos ließ bereits nach dem Testspiel gegen Brasilien im März Zweifel an Sanés Fokussierung durchblicken – ohne das Offensivjuwel direkt beim Namen zu nennen.

Auch Toni Kroos zweifelt an Sanés Einstellung

Vergangene Woche gab es dann eine Ansage von Kroos. Man habe bei Sané "von der Körpersprache her manchmal das Gefühl, gewinnen oder verlieren ist nicht so schlimm", sagte der Spielmacher von Real Madrid. Zudem müsse man Sané "gefühlt immer sagen, was er tun sollte. Man muss einen Weg finden, ihn zu Topleistungen zu bringen", so Kroos. Eine Watschn für den Wunderjungen. Allerdings bringe Sané auch "alles mit, um Weltklasse zu werden. Wenn er seine Qualitäten auf den Platz bringt, wäre er eine Riesenbereicherung für uns. So einen Spieler haben wir nicht mehr", ergänzte Kroos.

Genau das ist der Zwiespalt bei Sané: Hochbegabter Dribbler auf der einen Seite, der Spiele im Alleingang entscheiden kann – und auf der anderen Seite der teils schwer zu kontrollierende Individualist, der zu Höhenflügen neigt und sich ein riesiges Tattoo auf den Rücken stechen lässt, das ihn selbst beim Torjubel zeigt. Ob Sané, nach dem ersten Tief seiner Karriere, seine Qualität auf den Platz bringen wird? Im Dress von ManCity hat er bewiesen, dass er über einen längeren Zeitraum auf Topniveau spielen kann. In der vergangenen Spielzeit trug Sané zehn Treffer und 15 Torvorlagen zur Meisterschaft seines Teams bei. "Leroy war letzte Saison so wichtig für uns. Ich hoffe, dass er das auch in dieser Saison sein wird", sagt Guardiola.

Löw will dem Offensivjuwel beim DFB weitere Chancen geben. Vor Sanés Abreise aus Südtirol habe er ihm gesagt, "dass deine Zukunft nach der WM beginnen muss", sagte der Bundestrainer. Man kenne "sein großes Potenzial, wir müssen uns mit deiner Spielweise beschäftigen. Du kannst ein wichtiger Spieler für Deutschland werden." Das muss Sané bestätigen. Aber erstmal darf er sich über den Nachwuchs freuen.

 

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