Händler wird gekündigt Viktualienmarkt: Standlmann klagt gegen die Stadt

Klagt gegen die Stadt: Georg Fürmeier vor der Verhandlung. Foto: jot

Hygienemängel auf dem Viktualienmarkt: Ein Händler wird gekündigt. Der klagt gegen die Verwaltung – und erhebt schwere Vorwürfe.

 

München - Für Georg Fürmeier (55) geht es schlicht um die Existenz. Die städtischen Markthallen haben dem Gewürzhändler vom Viktualienmarkt die Zuweisung für sein "Gewürzwerk" widerrufen. Der Grund: Hygienemängel. Bei Kontrollen fand das KVR im Jahr 2015 Bau- und Hygienemängel vor, die schließlich im Jahr 2016 – nachdem Fürmeier die Mängel aus Sicht der Markthallen nicht fristgerecht beseitigte – zum Widerruf seiner Zuweisung (Erlaubnis zum Betrieb eines Standes) führten.

Doch Fürmeier und sein Anwalt Joachim Krauß argumentieren, dass die Kontrolleure zwischenzeitlich auch mal erklärt hätten, dass alles in Ordnung sei. "Ich hab' meine Mängel behoben", sagt der Standlbetreiber. Und was nicht in Ordnung sei, habe nicht grundsätzlich er zu verantworten. Fürmeier macht bauliche Mängel der Substanz für viele hygienische Probleme verantwortlich.

Fürmeier weist auf Baumängel hin

"Die Hütten sind nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut worden", erklärt er. Die Bauten entsprechen schon lange nicht mehr modernen Hygiene-, Waren-, Arbeits- und Brandschutzanforderungen. Es fehlen bei vielen Standln sogar Wasseranschlüsse, es gibt kaum Personaltoiletten. Den Sanierungsbedarf hat bereits ein TÜV-Gutachten vor sieben Jahren festgestellt.

Bei seinem Stand dringe zum Beispiel Wasser durch die Lichtschächte ein, erklärte Georg Fürmeier am Mittwoch in der Verhandlung am Verwaltungsgericht. Mit schimmeligen Folgen. Als er den Stand 2002 übernahm, habe er zwar für mehr Luftzirkulation gesorgt. Das allein reiche aber nicht. Fürmeier sieht die Markthallen in der Pflicht. Die baulichen Mängel gehörten auch in die Verantwortlichkeit der Stadt selbst, weil sie Eigentümerin der Flächen und baulichen Anlagen ist.

Doch die Vertreter der Stadt halten vor Gericht dagegen: Wenn es um die betriebliche Hygiene geht, könne sich der Händler nicht auf bauliche Mängel berufen.

Viktualienmarkt wird 2021 saniert

Der 55-Jährige steht mit seinen Problemen nicht allein da. Fürmeier präsentiert dem Gericht am Mittwoch Bilder aus anderen Kellern des Marktes, die das belegen sollen. Im Jahre 2021 wird es mit der Sanierung des Viktualienmarktes losgehen. Die Stadt will möglichst im Bestand sanieren, wie kürzlich erst vom Stadtrat entschieden wurde. Aber es wird auch Neubauten geben. Neue Kellerräume sind eingeplant.

Wenn das Gericht gegen ihn entscheidet? "Dann stehen wir beide auf der Straße", erklärt Fürmeier im AZ-Gespräch. Seine Frau habe zwar einen Internethandel mit Gewürzen aufgebaut. Aber das werfe bislang nur sehr geringe Gewinne für sie ab. "Zum Leben reicht das nicht."

Also setzt er notgedrungen auf das Verwaltungsgericht. Doch das hatte – ebenso wie der Bayerische Verwaltungsgerichtshof – die Eilanträge Fürmeiers abgelehnt. Im Mai hatte der Gewürzhändler seinen Stand deshalb zurückgegeben. Endet so die 16-jährige Ära des Gewürzwerks?

Eine Entscheidung fällt gestern nicht. Das Gericht vertagt sich nach dem Schlagabtausch der Kontrahenten.

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