Helfer auf der Theresienwiese Das Rote Kreuz: Helfen im Wiesn-Akkord

Die gelben Planen schützen vor Blicken, sowie vor Wind und Wetter. Wobei letzteres hoffentlich nicht nötig sein wird. Foto: Daniel von Loeper

Vom Blasenpflaster bis zu kleinen Operationen versorgt das Rote Kreuz das Wiesnvolk. Rund 7000 Patienten kommen in dieser Zeit zusammen – darunter auch so manch ein Liebespaar

Schon mal die eigene Begleitung auf der Wiesn verloren? Und dann im Stimmen- und Dirndlgewirr per Handy versucht, den richtigen Mandelstand zu finden? Die Erfahrung solcher Odysseen lässt schon staunen, wenn Jürgen Terstappen erzählt: „Mir ist kein Fall in Erinnerung, wo wir einen Patienten auf der Wiesn nicht gefunden hätten.“

Terstappen leitet die Einsatzzentrale vom Roten Kreuz, in deren Räumen auch heuer wieder zahlreiche Wiesnbrüchige stranden werden. Hier gibt es neben fünf Behandlungskabinen, zwei Ruheräumen und einem Überwachungsraum auch zwei Kabinen für chirurgische Behandlungen – allerdings nur kleine, bei einem Blinddarmdurchbruch geht’s dann doch mit dem Sanka in ein Krankenhaus.

„Der Klassiker ist da eher der Australier, der halt mit Flip- Flops statt mit Haferlschuh über das Gelände strawanzt“, erklärt Terstappen.

Von wegen zu viel Bier: Diagnose Nummer eins sind Insektenstiche

Die Überwachungsräume sind – richtig geraten – für all jene, die ein paar Maß zu viel vom immer wieder unterschätzten Wiesnbier die Kehle haben runterlaufen lassen. Darum ist der Raum auch für spezielle Anforderungen eingerichtet. Die Liegen sind besonders niedrig, damit’s beim versehentlichen Runterrollen nicht weh tut und der Boden ist, nun ja, robust und mit dem Schlauch abspritzbar.

Dabei ist der Alkohol gar nicht, wie man annehmen könnte, die häufigste Ursache für den Besuch beim Roten Kreuz. „Diagnose Nummer eins sind die Insektenstiche“, sagt Frithjof Wagner, stellvertretender Chefarzt auf der Wiesn. Limo und Radler riechen auch für die Wespen herrlich und wenn sie einmal am Glasrand krabbelnd übersehen wurden, ist die Aufregung groß. „Bei einem Kind, kommt dann gleich die ganze Familie inklusive Oma mit ins Notfallzentrum“, erzählt Wagner.

So manches Mal haben die Helfer auch schon Zeugen werden dürfen, wenn ein aufgeregtes Deandl den feschen Burschen sucht, der sich grad im Hackerzelt verletzt hat. Nein, den Namen wüsste sie grad ned, aber ganz doll liebhaben täte sie ihn... Frischverliebte sind halt immer noch das Schönste.

Bis an der Notfallleuchte an der Tür eine Nummer erscheint und es schnell gehen muss zum nächsten Notfall. Den reintelefonierten Alarmbericht an der Hand sausen die Einsatzteams mit den gelb ummantelten Rollliegen los durchs Gewimmel – ein Rettungswagen wäre hier sowieso hoffnungslos verloren. Dank adressierten Hütten und durchnummerierten Zelteingängen sind sie dann doch recht fix zur Stelle – nur etwa dreieinhalb Minuten brauchen sie im Schnitt.

„Das Meiste sind zum Glück keine schweren Verletzungen“, erzählt Terstappen, der es inzwischen auf immerhin 25 Jahre Wiesnerfahrung bringt. Nur in wenigen Fällen muss jemand weiter in eine Münchner Klinik gebracht werden. Neu für Fälle von schweren Verletzungen sind Aderpressen, die auch Soldaten in ihrem Gepäck haben.

Mit den ansonsten schon bis zur Erschöpfung dikutierten Fragen nach den „abstrakten Gefahren“ will Terstappen die Geräte, die jetzt die simplen Dreieckstücher ablösen, aber nicht verbinden. „Darauf müssen wir uns immer vorbereiten – stellen Sie sich vor, es kommt zu einem Zeltkollaps“, erklärt der Bereitschaftsleiter.

Zu Spitzenzeiten sind elf Ärzte im Einsatz. Sie behandeln neben den Festbesuchern auch die Schausteller, Bedienungen, Würstlbrater und Geisterbahngeister, die auf der Wiesn arbeiten – für sie sind sie quasi der Hausarzt. „Die Schausteller kommen oft mit der ganzen Familie und können nicht mal eben von der Karussellkasse zu Untersuchungen fahren – da kommen wir dann ins Spiel“, so Terstappen.

Die Zentrale des Roten Kreuzes auf der Wiesn ist der größte regelmäßig organisierte Sanitäterdienst in Deutschland, mit bis zu 120 Helfern. Von denen sind die meisten ehrenamtlich im Einsatz, nehmen sich Urlaub dafür – und hoffen dann, dass sie nicht allzu oft gebraucht werden.

 

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