Guardiola sucht den Verräter Matthäus: "Diese Bayern stoppt kein Maulwurf"

Pep Guardiola auf Jagd nach dem „kleinen Maulwurf“: Wer trägt geheime Informationen nach außen? Foto: Rauchensteiner, Augenklick

Pep Guardiola sucht beim FC Bayern München den Geheimnis-Verräter, der Interna aus Sitzungen preisgibt – und droht, denjenigen nie wieder spielen zu lassen. Was Lothar Matthäus nun Pep rät, wie er selbst mit ähnlichen Affären umgegangen ist - das Maulwurf-Interview.

 

AZ: Herr Matthäus, beim FC Bayern sorgt eine Maulwurf-Affäre für Aufsehen. Können Sie als Trainer Pep Guardiolas Ärger nachvollziehen?

LOTHAR MATTHÄUS: Ich kann gut verstehen, dass er sauer ist. Sollte es tatsächlich stimmen, dass jemand Interna aus der Kabine nach außen trägt, ist das blöd für ihn. Da bereitet man sich akribisch vor – und dann steht am nächsten Morgen alles in der Zeitung. Unangenehm! Ich aber würde an Peps Stelle den Spielern erst mal vertrauen, bevor man ihnen droht, und den Maulwurf woanders suchen.

Wenn er den Maulwurf innerhalb der Mannschaft findet: Glauben Sie, Pep würde wirklich einen Spieler rausschmeißen, wie er es angedroht hat?

Klar kann er das. Der Spieler läuft dann halt nur noch als 22. Mann mit. Ganz einfach. Aber ich glaube nicht, dass es soweit kommen wird. Ich traue es jedenfalls keinem Bayern-Spieler zu. Wenn es einen Maulwurf gibt, würde er einen großen Preis dafür zahlen müssen – und so dumm ist kein Spieler beim FC Bayern.

Sicher?

Wer sagt denn, dass es überhaupt einen Maulwurf gibt? Ich muss auch mal eine Lanze für Ihren Berufsstand brechen: Journalisten sind nicht doof, die beobachten selbst viele Dinge. Sie bekommen hier und da vielleicht ein, zwei Informationen aus erster Hand bestätigt, na gut, aber ist das dann gleich eine Maulwurf-Affäre?

Sagen Sie es uns!

Ich kann nur sagen, dass ich es gut finde, wenn Journalisten Punch haben und sich trauen zu spekulieren. Aber wenn's dann stimmt, heißt's bei Bayern gleich: Das muss einer verraten haben! Es muss ja nicht unbedingt ein Spieler gewesen sein, es kann auch aus dem Umfeld der Mannschaft kommen. Ich jedenfalls weiß aus eigener Erfahrung, dass es häufig nicht stimmt.

Weil Sie selbst während Ihrer Zeit beim FC Bayern oft verdächtigt wurden, ein Maulwurf zu sein.

Ich formuliere es mal so: Man kann Informationen auch bewusst streuen, um von sich selbst abzulenken. So war's zumindest bei mir.

Bitte?

Da haben die Spieler mit dem Finger auf mich gezeigt, die selbst die Informationen nach außen gegeben haben. Ich kenne die Namen, aber ich sag' sie jetzt nicht. Das ist Vergangenheit.

Indiskretion gehört zum FC Bayern quasi seit jeher dazu.

Uli Hoeneß hat gute Kontakte zu anderen Medien gehabt, Jürgen Klinsmann auch. Nur bei der 'Bild' wird das immer ein bisschen anderes gewertet, da ist der Aufschrei größer.

Also alles ganz normal.

Der FC Bayern marschiert in der Liga, marschiert in der Champions League. Wer soll sie stoppen? Ein Maulwurf bestimmt nicht.

Auch Dortmund nicht?

Sieben Punkte Vorsprung gibt Bayern nicht mehr her, für Dortmund wird es nichts mehr mit der Meisterschaft. Für mich sind die Würfel seit Samstag gefallen.

War das 3:0 auch ein Sieg von Pep über Klopp?

Klar gehört der Trainer auch dazu. Bei Bayern haben Peps Wechsel gestochen, bei Dortmund die von Klopp nicht.

Was irritierte: Vor dem Spitzenspiel haben Sie Dortmund den Sieg gewünscht.

Moment, Moment! Ich habe als Fan gesagt, dass es im Sinne des Fußballs einfach schön wäre, wenn die Meisterschaft weiter spannend bliebe – und dazu hätte Dortmund gewinnen müssen. Ich
wünsche Bayern jeden Titel, aber nicht schon nach dem 13. Spieltag. Das ist doch öde.

Bleibt Bayern als größter Gegner für sich selbst.

Ach, so viel Unruhe wird's nicht geben. Dafür halten alle Verantwortlichen zu stark zusammen. Zwischen die passt kein Blatt. Nicht mal zwischen Sammer und Guardiola.

 

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