Heiliger Bimbam: So klingelt's Münchner Glocken: Hier können Sie reinhören

Münchens Schwergewicht: Die „Susanna“ aus der Frauenkirche Foto: SZ/Haas/fotolia

Nicht nur zu kirchlichen Hochfesten wie Pfingsten, auch im Alltag läuten die Münchner Glocken – die AZ hat geschaut und gelauscht, was da so bimmelt.

 

München - Glockenläuten - das ist ein Klang, den jeder kennt. Auch wenn man sich mal ärgert, morgens aus dem Bett geläutet zu werden, gehört der Glockenklang doch zu München wie die Weißwurst oder die Wiesn. Doch was hängt da eigentlich so in den Türmen der Münchner Kirchen?

Die bedeutendsten Glocken Münchens befinden sich in den Kirchen der Altstadt. Im Alten Peter, der ältesten Pfarrkirche, und in den Bischofskirchen, wie dem Frauendom und der Matthäuskirche. Aber auch in kleineren Kirchen gibt es Besonderheiten zu entdecken.

Weil man die Glocken fast nie sieht, sondern nur hört, stellt die AZ Ihnen hier einige ausgewählte Beispiele vor. Damit Sie auch gleich wissen, wie’s klingt, haben wir Klangbeispiele beigefügt.

Sankt Florian in Riem: Ein Turm - zwei Kirchen

In der Messestadt Riem teilen sich die katholische Kirche St. Florian, die jüngste katholische Kirche im Stadtgebiet, und die benachbarte evangelische Sophienkirche einen Kirchturm. Die beiden Kirchen bilden ein ökumenisches Kirchenzentrum. Vier Glocken sind katholisch geweiht. Eine hat die evangelische Gemeinde gestiftet. „Damit erwarb sich die evangelische Gemeinde das Recht auch zu ihren Gottesdiensten zu läuten“, sagt Martin Guggenbiller, Pfarrer in St. Florian. Im Kirchturm nehmen die katholischen Glocken ihre evangelische Schwester in die Mitte.

Heilig Kreuz in Fröttmaning: Münchens älteste Kirche

Heilig Kreuz in Fröttmaning ist Münchens älteste Kirche. 815 wurde sie erstmals erwähnt. Seit 1969 ist sie alles, was vom Dorf Fröttmaning übrig ist. Im Turm hängen zwei kleine Glocken aus den frühen 80er Jahren. Bei einem Raub in den 60er Jahren gingen Glocken aus dem 15. Jahrhundert verloren. Das Kircherl war mehrfach vom Abriss bedroht. So etwa beim Bau des Autobahnrings und vor allem durch den wachsenden Müllberg. Heute wird einmal im Monat zum Gottesdienst geläutet.

Mariahilfkirche in der Au: Über der Au erklingt ein Carillon

Beim Glockenspiel der Mariahilf-Kirche handelt es sich streng genommen nicht um Kirchenglocken – ein Carillon ist ein Musikinstrument. Der Carilloneur spielt es ähnlich wie eine Orgel. Die 65 Glocken schwingen dabei nicht, sie sind fest an Trägerbalken im Glockenstuhl befestigt. Man schlägt sie per Hand über Tasten und Seilzüge an. Die tiefen Glocken werden mit den Füßen über Pedale gespielt. Die größte und mit 2,2 Tonnen schwerste Glocke des Carillons ist die „Paulanerin“, die nächst kleinere, die 1,9 Tonnen schwere „Augustinerin“. Beide wurden von den Brauereien gestiftet.

Sankt Wolfgang in Obermenzing: Leonardo da Vincis Idee in Obermenzing

In St. Wolfgang im Dorfkern von Pipping wurden originalgetreue Nachbauten von da Vinci-Lagern verbaut. Das ist eine besondere Art der Glockenaufhängung, konstruiert von Leonardo da Vinci, aus der Zeit, als es noch keine Kugellager gab. Die zwei Glocken der Kirche stammen aus dem 15. Jahrhundert. Das Kircherl ist die letzte vollständig erhaltene gotische Dorfkirche Münchens. Der Kirchturm ist der Zielpunkt der Mittelachse der Nymphenburger Schlossparks. 2011 wurde die Kirche nach drei Jahren aufwendiger Restaurierung wiedereröffnet.

Alter Peter: Der tiefste Ton der Stadt

Im Alten Peter hängt die tontiefste Glocke der Stadt, die „Jubiläumsglocke“. Sie wurde 1958 zur 800-Jahr-Feier Münchens gegossen und der Kirchengemeinde von der Prinzregent-Luitpold-Stiftung geschenkt. Sie läutet nur zu besonderen Anlässen: zu kirchlichen Hochfesten, besonderen Pfarrfesten, zum Jahresschlussamt und zur Neujahrsnacht. Der Alte Peter hat auch noch vier wertvolle historische Glocken. Die Provisurglocke oder Arme-Sünder-Glocke von 1327, die Zwölferin von 1382, die Elferin von 1665 und die Petrusglocke von 1720.

