Hannover-Keeper ist depressiv Teresa Enke hilft Torwart Miller

Nachdem Hannovers Ersatzkeeper seine psychischen Probleme öffentlich gemacht hat, wollen ihm sein Verein und auch die Witwe von Robert Enke zur Seite stehen

 

Hannover - Die Sorgen um Markus Miller sind groß. Nach dem tragischen Tod von Robert Enke im November 2009 leidet wieder ein Torhüter von Fußball-Bundesligist Hannover 96 unter psychischen Problemen. Bei Ersatztorwart Miller, der im Sommer 2010 vom KSC nach Niedersachsen gewechselt war, wurde jedoch eine mildere Form einer psychischen Krankheit diagnostiziert: mentale Erschöpfung.

„Man fühlt sich psychisch ausgelaugt und müde”, erklärt der Sportpsychologe Ralf Brand die Symptome der Krankheit. Robert Enke hingegen hatte mit schweren Depressionen zu kämpfen.
Ein weiterer Unterschied zwischen Enke und Miller: Der 29-jährige Allgäuer suchte ganz bewusst den Weg an die Öffentlichkeit und berichtete offen von seinen Problemen. „Seit einiger Zeit habe ich immer seltener das Gefühl, dass ich der Mannschaft wirklich helfe oder etwas Wesentliches bewirke. Dabei erlebte ich zunehmenden großen inneren Druck und Anspannungen, die begannen, mich zu blockieren”, erklärte der zweifache Vater. Millers Reaktion: Er machte seine Probleme öffentlich und lässt sich nun in einer Privatklinik in Bayern behandeln.

Robert Enke wagte diesen Schritt nicht. Seine Geschichte endete außerordentlich tragisch – mit seinem Selbstmord auf den Gleisen nahe Hannover. Aus Angst hatte sich der Nationaltorwart nur engsten Vertrauten offenbart. Doch nicht mal seine Frau Teresa wusste wirklich, wie es ihrem Mann im tiefsten Inneren ging. Am 10. November 2009 starb Robert Enke mit nur 32 Jahren. Die Öffentlichkeit erfuhr von seiner Krankheit, die er nur ambulant behandeln ließ, erst nach seinem Tod und reagierte entsetzt. Empört forderten viele, den Druck von den Leistungssportlern zu nehmen. Der Druck ist kaum geringer geworden, die Anzahl der Sportler, die sich frühzeitig mit Sportpsychologen in Verbindung setzen, ist aber laut Brand gestiegen: „Das Beispiel Markus Miller zeigt, dass die Vereine auch nach innen wachsamer geworden sind”, sagt der Psychologe. Robert Enkes Berater Jörg Neblung ist sich „sicher, dass der Tod von Robert etwas bewirkt hat”.

Millers Verein Hannover 96 lobte den erkrankten Torwart für seine Offenheit. Klub-Boss Martin Kind: „Markus Miller hat in einem Klub, der ein furchtbares Erlebnis mit einem persönlichen Schicksal durchgemacht hat, bewusst den Gang an die Öffentlichkeit gewählt und klare Fakten geschaffen. Sein Entschluss verdient allerhöchsten Respekt.” Millers Trainer Mirko Slomka glaubt, dass sein Torwart bald zurückkehrt: „Ich traue Markus zu, diese Behandlung für sich zu nutzen und gestärkt sowie mit neuer Zielsetzung seine Karriere als Fußballprofi erfolgreich fortzusetzen.”

Geht es nach dem Miller behandelnden Psychologen Martin Braun, dann wird sich sein Patient erholen: „Es ist von einer positiven Behandlungsprognose auszugehen.” Auch Miller ist guter Hoffnung: „Ich arbeite mit Martin Braun bereits erfolgreich an Lösungen.”

Wie es zu einer mentalen Erschöpfung kommen kann, erklärt Brauns Kollege Ralf Brand: „Die wesentliche Ursache ist Druck.” Gerade der Konkurrenzdruck innerhalb von Profiteams könne sehr belastend sein, so Brand, der es im Hinblick auf den Fall Enke für „arge Spekulation hält, dass Torhüter gefährdeter sind als Feldspieler”.

Hannover 96 sicherte Miller „uneingeschränkte Unterstützung” zu. Und auch Teresa Enke will helfen. Jan Baßler, der Geschäftsführer der Robert-Enke-Stiftung, sagte: „Teresa freut sich sehr über die Offenheit des Vereins und ist beeindruckt vom Mut Markus Millers. Sie hat ihm umgehend Hilfe angeboten. Teresa Enke weiß ja, dass es nicht nur ein Problem des Erkrankten ist, sondern auch ein Problem der Angehörigen, die nicht wissen, wie sie mit der Situation umgehen sollen.”

 

0 Kommentare