Heilsame Tricks gegen Erkältung Kränkeln im Herbst: Das macht Sie wirklich gesund

Warmes Bier hilft – aber nur in kleinen Mengen. Foto: dpa

Wirksame Hausmittel statt teurer Medikamente: Tipps gegen Schnupfen, Husten und Halsweh gibt es viele. Die AZ verrät, welche tatsächlich helfen.

München - Golden ist der Herbst dieser Tage, aber die eigene Sicht darauf oft trüb. Denn: Es ist Erkältungszeit, überall hustet’s und schnupft’s. Da hat es einen schnell mal erwischt: Der Hals kratzt, die Nase tropft und die Glieder schmerzen. Lästig! Dass die Erkältung sich von selbst wieder schleicht, ist bekannt. Aber kann man sie nicht wenigstens ein bisserl erträglicher machen und vielleicht ein wenig schneller vertreiben? Tipps dazu gibt es viele, doch nicht alle sind gleich wirksam. Die AZ verrät, welche Hausmittel tatsächlich helfen.

Heiße Zitrone

Sie ist ein Klassiker unter den Erkältungsgetränken, eine wärmende Vitamin-C-Bombe eben. Doch so wirklich hilfreich ist sie oft gar nicht, denn die Säure der Zitrone wirkt reizend auf die Schleimhäute. Und Vitamin C nimmt eigentlich fast jeder genügend mit der Nahrung auf. Das heißt: Eine heiße Zitrone schadet nicht, weil sauer ja auch lustig und aufgeweckt macht. Mehr davon braucht’s aber nicht.

Ingwer

Manch Münchner Koch hält ihn ja für die Wunderwaffe schlechthin, und so ganz unrecht hat er da nicht. Auch bei Erkältung ist Ingwer sehr wohltuend, etwa mit heißem Wasser aufgegossen als Tee. Ätherische Öle und Scharfstoffe in der Knolle wirken schmerzlindernd. Außerdem regt Ingwer die Durchblutung an – er wärmt also tatsächlich von innen.

Warmes Bier

Alkohol schwächt an sich das Immunsystem und entzieht dem Körper Wasser, ist also eigentlich nichts bei Erkältung. Mit einer Ausnahme: warmes Bier – in kleiner Menge natürlich. Die Öle und Bitterstoffe im Hopfen wirken schlaffördernd, das Erwärmen verstärkt den Effekt. Wer sein Glühbier weihnachtlicher mag, kann noch Zimt oder Nelken hineingeben.

Heiße Milch mit Honig

Sie bietet sich bei trockenem Husten an, denn Milch wirkt schleimproduzierend und auch Honig macht ein geschmeidigeres Halsgefühl. Wer allerdings ohnehin mit Schleim im Hals kämpft, sollte darauf verzichten. Und Obacht: Nicht über 40 Grad erhitzen, sonst verliert der Honig Inhaltsstoffe.

Schlaf

Der ist die beste Medizin, heißt es. Und bei einer Erkältung hat der Körper ein erhöhtes Schlafbedürfnis. Deshalb sollte man sich Ruhe gönnen und versuchen, ausgiebig zu schlafen. Das ist keine vertane Zeit, sondern Erholung – und die braucht der kränkelnde Körper.

Sport

Bloß rumliegen braucht man aber auch nicht, denn: Bewegung spornt den Kreislauf an und frische Luft ist besser für die Schleimhäute als trockene Heizungsluft. Deshalb kann auch mehr oder weniger sportliche Betätigung heilsam sein. Das hängt von der Schwere der Erkältung ab. Bei einem leichten Infekt kann man ruhig ein wenig Sport treiben, solange es sich gut anfühlt. Bei einer satten Erkältung geht man besser einfach gut eingepackt spazieren. Und: Bei Fieber sollte man sich nicht anstrengen und gar keinen Sport machen.

Hühnersuppe

Unter Wissenschaftlern gehen die Meinungen hier auseinander: Betonen manche Ärzte, dass der Suppendampf die Schleimhäute befeuchtet und Inhaltsstoffe wie Zink sowie Aminosäuren das Immunsystem stärken, sehen andere dies nicht ausreichend belegt. Was aber keiner abstreiten kann: Was Gescheites im Magen hilft, vor allem, wenn es dann noch eine kräftige hausgemachte Hühnersuppe ist.

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Wickel

Hier gibt es verschiedene, und allesamt können sie Beschwerden leichter machen. Feuchte Wadenwickel mit in Wasser und Obstessig getränkten Tüchern lindern etwa Fieber. Das schaffen auch zimmerwarme Quarkwickel. Die kann man sich auch auf die Brust oder die Nebenhöhlen legen. Der Quark wirkt abschwellend und entzündungshemmend.

Eine wärmende Alternative, die bei Husten krampflösend wirkt und gegen Halsschmerzen hilft: warme Kartoffelwickel. Dazu gekochte Kartoffeln noch warm (nicht heiß!) in einem Tuch zerdrücken und im Tuch auf die Brust legen.