Sankt Ursula in Schwabing: Neue Glocken im Schwabinger Dom

Die Basilika St. Ursula, der „Dom von Schwabing“, wie die Pfarrkirche auch genannt wird, hat das neueste Geläut Münchens. Nach jahrelanger Renovierung des Kirchturms tauschte man die viel zu schweren Stahlglocken aus der Nachkriegszeit aus. Eine Bronzeglocke aus dem 19. Jahrhundert wurde dabei wieder in das Geläut integriert. Sie hat als einzige Glocke in St. Ursula den Krieg überstanden. Auch die Tonfolge der früheren Glocken wurde wieder hergestellt. Sie stammt vom Komponisten und früheren Leiter der Münchner Musikhochschule Josef Gabriel Rheinberger (†1901).

Neues Rathaus: Weltberühmtes Glockenspiel

Es ist der Anziehungspunkt für Touristen – das Glockenspiel im neuen Rathaus. Jeden Tag recken Schaulustige ihre Hälse Richtung Rathausturm und lauschen den 43 Glocken. Die laufen mit Solarstrom. Bei einer aufwändigen Restaurierung 2007 wurden alle Glocken saniert, gereinigt und nach knapp 100 Jahren erstmals wieder neu gestimmt – auch dank der Spenden vieler Münchner. Die Spielfiguren sind seit 1908 im Einsatz und zeigen Motive aus der Stadtgeschichte: Das Turnier von 1568 zur Hochzeit Herzogs Wilhelm V. und Prinzessin Renata sowie den Schäfflertanz. 

Matthäuskriche am Sendlinger Tor: Im Wasserwerk den Krieg überstanden

Die ältesten Glocken in einer protestantischen Kirche in ganz Oberbayern hängen in St. Matthäus am Sendlinger Tor. Sie wurden um 1830 gegossen. 1938, beim Abriss der alten Matthäuskirche am Stachus durch die Nationalsozialisten, wurden die Glocken gerettet, und in den Betriebswerken der Städtischen Wasserwerke eingelagert. Dass die Glocken der Evangelischen Kirche bei weitem nicht so alt sind als die katholischen, ist historisch bedingt. Erst 1833 bekamen die damals 6000 Münchner Protestanten ihre erste Kirche.

Frauenkirche: Mann ist die dick, Mann!

Im Münchner Dom zu Unserer Lieben Frau hängen die älteste Glocke Münchens, die „Klingl“, und die schwerste Glocke der Stadt, die „Salveglocke“. Das genaue Alter der „Klingl“ ist unbekannt, sie trägt keine Jahreszahl. Die Aufschrift zeigt aber, dass sie im 14. Jahrhundert für die alte Marienbasilika gegossen wurde. Die „Salveglocke“ von 1490 ist mit etwa acht Tonnen die schwerste Glocke des ganzen Erzbistums. Sie gilt als die schönste mittelalterliche Glocke in ganz Süddeutschland. Ihr Beiname „Susanna“ kommt von „Hosanna“.

Herz Jesu in Neuhausen: Big Ben ertönt über Neuhausen

Herz Jesu ist eine wahre Künstlerkirche. Modern und mit viel buntem Glas auch richtig schön. Dieses sehr besondere Kirchengebäude aus dem Jahr 2000 hat ein besonderes Geläut. Man kennt die Melodie vom Big Ben in London oder von der Schulglocke: ein so genanntes Westminster-Geläut. In Herz Jesu hat man die Melodie durch einen Ton ergänzt. Der 37 Meter hohe Kirchturm, ein Campanile, steht frei neben der Kirche. Der Glockenstuhl ist aus Lerchenholz. „Das ist optimal für den Klang“, sagt der Glockensachverständige der Erzdiözese München und Freising, Gerald Fischer.

Heiliggeistkirche: Der Brezenreiter von Heilig-Geist

Rechtzeitig zu Pfingsten bekommt die Heilig-Geist-Kirche am Viktualienmarkt eine neue Glocke: die „Brezenreiter-Glocke“. Jahrhundertelang wurden im Heilig-Geist-Spital einmal im Jahr Brezen an Bedürftige verteilt. Der Brezenreiter ritt in der Nacht davor durch die Stadt und lud alle Armen dazu ein.

Am Pfingstsonntag wird die neue vierte Glocke in einem Festgottesdienst geweiht (9.30 Uhr) und mit einem Kran in den Turm gehoben. Am Nachmittag (14.45 Uhr) erklingt dann zum ersten Mal das komplett renovierte und erweiterte Geläut.

 

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