Gruppe Flüchtlinge gestrandet Vor Bayernkaserne: "Wir haben ein Problem"

Alles andere als geschützt: Bei Regen, Sturm und Sommerhitze schlafen die Männer aus Afghanistan und Pakistan in diesem Unterstand. Foto: Kettinger

Eine Gruppe Geflüchteter aus dem Landkreis Traunstein campiert seit vier Wochen vor der Bayernkaserne. Sie dürfen auch bei schlechtem Wetter nicht in die Bayernkaserne umziehen, sie müssen auf dem Vorplatz unter einem Wellblechdach bleiben. Warum sie trotzdem da sind.

 

München - Seit einem Monat harren sie schon aus – seit einem Monat und vier Tagen, um genau zu sein. Im Eingangsbereich der Bayernkaserne, links vor dem „Lighthouse Welcome Center“ campieren zwei Dutzend junge Männer, Flüchtlinge aus Pakistan und Afghanistan, die eigentlich in Ruhpolding untergebracht sind.

„Aber dort“, sagt einer ihrer Sprecher, „haben wir wirklich ein großes Problem“. In ihrer Unterkunft – einer ehemaligen Pension, das der Besitzer in ein Asylbewerberheim umfunktioniert hat und an den Landkreis Traunstein vermietet – würden sie schikaniert, sagen die Männer. Ihre Post würde nicht weitergeleitet, sondern einfach zerrissen.

Mehrere von ihnen hätten deshalb wichtige Termine beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge verpasst. Menschen müssten im Keller hausen und das Fleisch, das ihnen vorgesetzt werde, sei oft schon so alt, dass einige bereits ernsthaft krank geworden seien.

Vor allem ein bestimmter Mitarbeiter des Hauswirts, ebenfalls Migrant, mache ihnen das Leben schwer. Auf all das wollen sie mit ihrer Aktion aufmerksam machen – und so lange nicht zurückkehren, bis sich an ihrer Situation etwas ändert. Tatsächlich gibt es angenehmere Formen des Protestes.

"Umverteilung nur in begründeten Ausnahmefällen"

Die „Ruhpoldinger“ dürfen auch bei schlechtem Wetter nicht in die Bayernkaserne umziehen. Sie müssen auf dem Vorplatz unter einem Wellblechdach bleiben, auch wenn es stürmt. „Die Asylbewerber sind dem Landkreis Traunstein zugewiesen, sie sind verpflichtet, in der entsprechenden Unterkunft zu wohnen“, teilt die Regierung von Oberbayern als Betreiberin der Erstaufnahmeeinrichtung dazu mit. „Eine Umverteilung in eine andere Unterkunft erfolgt nur in begründeten Ausnahmefällen, die hier jedoch nicht ersichtlich sind.“

In manchen Nächten, sagen die Geflüchteten, sei es draußen so kalt gewesen, dass keiner schlafen konnte. Allerdings steht in der Causa Aussage gegen Aussage. Der Besitzer der Ruhpoldinger Unterkunft hat die Vorwürfe öffentlich dementiert – und wiederum den Flüchtlingen unterstellt, sie seien doch nur nach München gefahren, um dort Frauen kennenzulernen und schwarzzuarbeiten. Das bestreiten die 18- bis 30-Jährigen jedoch vehement.

Das Landratsamt Traunstein stärkt dem Vermieter den Rücken. „Bislang gab es über ihn keine Klagen“, sagt Sprecher Roman Schneider. „Im Gegenteil. Er hat vorher in Trostberg eine Unterkunft betrieben und wurde vom Helferkreis über den grünen Klee gelobt.“

Es kommt Bewegung in die Sache

Trotzdem hätten die Mitarbeiter die Anschuldigungen überprüft. „Von unserer Seite aus hat es keine Auffälligkeiten gegeben“, sagt Schneider. Und bei den kritisierten Kellerräumen handele es sich um ausgebaute Zimmer im Souterrain. Trotzdem kommt nun Bewegung in die Sache.

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Vergangenen Donnerstag traf man sich zum Runden Tisch in München: Vertreter der Geflüchteten, des Kreises und der Regierung. „Am Ende des Gesprächs hat die Regierung von Oberbayern dem Landratsamt Traunstein zugesagt, es im Rahmen ihrer Zuständigkeit dabei zu unterstützen, eine personelle Änderung in der Unterkunft vorzunehmen“, sagt Regierungssprecherin Carina Karg.

Auch aus dem Landratsamt heißt es: „Wir arbeiten da an einer Lösung.“ Und die Protestierenden sagen, wenn der Mitarbeiter des „Chefs“, der sie immer wieder diskriminiere, tatsächlich ausgetauscht würde, wären sie zu einer Rückkehr bereit: „Wir haben Respekt vor den Behörden und akzeptieren, dass wir zurück müssen.“