Herbert Stiglmaier Ahr – klein, rot, steil

Herbert Stiglmaier Foto: az

Herbert Stiglmaier schreibt jedes Wochenende die Wein-Kolumne in der AZ. Diesmal:  Drei Fakten – drei Erklärungen – große Weine

 

Klein: Die Ahr ist mit ihren 562 Hektar (zum Vergleich Rheinhessen: 26 516 Hektar) eines der kleinsten Anbaugebiete in Deutschland. Der Fluss Ahr schlängelt sich auf 90 Kilometern von Blankenheim bis nach Sinzig, ehe er, unweit von Köln und Bonn, in den Rhein mündet. All das passiert nördlich des 50. Breitengrads an der natürlichen Wein-Grenze in unserem Land, weswegen der englische Wein-Journalist Stuart Pigott einmal sagte, die Ahr liege „kurz vor Dänemark“.

Rot: Eine große Koalition wird es an der Ahr nie geben. Sie ist durch und durch rot mit dem höchsten Anteil an Rotwein aller deutschen Anbaugebiete mit 84,7 Prozent. Mehr Rot- als Weißwein hat sonst nur noch Württemberg (70,6 Prozent). Der seltene Frühburgunder ist hier zuhause und die rote deutsche Parade-Rebsorte, der Spätburgunder (Pinot Noir). Übrigens: Als erstes deutsches Anbaugebiet verzichtet das Ahrtal gänzlich auf den Einsatz von Insektiziden.

Steil: Die Ahr ist geprägt von Steil-Lagen mit bis zu 60 Prozent Gefälle. Das bedeutet, dass der Einsatz von Maschinen praktisch unmöglich ist und fast alles in Handarbeit passieren muss. Deshalb gehören die Weine, von denen es ohnehin nicht viel gibt, zur erhabenen Preisklasse. Der Schiefer-Boden, der an Saar und Mosel dem Riesling zu höchstem Glanz verhilft, gibt den Ahr – Rotweinen einen feinen Schliff, dazu Noten nach Brombeeren und schwarzen Johannisbeeren mit, die man in roten Burgundern aus Deutschland sonst kaum findet.

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Trinken! “2012 Blauschiefer Spätburgunder“, € 19, „2011 Dernauer Pfarrwingert, Frühburgunder GG“, € 48, Weingut Meyer-Näkel, Friedensstraße 14, 53507 Dernau / Ahr, www.meyer-naekel.de

 

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