Hilfsorganisation will wachrütteln Totes Flüchtlingsbaby: Sea Watch zeigt erschütterndes Foto

, aktualisiert am 01.06.2016 - 09:07 Uhr
Sea Watch will mit dem Foto des toten Flüchtlingsbabys die Politik wachrütteln. Foto: dpa

Wieder beschreibt ein Foto eines toten Flüchlingskindes die Dramatik der Flüchtlingskrise besser als Tausend Worte. Die Hilfsorganisation Sea Watch fordert im Zuge der Veröffentlichung die Schaffung legaler Fluchtrouten.

 

Als würde es schlafen, hält der Retter das kleine Baby in den Armen. Die traurige Wahrheit ist: das Kind ist tot. Genauso wie mindestens 45 weitere Menschen, die die deutsche private Hilfsorganisation Sea Watch am Freitag aus dem Mittelmeer zieht. Irgendwo vor der Libyschen Küste war wieder eine mit rund 350 Flüchtlingen vollgestopfte Nussschale gekentert. Rund 135 Menschen kann Sea Watch das Leben retten, die restlichen Insassen bleiben vermisst.

Dass das Kleinkind, das er da in seinen Armen wiegt nicht mehr lebt, ist dem freiwilligen Helfer bewusst. In einer emotionalen E-Mail wird er später beschreiben, dass er es dennoch ganz behutsam aus dem Wasser zog und dann begann zu singen - um selbst mit der Tragödie überhaupt nur fertig zu werden.

Diese Tragödie spielt sich, seit die Balkan-Route geschlossen und noch dazu der Winter vorüber ist, wieder hundert- bis tausendfach im Mittelmeer ab. Die Flüchtlinge weichen wieder auf die gefährliche Mittelmeerüberquerung aus. Trotz zahlreicher erfolgreicher Rettungsaktionen sind allein in der letzten Woche wieder über 700 Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken, berichtet das Uno-Flüchtlingshilfswerk. Laut italienischer Küstenwache wurden im gleichen Zeitraum in rund 80 Einsätzen ca. 13.000 Menschen vor dem Ertrinken gerettet.

Sea Watch appelliert mit dem Foto für sichere Fluchtwege

Das Bild des toten Babys ist ähnlich erschütternd wie das des kleinen Alan Kurdi, der im September 2015 tot mit dem Gesicht nach unten an einen Strand der türkischen Mittelmeerküste gespült worden war – das Bild ging als Symbol für die Tragik der Flüchtlingskrise im lezten Jahr um die Welt.

Damals wurden Diskussionen laut, ob man das Bild unter anderem aus Persönlichkeitsrechtsgründen überhaupt zeigen solle. Die meisten Medien und auch der Vater des kleinen Alan befürworteten die Verbreitung des Fotos.

Dieser Meinung ist Sea Watch auch im Fall der noch nicht identifizierten Babyleiche. Die europäische Gesellschaft müsse gezwungen werden, solche Bilder zu sehen, um die "Konsequenz[en] der europäischen Außenpolitik" zu begreifen, hieß es in einem Facebook-Post.

Während Sea Watch mit ihrem umfunktionierten Forschungskutter weiter zwischen libyscher und italienischer Grenze auf der Suche nach Flüchtlingen in Seenot ist, fordert die Organisation die Politik auf, endlich legale Fluchtwege zu schaffen. Nur wenn die EU Systeme schaffe, die einen "legalen und sicheren Eintritt in die EU" möglich machten, könne man dieser unerträglichen menschlichen Tragödie ein Ende bereiten.


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