Handball-Nationalteam Medien: Trainer Sigurdsson zieht's nach Japan

Der Vertrag von Dagur Sigurdsson läuft eigentlich bis 2020, eine Option - zu ziehen bis zum 31. Dezember dieses Jahres - ermöglicht ihm allerdings den vorzeitigen Ausstieg zum 30. Juni 2017. Foto: sampics/Augenblick

Handball-Bundestrainer Dagur Sigurdsson hat sich für eine Zukunft in Fernost entschieden. Wie die "Bild"-Zeitung meldet, übernimmt der 43-Jährige im kommenden Jahr die japanische Auswahl, um diese auf Olympia 2020 in Tokio vorzubereiten.

 

Berlin - Bundestrainer Dagur Sigurdsson wird nach Informationen der "Bild"-Zeitung den Deutschen Handballbund nach der Weltmeisterschaft im Januar 2017 verlassen.

Der Isländer werde seinen bis 2020 laufenden Vertrag nicht erfüllen und stattdessen künftig Japans Nationalmannschaft trainieren. Sigurdsson kehre aus familiären Gründen zurück in die Heimat. Von dort aus werde er dann regelmäßig zu den Lehrgängen und Spielen nach Japan fliegen.

"Es gibt viele Spekulationen, aber keinen neuen Stand. Ich habe dazu nichts zu sagen", sagte Sigurdsson am Montagabend und stellte fest: "Ich habe mich noch nicht entschieden."

Seit einiger Zeit gibt es Gerüchte um die Zukunft von Sigurdsson. Der 43-Jährige muss sich bis Ende November entscheiden, ob er seinen bis 2020 laufenden Vertrag erfüllt oder zum Jahresende kündigt. DHB-Vizepräsident Bob Hanning sondiert bereits in Gesprächen mit Managern und Trainern aus der Bundesliga - darunter aber keine Kandidaten für den Job des Bundestrainers - die Lage.

Sigurdsson gilt als Japan-Kenner. Er war von 2000 bis 2003 Spielertrainer bei Wakunaga Hiroshima. Außerdem hospitierte im Vorjahr mit Manabu Todoroki ein Mitglied des japanischen Trainerteams bei ihm. Der Asienmeister von 1977 und 1979 sucht einen Coach, der das Team bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio betreut.

Kretzschmar bringt Biegler ins Gespräch

Der frühere Handball-Nationalspieler Stefan Kretzschmar hat Frauen-Bundestrainer Michael Biegler als möglichen Nachfolger für Männercoach Dagur Sigurdsson ins Gespräch gebracht. Auch Kai Wandschneider (HSG Wetzlar), Markus Baur (TVB Stuttgart) und Ex-Weltmeister Christian Schwarzer hätten, so Kretzschmar bei "spox.com", "das Format, die Nationalmannschaft zu führen", sollte Sigurdsson aufhören.

Ein Nationaltrainer müsse "eine Autoritätsperson mit einer klaren Linie sein, die eine klare Idee und Philosophie mitbringt", sagte Kretzschmar, der aber noch auf einen Verbleib von Sigurdsson hofft.

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Der Isländer sei zu einer "Identifikationsfigur im DHB" geworden. "Dieser Hype, der um die Nationalmannschaft entstanden ist, hat viel mit der Person Sigurdsson zu tun", sagte Kretzschmar. Sigurdssons Abgang "wäre deshalb ein erheblicher Imageschaden. Jetzt, wo es wieder steil bergauf geht, den Sympathieträger zu verlieren, würde der ganzen Sportart wehtun."

Kretzschmar lobt die Arbeit von Sigurdsson, der die deutschen Handballer zum EM-Titel und zu Olympia-Bronze führte, in den höchsten Tönen. "Dagur hat sich von diesem verkrusteten System beim DHB völlig losgelöst, hatte ganz neue Ansätze", sagte der frühere Weltklasse-Linksaußen: "Er hat den deutschen Handball in eine neue Richtung geführt." Der Gedanke an eine freiwillige Demission Sigurdssons mache ihn "traurig".

 

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