Herbert Stiglmaier Ältere Weine: Gereift und preiswert

Herbert Stiglmaier Foto: az

Es ist gerade überhaupt kein Thema in der Weinwelt und genau deshalb ist es für die Verbraucher so spannend: „Gereifte Weine“.

 

Nie konnte man ältere Weine so preiswert erstehen wie gegenwärtig. Schuld daran ist die Faszination des Neuen: Klar, im Kühlregal des Supermarktes pfriemeln wir den Joghurt schon mal aus der untersten Lage der Kartonage heraus, weil sein Haltbarkeitsdatum zwei Tage später als bei den anderen ist. Für den brandaktuellen Kinofilm stellen wir uns lieber eine halbe Stunde in die Warteschlange an der Kasse an, als eine Woche zu warten. Dass der Neuwagen von gerade eben in jedem Jahr ersetzt werden muss durch einen noch neueren Neuwagen, ist auch klar.

Es ist der „Frische-Wahn“, der auch den Wein betrifft. Nichts ist dagegen zu sagen, einen knackigen Welschriesling des aktuellen Jahrgangs an einem Sommerabend zu trinken oder einen frischen Sauvignon blanc auf (klar: frischen) Ziegenkäse loszulassen mit seiner vibrierenden Säure. Die großen Geschichten des Weines spielen jedoch in einer anderen Liga ab: Bei Rebsorten, die mit zunehmender Reife gewinnen.

Davon haben wir in Deutschland einige: Riesling, Silvaner und den roten Spätburgunder zum Beispiel. Leider wollen die meisten Winzer ihren aktuellen Jahrgang so schnell an den Mann bringen und auch die Händler setzen auf die „frische, neue Welt“. Den normalen Wein-Trinker erreichen solche Qualitäten deshalb so gut wie nie – es sei denn, sie sammeln selber. Schön, dass es einige wenige Winzer (z.B. Zilliken , Wegeler, J.J. Prüm) und Händler (z.B. Geisels Weingalerie, Dallmayr) gibt, die solche Qualitäten schon immer anbieten. Nun hat sich mit Gerd Rindchen, auch ein großer Weinverkäufer (elf Filialen in Deutschland), mit mehreren preiswerten Weinen an die gereiften Gewächse gewagt.


Weiß: „2008 Asphodill Silvaner Großes Gewächs“, Weingut Fürst Löwenstein /Franken, 14,80 Euro bei „Rindchens Weinkontor“, Zenettistraße 11, 72018160, www.rindchen.de.

Rot: „2003 Spätburgunder J“, 18,50 Euro bei Weingut Walter, Freudenberger Straße 21-23, 63927 Bürgstadt / Franken, 09371 / 948766, www.weingut-josef-walter.de

 

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