Hauptversammlung Hoeneß an die Fans: "Ich reiche euch die Hand"

Die Südkurve in der Allianz Arena beim Spiel gegen Lille: Viele Plätze blieben leer – aus Protest der Fans. Präsident Uli Hoeneß (kleines Bild) reicht ihnen die Hand. Foto: firo/sampics

Im Streit um die Südkurve geht Präsident Hoeneß, mit 97,1 Prozent wiedergewählt, auf die Fans zu und fordert zu Gespräche auf. Aber: „Auch der FC Bayern muss sich an die Gesetze halten“

 

München - Die Wiederwahl von Präsident Uli Hoeneß auf der Hauptversammlung des FC Bayern München war keine Frage. Es ging nur um die Quote – 97,1 Prozent der anwesenden Mitglieder sagten im Audi-Dome ja. Als neue Vizepräsidenten kann Hoeneß für die kommenden drei Jahre auf Karl Hopfner und Rudolf Schels bauen. Um 22.10 Uhr war die Zustimmung mit überwältigender Mehrheit (bei 69 Gegenstimmen und sechs Enthaltungen) perfekt.

Alles Formsache. Die Gegenstimmen kamen von der Gruppierung im oberen Rang des Audi-Domes, der sich das Thema Südkurvenstreit um die Zulassung zu den Blöcken 122 und 113 zu eigen gemacht hatte.

Noch vor den Wortmeldungen hatte sich Hoeneß selbst zum schwelenden Streit geäußert. Nicht, ohne zuvor einen Seitenhieb auf den Stadtrivalen loszulassen. „Hier in der Halle fühle ich mich wohl, hier ist alles rot. Mit großem Interesse habe ich davon gelesen, dass der TSV 1860 ein neues Stadion bauen will. Dazu gilt mein Angebot, dass ich an dem Tag, an dem 1860 auszieht, die Blaskapelle mitanzuführen.“ Großer Applaus war ihn sicher.

Auch Karl-Heinz Rummenigge konnte sich einen Seitenhieb nicht verkneifen: „Manchmal, wenn ich an der Allianz Arena vorbeifahre und sie gerade mal nicht rot leuchtet, rufe ich extra an, dass ich die andere Farbe nicht sehen muss.“ Über die Löwen hatte der Vorstandsvorsitze aber auch „Positives zu vermelden“. In die Buh-Rufe hinein sagte er: „Pfeifen sie nicht. Der Mieter hat alle Verbindlichkeiten beglichen und auch die Miete pünktlich überwiesen.“

Längst überlagert eine andere Stadion-Diskussion die frühere Malaise mit dem Mieter. Aus Sicht des FC Bayern und der Polizei stellt es ein Sicherheitsrisiko dar, dass bei den Europacupspielen bis zu 500 Fans mehr als erlaubt in den Blöcken 112/113 stehen. Im mittleren Bereich der Südkurve, eben in den Blocks 112 und 113, sind wegen des Stehplatzverbots der Uefa bei internationalen Spielen nur 1385 Fans zugelassen – anders als bei Ligaspielen (1800).

Hoeneß betonte immer wieder: „Auch der FC Bayern muss sich an die Gesetze halten.“ Die stimmungsbereiten Fans, vor allem die Fanvereinigung „Club Nr 12“, verstehen nicht, wieso der Verein keine Lösung anstrebe, sondern den Riegel vorschiebe. Beim Heimspiel gegen Lille (6:1) blieben große Teile jener Blöcke aus Protest auch gegen verschärfte Einlasskontrollen leer. Hoeneß berichtete von einem Brief, den er vom „Club Nr 12“ bekommen hatte.

Seine Antwort auf die Mitgliederversammlung war ein Friedensangebot: „Ich reiche euch die Hand. Die Tür für euch ist immer offen.“ Seine Worte waren die Aufforderung zum zeitnahen Gespräch: „Der FC Bayern ist einer der wenigen Vereine, der die vielen Vereine, die wir in der Fanszene haben, lösen kann. Aber wir müssen aufpassen, dass wir nicht zu Verhältnissen kommen wie in anderen Städten. Wir werden oft attackiert, weil wir angeblich so hart sind. Diese Vereine selbst haben diese Probleme aber gar nicht mehr im Griff. Das darf es in München nie und nimmer geben.“

Viel Applaus aus dem Rund, wenig Kontra. Aus der Fanszene ist zu hören, dass man sich die Argumente des Vereins anhören möchte. Hoeneß rief: „Aber: Es muss ehrlich sein. Und man muss sich an die Dinge halten, die man vereinbart hat. Dann werden wir gut miteinander auskommen. Ich hoffe sehr, dass wir Lösungen finden, mit denen alle leben können.“

 

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