Herbert Stiglmaier Wein-Kolumne: Dekantieren?

Herbert Stiglmaier Foto: az

Das Glasgefäß verspricht ein großes Erlebnis im Restaurant oder am privaten Esstisch. Mit Kennerblick wird der Wein langsam hinein inszeniert in den Swimmingpool des Genusses.

 

Man spricht vom „Dekantieren“ und glaubt, sich damit die ganz hohen Weihen des Weines geholt zu haben. Vergessen Sie das ganze Brimborium! Ich behaupte, dass es diese Aktion in 90 Prozent der Fälle nicht braucht. Für die restlichen zehn Prozent sollte man einige Dinge wissen:

1)Mit „Dekantieren“ ist nicht etwa gemeint, dem Gerbstoff-intensiven Rotwein Luft zu geben, sondern die flüssigen von den festen Bestandteilen zu trennen. Dies macht man hauptsächlich beim Weißwein. Am Flaschenboden bildet sich eine geruchs- und geschmacklose Substanz, die „Kalium-Tartat“ heißt und „Weinstein“ genannt wird.

2)Dafür braucht man ein durchsichtiges Glasgefäß mit schmalem Boden. Den Wein füllt man dabei langsam um. Normalerweise verbleibt der Weinstein beim normalen Einschenken ohnehin in der Flasche.

3)Der Weinstein besteht aus Traubenteilen, die bei der Weinbereitung anfallen und manchmal aus inaktiven Heferesten. Er entsteht auch, wenn der Wein sehr stark gekühlt worden ist.

In der nächsten Folge von „Einfach Wein“ werde ich Ihnen über das berichten, was Sie eigentlich für „Dekantieren“ gehalten hatten – nämlich das „Karaffieren“. Das Belüften von Weinen, um sie zugänglicher zu machen.


Kaufen!

Kaufen! „Dekanter O“, Riedel Glas, 95 Euro bei Kustermann, Viktualienmarkt 8, www.kustermann.de

 

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