Haching-Trainer im Interview Claus Schromm: „Den Halbmarathon haben wir schon hinter uns“

Claus Schromm, Trainer der SpVgg Unterhaching. Foto: dpa

Hachings Trainer Claus Schromm über das Topspiel in der 3. Liga gegen Magdeburg - und über sein Luxusproblem.

Unterhaching - Claus Schromm (48) arbeitet seit 2012 für die SpVgg Unterhaching. Am Ostersonntag (14 Uhr) empfängt er mit seinem Team den 1. FC Magdeburg im Sportpark. Hier stellt er sich den Fragen der AZ.

AZ-Interview mit Claus Schromm

AZ: Frohe Ostern, Herr Schromm! Was liegt bei Ihnen am Sonntag im Osternest?
CLAUS SCHROMM: Ein Fußballfest mit sehr, sehr vielen Magdeburger und Hachinger Fans.

Sie haben die drei Punkte vergessen!
Die wollen wir immer. Und dass es gegen Magdeburg gelingen kann, haben wir gezeigt. Wir sind heiß und hoffen, dass am Ostersonntag die berühmten drei Eier bei uns im Nest liegen werden.

Sie sprachen gerade das Hinspiel in Magdeburg an – Haching gewann mit 3:0.
Im Hinspiel haben wir ihnen ein Bein gestellt. Das war eine einmalige Erfahrung: für die Spieler, für das Trainerteam. 15 Minuten nach dem Spiel hat die ganze Magdeburger Wand noch immer ihre Mannschaft gefeiert, so als hätten sie 3:0 gewonnen – dabei haben wir gewonnen. Es war aber damals sicher nicht unser bestes Spiel, aber das Spiel mit dem besten Verlauf. Wir haben zum richtigen Zeitpunkt die Tore gemacht und Korbinian Müller mit zwei Glanzparaden die Null gehalten.

Magdeburg ist aktuell Tabellendritter, hat drei Punkte weniger als der Primus Paderborn – allerdings auch ein Spiel weniger absolviert. Worauf stellen Sie Ihre Mannschaft ein?
Magdeburg ist ein sehr aggressiver, sehr zweikampfstarker Gegner. Sie haben uns im Hinspiel total hoch angepresst. Da haben wir uns sehr gut herauslösen können, haben danach gefährliche Konter gefahren. Und darauf wird es auch am Sonntag ankommen. In Ballbesitz müssen wir Ruhe und Coolness ausstrahlen.

Sie setzten diese Saison mit einem Halbmarathon gleich. Das wäre der Klassenerhalt. Einen Marathon könne die Mannschaft nach dem Aufstieg noch nicht laufen, sagten Sie. Um im Bild zu bleiben: Wie viel Kilometer hat Ihr Team bis jetzt absolviert und wie viele Kilometer werden es am Ende der Saison sein?
Wir haben unseren Halbmarathon schon hinter uns gebracht – spätestens durch die Niederlage am Dienstag von Chemnitz (1:4 gegen Wehen Wiesbaden; Anm. Red.). Den Marathon werden wir aber nicht mehr packen. Jetzt geht es darum, noch so weit zu laufen, wie wir eben können.

Ging Ihrem Team nicht etwas zu früh die Puste aus – es war doch deutlich mehr drin in dieser Saison?
Nein, wir sind absolut zufrieden. Es war klar, dass wir nicht jedes Spiel gewinnen werden. Diese Rechnung kann nicht aufgehen. Nicht bei uns – und auch nicht bei allen anderen 19 Vereinen in dieser Liga.

Bei aller Zufriedenheit. Für Ihr Team geht es in dieser Saison um nichts mehr. Nicht mehr um den Aufstieg, nicht mehr gegen den Abstieg. Wie viel Luft ist schon raus?
Unser Ziel war der Klassenerhalt. Für uns ist das also eher ein Luxusproblem. Ähnlich erging es uns ja auch in der letzten Saison, da waren wir viele, viele Wochen vor den Aufstiegsspielen bereits Meister. Wenn man die Jungs im Training beobachtet, dann sieht und spürt man, dass sie sich stets entwickeln wollen.

