Hier sollen Wohnungen entstehen Allach: Suche nach Überresten von KZ-Lager soll bald beginnen

In Allach befand sich ein Außenlager des Dachauer Konzentrationslagers. Dort soll nun überprüft werden, ob noch Überreste des Lagers vorhanden sind. (Archivbild) Foto: dpa

München braucht Wohnungen. Doch bevor im Stadtteil Ludwigsfeld gebaut werden kann, ist zu klären: Gibt es am ehemaligen KZ-Außenlager Allach womöglich noch unentdeckte Gräber von NS-Opfern?

München - Auf dem Gelände des ehemaligen KZ-Außenlagers Dachau-Allach soll demnächst die Suche nach möglichen Gräbern von NS-Opfern starten. "Sobald die Boden- und Wetterverhältnisse es zulassen, werden die Voruntersuchungen beginnen", sagte Architekt Josef Peter Meier-Scupin am Montag. Ein genaues Datum für den Start konnte Meier-Scupin nicht nennen. Er ist Sprecher des Grundeigentümers, der Projektgesellschaft Granatstraße 12.

Die Projektgesellschaft will auf dem rund 33 000 Quadratmeter großen Gelände im Stadtteil Ludwigsfeld Wohnungen bauen. Zuvor aber müsse geklärt werden, was sich im Boden befinde. Man müsse sicher sein, "dass wir dort ein freies Grundstück haben", sagte Meier-Scupin. "Wir können erst planen, wenn wir die Ergebnisse haben." Sollten bauliche Reste des ehemaligen KZ-Außenlagers entdeckt werden, könnten diese unter Denkmalschutz gestellt werden. Die KZ-Häftlinge mussten unter anderem für BMW und die Organisation Todt arbeiten, die als Bautruppe dem Reichsminister für Bewaffnung und Munition unterstellt war.

Ein Stadtteilhistoriker vermutet auf dem Gelände Massengräber. Andere Wissenschaftler folgen dem nicht. "Ich kenne keinen Historiker, mit dem ich über das Grundstück gesprochen habe und der Gräber in diesem Umfang auf dem Gelände vermutet", sagte Meier-Scupin, der nach eigener Aussage mit acht Historikern unterschiedlicher Institutionen Kontakt hatte. Bereits in den 1950er Jahren waren auf dem Areal verscharrte Leichen exhumiert und umgebettet worden.

Die Grabungen sollen von einem Tiefbauunternehmen mit archäologischer Expertise durchgeführt und von einem Grabungstechniker des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege fachlich begleitet werden.

Bei Testgrabungen sollen die Schichten des Erdreichs auf den Stand von 1945 abgetragen werden. Erst danach kann laut Landesamt der Aufwand für eine archäologische Grabung ermessen werden. Es gehe nicht nur um die Bergung möglicher Gräber, sondern auch um die Reste baulicher Strukturen des KZ-Außenlagers Allach und deren Erhaltung. "Sollten Mauerfundamente des KZ-Allachs gefunden werden, wären diese als zeitgeschichtliches Bodendenkmal nach dem Bayerischen Denkmalschutzgesetz zu schützen."

 

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