Spülen und Inhalieren

Gereizte Schleimhäute feucht halten und gleichzeitig beruhigende Wirkstoffe aufbringen: Das geht auf verschiedene Weise. Zum Beispiel beim Inhalieren von heißem Wasserdampf (am besten nicht heißer als 50 Grad) mit Kamille. Von allzu scharfen Inhalationszusätzen sollte man absehen: Menthol und Kampfer geben zwar schnell das Gefühl, dass alles frei wird, doch die starken ätherischen Öle reizen die Schleimhaut auch zusätzlich.

Ebenfalls gut für Nase und Nebenhöhlen: Nasenspülen mit Salzwasser. Dabei darauf achten, dass das Wasser lauwarm ist. Bei Halsschmerzen und Heiserkeit ist Gurgeln wohltuend. Besonders geeignet sind dafür Thymian-, Salbei- und Kamillentee. Auch Salzwasser ist gut, aber das mag nicht jeder.

Schwitzen

Ob es wirklich sinnvoll ist, in die Sauna zu gehen, wenn sich eine Erkältung anbahnt, ist umstritten. Klar: Regelmäßiges Saunieren beugt Erkältungen vor. Wenn das Immunsystem aber schon geschwächt ist, kann zusätzlicher Stress auch schaden. Daher: vorsichtig sein mit Saunagängen bei leicht kränklicher Verfassung.

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Medikamente

Das Angebot ist groß: Schmerzmittel, Entzündungshemmer, Vitamintabletten und Präparate, in denen gleich allesamt drinnen sind – in der Apotheke gibt so viele verschiedene Mittel gegen Erkältung wie Werkzeuge im Baumarkt. Dabei haben sie nicht immer den großen Effekt, den sie versprechen. Klar, Schmerzmittel unterdrücken Schmerzen und gerade bei Fieber bringen Medikamente Linderung. Auch ein Nasenspray kann sinnvoll sein, vor allem, um besser einschlafen zu können. Man sollte es wegen der Suchtgefahr allerdings nicht länger als drei Tage anwenden. Das Rundum-Mittel gegen Erkältung gibt es nicht – und entsprechend beworbene Produkte sind nach Meinung vieler Mediziner auch noch überteuert.

Geduld und Vernunft

Das sind freilich zwei Worte, die man gerade bei einer lästigen Erkältung gar nicht gerne hört. Aber gerade davon braucht es leider einiges. Denn wie eine Faustregel schon sagt: Drei Tage kommt es, drei Tage bleibt es, drei Tage geht es. Und oft kommt das auch so hin. Manchmal geht es schneller, gerade bei Virenerkrankungen dauert es oft länger. Grundsätzlich gilt: Wenn es nach einigen Tagen gar nicht besser wird, sollte man zum Arzt gehen – nicht dass doch mehr dahintersteckt.

Ebenso wichtig: sich nicht übereilig wieder in den Stress stürzen oder sich zu sehr anstrengen. Zum Beispiel: nicht in die Arbeit schleppen, denn das verzögert nicht nur die eigene Genesung, sondern bringt auch noch den Kollegen was mit.

Und, als letzter Tipp: nicht zu viel ärgern. Jeder ist mal krank. Das vergeht wieder.

Mit Erkältung in die Arbeit: Nur wenige täuschen eine Krankheit vor – viele schuften trotzdem

Ein wenig schniefen, um nicht ins Büro zu gehen – das macht hierzulande kaum jemand. Sich leidend zur Arbeit schleppen – das tun hingegen viele.

Das ist das Ergebnis mehrer Einzelstudien, die der Wissenschaftler Conny Antoni, Professor an der Universität Trier und Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Psychologie ausgewertet hat. Nach Einschätzung des Arbeitspsychologen gehen mehr Menschen krank ins Büro als dass blaumachen.

Laut einer Umfrage des Instituts YouGov haben nur sechs Prozent der befragten Arbeitenehmer in den vergangenen zwölf Monaten eine Krankheit vorgegaukelt, um nicht zur Arbeit zu müssen. Ebenfalls sechs Prozent sagten, sie hätten eine Krankheit schlimmer dargestellt, als sie in Wahrheit war, um sich vor der Arbeit zu drücken. Die große Mehrheit gab an, sowas noch nicht gemacht zu haben. Die Umfrage ist laut YouGov repräsentativ für die deutsche Bevölkerung.

Viel mehr leiden aber an „Präsentismus“. So heißt es, wenn man krank zur Arbeit geht. In einer Untersuchung von 2012, dem sogenannten Stressreport, hatten 36 Prozent angegeben, sie seien im zurückliegenden Jahr zur Arbeit gegangen, obwohl sie krank gewesen seien.

Daten auf europäischer Ebene hatten ähnliche Werte ergeben, sagt Psychologe Antoni. Auch eine Umfrage im Auftrag der Krankenkasse DAK hatte das Phänomen untersucht. Demnach kuriert sich vor allem die Generation zwischen 30 und 40 Jahren nicht aus.

Das Thema sei in den letzten Jahren stärker in den Fokus gerückt, sagt Conny Antoni. Ob man trotz Krankheit im Büro erscheine, liege auch daran, ob man um seinen Arbeitsplatz fürchte. Menschen gingen eher krank ins Büro, wenn sich die Situation des Unternehmens verschlechtere, oder wenn sie ihr Verhältnis zum Chef und zum Team noch nicht sicher einschätzen könnten.

 

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