Hans Rebele zur Lage bei 1860 „Die Sorge, dass wir es nicht schaffen, ist groß“

Für Meisterlöwe Hans Rebele (l.) haben die 2016er-Löwen um Stefan Mugosa, Maximilian Wittek, Jan Mauersberger und Christopher Schindler (Bild von l. - r.) ein Kopf-Problem. Foto: az, imago, sampics / Augenklick

Im exklusiven AZ-Interview spricht der Meisterlöwe Hans Rebele über die aktuelle sportliche Situation beim TSV 1860 und den Saisonendspurt. „Meine Einschätzung: Es wird eng bis zum Schluss.“

 

München - Der 73-Jährige Rebele ist gebürtiger Münchner und gewann mit den Löwen 1966 als Stürmer die deutsche Meisterschaft. Die Sitaution bei den abstiegsbedrohten Sechgern bereitet dem Meisterlöwen große Sorgen, wie er im Interview mit der Abendzeitung verriet.

Löwen mit Kopf-Problem? "Nur so erklärbar."

AZ: Herr Rebele, der TSV 1860 hat sich in die Osterfeiertage verabschiedet. Die Bilanz davor: Drei Siege in Folge, eine passable Leistung in Leipzig und zuletzt das 1:1 gegen Arminia Bielefeld.

HANS REBELE: Das war ein Fehlpass-Festival. Ich war draußen in der Arena, schaue die Spiele immer mit den andern Meisterlöwen. Peter Grosser, Fredi Heiß, Bernd Patzke, Hansi Reich – alle waren wir uns einig: Das war eines der schlechtesten Spiele seit langem. Da war nichts von Abstiegskampf zu erkennen. Man hat sich gefragt: Um was geht es? Von Kombinationen braucht man gar nicht zu reden – spielerisch erwartet man ja gar nicht so viel. Aber das war auch von der Einstellung her restlos enttäuschend.

Klingt nach einem Kopf-Problem.

Das ist für mich nur genau so erklärbar. Das war eine totale Blockade. Klar, die Konkurrenz hat vorher gespielt, Düsseldorf einen Sieg gelandet. Aber damit muss man immer rechnen. Man kann schon hoffen, dass die Gegner mal Federn lassen, aber die eigenen Punkte muss man immer noch selbst holen. Das Bielefeld-Spiel hatte nur eine gute Sache an sich.

Das Resultat?

Genau. Es war noch das Beste. In der Vorrunde haben wir solche Spiele noch verloren. Gegen den FSV Frankfurt zum Beispiel, oder auch gegen den KSC: Das waren zum jeweiligen Zeitpunkt Sechs-Punkte-Spiele gegen direkte Tabellennachbarn. Danach hat immer der Gegner gejubelt.

Rettung, Relegation, Abstieg - "Es bleibt eng bis zum Schluss"

Momentan ist Sechzig Sechzehnter. Würde heißen: wieder Relegation.

Ich will nicht gehässig klingen, aber: Wir waren letztes Jahr ja schon am vorletzten Spieltag gegen den Club abgestiegen, als denen ein reguläres Tor aberkannt wurde. Durch dieses Tor und durch das Riesenglück gegen Holstein Kiel haben wir es erst geschafft. Das waren Emotionen pur, sowas habe ich selten erlebt. Danach hätten die Verantwortlichen nach Altötting wallfahrten und eine große Kerze anzünden müssen. Darauf kann und will ich mich nicht mehr verlassen.

Was überwiegt: Der Glaube an den Klassenerhalt oder die Sorge, dass es nicht reicht?

Dass wir gegen den Abstieg spielen, war ja schnell klar. Nach den Pleiten gegen Nürnberg und Berlin nach der Winterpause waren wir quasi schon weg vom Fenster. Durch die neun Punkte danach haben wir einiges an Boden wieder gutgemacht. Man sieht: Es kann immer schnell gehen. Die Sorge, dass wir es nicht schaffen, ist aber nach wie vor groß. Meine Einschätzung? Es bleibt eng bis zum Schluss.

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Wie beurteilen Sie die Chancen im Vergleich zur Konkurrenz?

Paderborn und Düsseldorf traue ich noch was zu – leider. Da ist noch keiner aus dem Rennen, nicht einmal Duisburg. Und auch die oberen Teams wie Bielefeld noch nicht. Schade, dass wir es verpasst haben, die unter Druck zu setzen.

Kommt die Länderspielpause über die Oster-Feiertage zur rechten Zeit, um für den Saisonendspurt Kraft zu tanken?

Ich finde es eher unverständlich, dass die Spieler so viel frei haben. Ein verlängertes Wochenende, vier Tage in einer Woche? Wir Meisterlöwen haben auch schon darüber diskutiert und sind uns einig: Sogar wir haben früher mehr trainiert. Es heißt immer, das Spiel ist schneller geworden. Warum kann ich dann nicht verlangen, dass ein Profi mehrmals in der Woche zweimal trainiert? Ist das Hobby-Fußball? Muss ja nicht jeden Tag sein und das soll auch kein Straftraining sein, sondern die Spieler besser machen.

"Okotie, der wird auch wieder mal treffen."

Wo sehen Sie den größten Verbesserungsbedarf?

Ach, da gibt es vieles: An der Ballsicherheit fehlt es weit. Spielerische Lösungen finden, sich überhaupt mal Chancen herausspielen. Das hat gegen Bielefeld komplett gefehlt. Und immer kann man sich auf die Standards von Michael Liendl auch nicht verlassen.

Worauf lässt sich aufbauen?

Benno Möhlmann und Oliver Kreuzer sind die richtigen Männer, um mit ihrer Erfahrung die richtigen Dinge zu tun. Und die Spieler können es ja: Sascha Mölders hat gut eingeschlagen, Levent Aycicek auch, aber danach etwas abgebaut. Er muss seine Spielfreude wiederfinden. Von Maximilian Beister und Goran Sukalo erwarte ich einiges, wenn sie endlich fit sind. Rubin Okotie ist unser bester Torjäger, der wird auch wieder mal treffen. Auch Valdet Rama ist ein Spieler, der mit seinen Dribblings sehr gefährlich ist, wenn er nicht vergisst, den Ball abzugeben.

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Und wie klappt es, dass es die Löwen wieder Leistung auf dem Platz bringen?

Die Einstellung muss passen, dann erledigt sich so eine Blockade von selbst. Und dann lässt sich auch das nötige Quäntchen Glück wieder erzwingen. Zuletzt gab es nicht viel Gutes, aber ich hoffe doch, dass es nur ein Ausrutscher war.

 

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