Herbert Stiglmaier Wermut

Wein-Kolumnist Herbert Stiglmaier Foto: az

Von James Bond, Cinzano und exorbitanten Katern -  eine kleine Geschichte der "Würzweine"

 

München - Was haben James Bond, eine feine Fisch-Sauce und trinkwütige Teenager gemeinsam? Die Antwort ist meist mit klingenden italienischen und französischen Namen verbunden: Während der Action-Held seine Abenteuer mit atemberaubenden Frauen, schnellen Autos und einem Martini verbringt und der reduzierte Hummer-Fond die Nähe von Noilly Prat genießt, haben wir uns in der neunten Klasse Gymnasium mit Cinzano zugelötet, weil man damals preiswerter als für 4,99 D-Mark nicht betrunken werden konnte.

Der Kater am nächsten Tag war allerdings exorbitant. Weniger autobiografisch beschreibt die englische Wein-Päpstin Jancis Robinson in ihrem „OxfordWeinlexikon“ den Wermut: „Mit Kräutern gewürzter, gespriteter Wein in verschiedenen Stilen und Qualitäten, jedoch meist eher aus industrieller Herstellung“.

Sogenannte „Würzweine“ gibt es schon seit dem Mittelalter. Mit zugegebenen Kräutern versuchte man damals, die oft mangelnde Qualität des Weines zu schönen. Siehe Glühwein.

Oftmals wurde der Tropfen dann auch noch mit stärkerem Alkohol gespritet, um ihn haltbar zu machen (Ausnahme: Retsina). Über diese Mängel ist das Lieblingsgetränk von Sean Connery und meiner Fisch- Sauce dank klinisch sauberer Massen-Produktion längst erhaben.

Schön, dass es noch einige Hersteller gibt wie die „Erste österreichische Wermutweinkellerei Burschik“ in Wien, die seit dem Jahr 1891 ein wunderbares Getränk in zwei Versionen zum Apero herstellt – basierend auf Weißburgunder aus dem Burgenland und 19 Kräutern, darunter Alpenwermutkraut, Koriander, Kardamom, Ingwer, Bitterorange und Angelikawurzel.

 

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