Hadern Umstrittener Ukrainer auf dem Waldfriedhof

Zeichen des Protests: Ein pro-russischer Demonstrant auf der Krim verbrennt ein Bild von Stephan Bandera. Foto: dpa

Auf dem Waldfriedhof liegt Stephan Bandera begraben - ein hoch umstrittener Separatistenführer aus der Ukraine.

Hadern - Er gehört zu den umstrittensten Figuren in der ukrainischen Geschichte – und ist in München beigesetzt: der Nationalist, Partisan und Separatistenführer Stepan Bandera (1909 –1959). Sein Grab im Alten Teil des Münchner Waldfriedhofs dient der Diaspora als Gedenkort. Es wird von Banderas 80-jährigem Schwiegersohn und dessen Kindern gepflegt.

Bandera war Anführer der Ukrainischen Nationalisten und arbeitete im Zweiten Weltkrieg eng mit den Nationalsozialisten zusammen: Er ließ seine Männer von den Deutschen militärisch ausbilden und unterstützte die Wehrmacht mit seiner Truppe, als diese 1941 in Ostgalizien einmarschierte.

In Lemberg kam es dabei zu einem Massaker an Kommunisten und Juden, bei dem 7000 Menschen starben. Banderas Ukrainer waren an den Morden maßgeblich beteiligt. In der Ostukraine, aber auch in Polen und Israel gilt Bandera deshalb als Verbrecher und Nazi-Kollaborateur.

Die Ultranationalisten in der Westukraine hingegen verehren Bandera als Nationalhelden – weil er nach der Eroberung Lembergs die Unabhängige Ukraine ausrief, dafür von den Nazis verhaftet und im KZ Sachsenhausen inhaftiert wurde.

Ende 1944 kam er frei, lebte fortan unter falschem Namen im deutschen Exil und wurde 1959 von einem KGB-Agenten in München getötet: Im Eingang von Banderas Wohnhaus in der Kreittmayrstraße7 zückte der Mörder eine pistolenähnliche Waffe und sprühte Blausäuregas auf den Mann, den die UdSSR als Kriegsverbrecher suchte.

Im Jahr 2010 ernannte der damalige Präsident der Ukraine, Viktor Juschtschenko, Bandera posthum zum „Held der Ukraine“, Viktor Janukowitsch entzog ihm den Ehrentitel wieder. An Banderas Todestag (15.Oktober) hält die ukrainische griechisch-katholische Kirche in München jedes Jahr eine Gedenkmesse ab.

Schließlich sei Bandera bis zu seinem Tod ein Mitglied der Kirchengemeinde gewesen, sagte Pfarrer Vladimir Viitovitch von der ukrainischen katholischen Pfarrei. Die letzte große Feier zum 50. Todestag besuchten im Jahr 2009 nach Familienangaben rund 500Trauergäste. „Viele Gruppen kommen aber auch ohne konkreten Anlass, um Bandera zu ehren“, sagt Schwiegersohn Andrij Kucan: Touristen und Ukrainer aus aller Welt.

 

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