Sie sagten im letzten AZ-Interview, dass Sie erst dann Ruhe geben, wenn aus Haching ein stabiler Zweitligist geworden sei. Ihr Kontrakt läuft noch bis 2020. Bis wann soll das Ziel spätestens realisiert werden?
Das kann man schwer vorhersagen. Im Fußball spielen viele Bereiche mit, die kaum planbar sind.

Claus Schromm: Das System der dritten Liga ist krank

Und dennoch kokettiert man hier recht offensiv mit dem Aufstieg: Mittelfeldstratege Ulrich Taffertshofer sagte zuletzt in der AZ, Unterhaching müsse so schnell wie möglich in die zweite Liga. Vermessen oder angemessen?
Was Uli sagt, ist leider richtig. Das System der dritten Liga ist schlichtweg krank.

Weshalb das?
Aufgrund der sehr unfairen Verteilung der Fernsehgelder.

Um aber überhaupt Chancen auf den Aufstieg in Liga zwei zu haben, müssten die Defensivschwächen behoben werden. Ihr Team hat bereits 45 Gegentore kassiert, die siebtmeisten der Liga.
Das ist eine der großen Lehren, die wir aus dieser Saison mitnehmen. Die Defensivarbeit ist bei uns seit längerer Zeit der Schwerpunkt im Training. Und darauf werden wir den Fokus auch in der kommenden Saison richten. Die Jungs sind äußerst lernwillig.

Wie oft wurden Sie in dieser Saison deswegen schon laut?
Wenn ich laut werde, dann überschlägt sich meine Stimme total und kein Mensch versteht mich. Deswegen versuche ich das zu vermeiden.

Es wäre wohl auch nicht ganz fair, da Sie durchaus ein leidenschaftlicher Verfechter dieses offensiven Spielstils sind. Wie viel Schuld tragen Sie eigentlich an der Gegentorflut?
Ich möchte, dass die Zuschauer zufrieden nach Hause gehen, ein attraktives Spiel mit vielen Toren sehen. Deswegen nehme ich lieber ein 3:2 als ein 1:0.

In der Offensive tummeln sich mit Sascha Bigalke und Stephan Hain zwei Spieler, die mehr als Drittliga-Format verkörpern. Wie oft mussten Sie die beiden schon zur Seite nehmen, um ihnen einen Wechsel auszureden?
Ich gehe nicht ganz konform mit der Aussage, dass nur diese beiden solch ein Format besitzen. Wir haben davon nämlich sehr viele im Team. Wir wussten nicht, dass unser Projekt direkt mit dem Drittliga-Aufstieg starten würde, aber wir wussten von Anfang an, wo es hingehen soll – in die zweite Liga. Und dass sie sich für diesen Weg entschieden haben, spricht für sie.

Daumendrücken für 1860 - und zwei überragende Derbys

Trotz der großen Ambitionen schauen Sie auch nach hinten in die Regionalliga – auf den TSV 1860. Wie intensiv verfolgen Sie die Saison der Löwen?
Ich drücke ihnen schwer die Daumen und glaube fest an den Aufstieg. Ich freue mich schon jetzt auf zwei überragende Derbys.

Ist so ein Topspiel wie gegen Magdeburg für die Spieler und für Sie als Trainer zumindest ein bisschen Derby-Ersatz?
Spiele in Stadien mit super Stimmung sind unsere Grundmotivation. Genau für das trainieren wir sieben Mal die Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr. Wir wollen die Leute begeistern. Das ist uns im Hinspiel gegen Magdeburg gelungen – und wir wollen, dass uns dies am Sonntag erneut gelingt.

Und welche Schlagzeile wünschen Sie sich über dem Spiel?
Haching stellt vor Rekordkulisse Magdeburg erneut ein Bein.

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