Heilsbringer des Hip Hop im Interview Sierra Kidd: "Ich habe sogar ein Justin-Bieber-Album"

Cro oder Anti-Cro? Egal, Sierra Kidd geht seinen Weg Foto: Manuel J. Karp

Der neue Cro? Der Anti-Cro? Völlig egal, wie man ihn betitelt, Sierra Kidd will sich von seinem Weg nicht abbringen lassen und bereichert auf seine ganz eigene Art die deutsche Musikwelt. IM Interview spricht das 17-jährige Hip-Hop-Talent über seine ersten Festival-Erfahrungen, Heimweh und den Wert der Familie.

 

Die bisherige Karriere von Sierra Kidd verläuft wie ein Traum: Vor einem Jahr im Internet entdeckt, es folgte ein Youtube-Hit und noch vor seiner ersten Albumveröffentlichung stand er diesen Sommer bei "Rock am Ring" und "Rock im Park", den größten Festivals in Deutschland, auf der Bühne. Mit seiner am morgigen Freitag erscheinenden Debüt-LP "Nirgendwer" würde der sympathische 17-Jährige gerne den nächsten Erfolg landen.

Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news spricht der Jungmusiker über die Angst vor Auftritten, die schwierige Beziehung zu seinem Vater und seine Traum-Duettpartner.

Sie traten in diesem Jahr zum ersten Mal auf einem Festival auf. Wie war Ihre Premiere?

Sierra Kidd: Ich war sehr aufgeregt, leider hat es geregnet, weshalb sich die Leute etwas verkrochen haben. Als ich dann angefangen habe zu spielen, sind aber immer mehr Menschen vor die Bühne gekommen, bis es sich zum Ende hin richtig gefüllt hat. Es war einfach ein unglaubliches Gefühl, auch völlig anders als auf einem Konzert, denn auf Festivals musst du das Publikum erst von dir überzeugen, bevor sie dich beachten.

Sie traten sogar bei "Rock am Ring" und "Rock im Park" auf. Wie fühlt man sich als 17-Jähriger vor solchen Auftritten?

Sierra Kidd: Natürlich hat man Angst, ist nervös und fragt sich, wie man das hinkriegen soll. Am Ende bleibt einem aber nichts anderes übrig, als die Herausforderung anzunehmen und zu versuchen, das Publikum zu begeistern.

Die Tour bedeutet auch, dass Sie nun lange unterwegs sind. Vermissen Sie Ihre Familie schon?

Sierra Kidd: Natürlich, ich vermisse sie unglaublich. Ich war noch nie längere Zeit verreist, so ist es für mich schon sehr schwer. Allerdings lernt man dadurch auch, die Momente, die man daheim verbringt, noch viel mehr zu schätzen.

Ihre Familie ist Ihnen also sehr wichtig. Legen Sie auch Wert darauf, was sie von Ihrer Musik hält?

Sierra Kidd: Ja, das ist für mich unfassbar wichtig. Ich habe beim Musikmachen immer meine Familie im Kopf und möchte, dass meine Geschwister diese bedenkenlos hören können. Es wäre aber auch schlimm für mich, wenn sich meine Mutter vor ihren Arbeitskollegen für meine Texte schämen müsste.

Ihre Mutter und Ihre Geschwister sind Ihnen sehr wichtig. Ihr Vater hat die Familie verlassen. Haben Sie noch Kontakt?

Sierra Kidd: Ja, wir sind schon in Kontakt. Er schreibt mir ab und zu und wünscht mir vor Auftritten viel Glück. Ich glaube auch, dass diese Musikgeschichte uns wieder näher zusammengebracht hat. Denn dadurch, dass er für mich meine Verträge unterzeichnen muss, solange ich minderjährig bin, haben wir uns wieder häufiger gesehen. Allerdings wird es nie eine ganz normale Vater-Sohn-Beziehung zwischen uns geben, dafür ist zu viel vorgefallen, aber wir haben einen Level erreicht, auf dem wir uns wie Erwachsene unterhalten können.

Wäre er also auch bei Ihren Auftritten willkommen?

Sierra Kidd: Ja, das würde mich freuen, wenn er zu einem meiner Konzerte kommt. Er ist immer eingeladen.

Zurück zur Musik: War der Hip Hop für Sie die einzige in Frage kommende Musikrichtung?

Sierra Kidd: Ich mache Musik mit Hip-Hop-Einflüssen, versteife mich aber nicht nur auf dieses Genre. Das spiegelt sich auch in meinem privaten Musikgeschmack wider: Ich höre auch sehr gerne Michael Jackson, Justin Timberlake und habe sogar ein Justin-Bieber-Album. Ich interessiere mich sehr für Musik und will mich nicht auf eine Sparte festlegen, obwohl meine Faszination für Hip Hop für meine Songs natürlich sehr prägend ist.

Wären Sie dann auch offen für Duettpartner außerhalb des Hip-Hop-Genres?

Sierra Kidd: Natürlich, Clueso, Andreas Bourani und Tim Bendzko sind Künstler, die ich sehr feiere und die wirkliche Traum-Duettpartner für mich wären. Mit diesen Leuten würde ich mich wahnsinnig gerne zusammensetzen, einen Text schreiben und einfach nur Musik machen.

Gab es schon Kontakte?

Sierra Kidd: Nein, noch nicht. Und ganz ehrlich, ich bin viel zu schüchtern, um sie anzusprechen. Aber vielleicht liest das einer von den dreien und es entwickelt sich auf diesem Weg etwas. Selbst wenn es kein gemeinsamer Song werden sollte, wäre es aufregend zu sehen, wie sie im Studio arbeiten.

Zu einem anderen Rapper: Es ist häufig zu lesen, dass Sie der jüngere Cro sind. Eine Ehre?

Sierra Kidd: Natürlich ehrt mich das auf eine Weise, auch wenn ich selbst glaube, dass wir nicht wirklich zu vergleichen sind. Aber das nimmt anscheinend jeder anders wahr, denn ich wurde auch schon als der "Anti-Cro" angekündigt. Aber Cro hat auf jeden Fall einen unglaublichen Sinn für Melodien und Hits, sodass man neidlos anerkennen muss, dass jedes seiner Lieder Hit-Potenzial hat. Ein Vergleich in der Sicht würde mich natürlich ehren.

Ist der Vergleich dann falsch?

Sierra Kidd: Vielleicht hört sich unser Rap-Stil ähnlich an, weil wir beide versuchen, Melodien zu erzeugen, also Rap und Gesang ineinanderfließen zu lassen. Allerdings habe ich immer einen persönlichen Anspruch an meine Songs, sodass selbst hinter meinen poppigen Liedern eine wahre Geschichte steht. Vielleicht erkennt man das nicht gleich beim ersten Hören, aber meine Botschaften unterscheiden mich von Künstlern wie Cro.

 

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