Heute Prozessbeginn Angekündigter Mord: Stalker ersticht seine Frau

Nach dem Giesinger Mord-Drama im Oktober: Die Leiche von Sampre B. wird abtransportiert. Foto: Katharina Alt

War die Bluttat zu verhindern? Heute beginnt der Prozess gegen Taifoun A. (35), der seiner Frau im Treppenhaus auflauerte.

 

München Sampre B. hatte gerade ihre beiden kleinen Söhne in die Schule und den Kindergarten gebracht. Als die 29-Jährige am 14. Oktober 2013 gegen acht Uhr in der Frühe das Treppenhaus in dem Mehrfamilienhaus in der Reginfriedstraße betrat, sprang ihr Mann Taifoun A. (35) aus seinem Versteck.

Er zog seine getrennt lebende Ehefrau in die Nische bei den Briefkästen. Möglicherweise – die Ermittler sind sich da nicht sicher – schlug der Grieche seiner Frau zunächst ins Gesicht. Keine zweifel gibt es am Fortgang der Bluttat: Taifoun A. nahm das mitgebrachte Messer und stieß es ihr in die Brust.

Es folgte der zweite und tödliche Stich in die linke Seite unterhalb der Achsel. Das Messer durchstach dabei den rechten Herzbeutel. Sampre B. fiel zu Boden.

Taifoun A. aber raste weiter und stach seinem Opfer noch drei Mal kräftig in den Rücken. Bis die Klinge in einem Wirbel steckenblieb.

Passanten hörten die Schreie des Opfers und verständigten Polizei und Rettungsdienste. Doch jede Hilfe kam zu spät, die junge Frau verblutete noch am Tatort.
Taifoun A. floh zunächst, überlegte es sich dann aber anders und lief zur nächsten Polizeiinspektion. Er habe gerade seine Frau getötet, erzählte er dort einer Beamtin und wolle sich nun stellen.

Die Vorgeschichte: Im Jahre 2011 war das Paar von Thessaloniki mit den Kindern nach München gezogen. Taifoun A. fand Arbeit als Küchenhilfe. Die Familie zog in das Giesinger Mehrfamilienhaus.
Doch die Ehe muss für Sampre B. schon damals die Hölle gewesen sein. Immer wieder gab es Streit und häusliche Gewalt. Bekannte erzählen, der Ehemann habe sogar versucht, die 29-Jährige an Männer zu verkaufen, um so an Geld zu kommen.

Taifoun A. soll seine Frau immer wieder geschlagen haben. Im August 2012 wurde er erneut gewalttätig. Doch diesmal ging Sampre B. zur Polizei und erstattete Anzeige. Als es dann aber konkret wurde, verweigerte die junge Frau plötzlich die Aussage. Die Verfahren mussten eingestellt werden.

Im Juni 2013 eskalierte die Situation erneut, doch diesmal musste Taifoun A. ausziehen. „Beim Familiengericht hatte sie kurz zuvor ein Kontaktverbot erwirkt“, berichtete Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch.
Demnach hätte sich der 33-Jährige ihr und den beiden Kindern nicht mehr als 100 Meter nähern dürfen. Doch er hielt sich nicht daran.

Haben die Behörden versagt? Es war ein Mord mit Ankündigung, das glauben viele, die das Paar kannten. Taifoun A. konnte die Trennung nicht akzeptieren, drohte Sampre B. mit den Worten „Ich stech’ dich ab!“

Noch am 2. Oktober bekam Taifoun A. Besuch von der Polizei. Es ging um eine so genannte Gefährder-Ansprache zu halten. Die Beamten machten Taifoun A. klar, dass er seine Familie in Ruhe lassen müsse. Geholfen hat nichts.

Der Terror ging weiter. „An diesem Punkt hätten wir Konsequenzen ziehen müssen“, sagt Thomas Steinkraus-Koch. „Nach dem Gesetz hatten wir allerdings keine Möglichkeit, ihn einzusperren.“
Münchens Opferschutz-Experte Arno Helfrich erklärte damals, dass man zwar bei vielen Stalkern etwas bewirken könne. Aber: „Es bleibt ein kleiner Bruchteil übrig, da sind die Täter fest entschlossen. Diese Fälle werden wir auch in Zukunft mit noch so viel Beratung nicht verhindern können. So leid es uns tut!“

Trotz des Geständnisses hat die 1. Strafkammer des Landgerichts zehn Termine für die Beweisaufnahme angesetzt. Ein Urteil ist demnach am 10. Februar zu erwarten.

 

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