Hauptversammlung in München Dieselaffäre: BMW-Spitze gibt Fehler zu

Der BMW-Vorstandsvorsitzende Harald Krüger spricht bei der Hauptversammlung. Im Vordergrund steht ein Z 4 Concept Car. Foto: Christian Stadler/BMW AG

Die Hauptversammlung von BMW in München glänzt zwar mit Zahlen - einige der Aktionärsvertreter zeigen sich am Donnerstag dennoch beunruhigt.

München - Profitabelster Automobilkonzern der Welt, achtes Rekordjahr in Folge, mit vier Euro je Stammaktie (50 Cent mehr als im Vorjahr) die höchste Dividende in der Unternehmensgeschichte und dann auch noch ein Vorsteuergewinn jenseits der Zehn-Milliarden-Euro-Grenze - was will ein BMW-Aktionär mehr? Auf der Hauptversammlung des Konzerns am Donnerstag in München herrschte dennoch nicht nur eitel Sonnenschein.

Vorstandsvorsitzender Harald Krüger sprach das heikelste Thema gleich zu Beginn seiner Rede an: "Uns ist vor einigen Jahren ein Fehler unterlaufen." Maximal 11.700 Fahrzeuge besonders leistungsstarker Diesel-Versionen der 5er und 7er Reihe seien mit einem "für diesen Typ nicht bestimmten Softwaremodul versehen" worden, schilderte Krüger den heiklen Vorgang. Und betonte: "Mit einer gezielten Manipulation von Motorsteuerung und Abgasreinigung hat das nichts zu tun".

Schadstoffsoftware? - Polizei durchsucht BMW-Zentrale in München

Die Staatsanwaltschaft München hatte dies bisher offenbar anders gesehen und war am Vortag der Bilanz-Pressekonferenz wegen des Verdachts, in BMW-Autos seien "prüfstandsbezogene Abschalteinrichtungen" verbaut worden, mit einem Großaufgebot zur Durchsuchung der BMW-Zentrale angerückt. Aktionärsvertreterin Daniela Bergdolt zeigte sich alarmiert von dem "Streifschuss". Offenbar habe es doch eine Schadstoffsoftware bei BMW gegeben. Das müsse man schon noch näher erklären. "Ein Diesel-Skandal bei BMW war bisher undenkbar", entsetzte sich Investmentfonds-Vertreter Winfried Matthes.

Doch BMW pocht auf seine saubere Weste. Von dem namentlich nicht genannten Wolfsburger Wettbewerber distanzierte sich der BMW-Chef deutlich: "Das Handeln einiger Hersteller", sagte Krüger, "hat der gesamten Branche geschadet". Auch deshalb habe das Automobil "Gegenwind" erhalten: "Es wird in hohem Maße reguliert - gerade, weil es so populär ist".

Eine weitere Image-Belastung für die Münchner sind Vorermittlungen der EU-Kommission wegen des Verdachts kartellrechtswidriger Absprachen. Der Sachverhalt sei "komplex", man nehme die Vorwürfe "sehr ernst", sagte Aufsichtsratsvorsitzender Norbert Reithofer. Gleichwohl sei es die Frage, ob die Zusammenarbeit in "technischen Arbeitskreisen" als Kartellvergehen gesehen werden könne.

BMW-Chef Krüger: Kampfansage an die Konkurrenz

Hatte Audi-Chef Rupert Stadler noch vor Kurzem einen "Angriffsplan" der VW-Premiummarke entworfen, konterte BMW-Chef Krüger gestern mit einer "Kampfansage an die Konkurrenz": Der spannende Moment, in welchem das vollelektrisch vollvernetzte und "sichere" (Krüger) teilautonom fahrende Zukunftsauto "iNEXT" zu kaufen sein wird, rückt näher.

Das Science-Fiction-Gefährt soll demnach im BMW-Werk in Dingolfing in Niederbayern gebaut werden. Vorher - nämlich 2020 - startet der "i4", der mit Reichweiten bis zu 700 Kilometer "voll und ganz alltagstauglich" sein soll.

Hauptversammlung in München: BMW-Aktionäre zufrieden

Krüger zeigte sich zuversichtlich, in diesem Jahr mindestens 140 000 elektrifizierte Fahrzeuge der Marken BMW und Mini absetzen zu können. Kurzfristig aber spielt die Wachstums-Musik bei BMW vor allem im wenig ökologischen SUV-Bereich: "2018 ist unser X-Jahr", verkündete Krüger. Um die Käufergunst werben besonders die neuen Modelle von X3 und X5, X2 und X4.

An der Grundzufriedenheit der Aktionäre änderten die Schönheitsfehler aber nichts. Wie andere gratulierte auch Daniel Bauer von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger dem Management zu den guten Zahlen. Und doch gab es - wie auch in den Jahren zuvor - Kritik an der Ausschüttungsquote von etwa 30 Prozent. "40 bis 50 Prozent", so Bauer, "sollten schon drin sein".

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