Grünes vorm Fenster Frühlings wird's: So werden Sie zum Balkon-Gärtner

Frisch vom Strauch – und schon im Mund: Sich auf dem Balkon einen eigenen kleinen Obst- und Gemüsegarten anzulegen, ist gar nicht so schwer. Foto: imago

Für frisches Obst und Gemüse braucht es nicht immer ein ganzes Beet – wir zeigen, was sie wo am besten anpflanzen.

München - Wer als Münchner einen Balkon hat, der schätzt sich glücklich. Neben ausgiebigen Bräunungsstunden, Frühstück im Freien oder dem Feierabendcocktail zum Sonnenuntergang wünschen sich auch immer mehr Städter Grünes vor ihrem Fenster, das man im besten Fall auch noch essen kann.

Die erste eigene knallrote Tomate, die auch wirklich reif vom Strauch kommt, die Süße einer selbst gesähten Erdbeere – dafür braucht es nicht unbedingt Unmengen von Platz. Gartenbautechniker Gottfried Röll von der Bayerischen Gartenakademie erklärt, welches Obst und Gemüse auch auf dem Balkon gelingt, je nach Himmelsrichtung und damit Sonneneinstrahlung. Er empfiehlt, sich speziell nach balkongeeigneten Sorten umzusehen, denn diese wachsen schnell und bringen meistens innerhalb kurzer Zeit eine reiche Ernte.

Also: Werden Sie mit der AZ zum Balkon-Gärtner – und erfahren Sie außerdem, was Sie auf Ihrem Balkon außer Garteln noch so alles dürfen.

Südbalkon: Der Sonnentanker

Der Südbalkon bietet vor allem sehr, sehr viel Licht. Die volle Sonneneinstrahlung genießen leider auch Pflanzenschädlinge wie etwa die rote Spinne. Bei viel Sonne muss natürlich auch viel gegossen werden – allerdings ist das nicht der einzige Faktor, erklärt Röll: Auch der Wind entscheidet. Es gilt: Je mehr Wind weht, desto schneller trocknet die Erde aus und desto mehr muss gegossen werden.

Heimisch fühlen sich auf einem Südbalkon ganz klar Tomaten, die allerdings unbedingt in einem Kübel und nicht im Balkonkasten gezogen werden sollten. Der Kübel sollte mindestens 20, besser 30 Liter fassen, rät der Gartenbautechniker. Ebenfalls geeignet für einen Südbalkon sind mediterrane Kräuter wie Rosmarin oder Basilikum. Sie wachsen auch im Balkonkasten, der aber am besten einen doppelten Boden hat, in dem Wasser gespeichert wird.

Mittlerweile tragen auch sogenannte Säulen-Apfelbäume genießbare Früchte – das sei vor zehn bis 15 Jahren noch nicht so gewesen, sagt Röll. Die besten Balkonsorten: Rondo, Sonate, Red River und Jucunda.

Ost- /Westbalkon: Der Ideale

Die Ost- und Westbalkone im Halbschatten sind sehr gut zum Obst- und Gemüseanbau geeignet – der Westbalkon wegen der Sonne am Abend noch etwas besser, sagt Röll. Gegenüber den Südbalkonen haben sie den Vorteil, dass die Temperaturschwankungen nicht so extrem sind und sich Schädlinge wegen der Luftfeuchtigkeit nicht so wohl fühlen.

Hier können Hobbygärtner sich austoben: Paprika und Gurken wachsen gut im 20-Liter-Kübel. Wichtig ist das richtige Entgeizen, also das Entfernen von Nebentrieben einer Pflanze. Bei Gurken, die im Kübel wachsen, kann man in der Regel auf das Entgeizen verzichten, erklärt der Garten-Experte. Paprikapflanzen werden grundsätzlich nicht entgeizt, allerdings sollte man die erste Blüte (Königsblüte) entfernen, damit die nachfolgenden Früchte größer werden.

Auch so genanntes Säulenobst eignet sich für diese Balkonarten,insbesondere Beerensorten: Schwarze und rote Johannisbeeren, Heidelbeeren und Stachelbeeren gehen gut, Himbeeren und Brombeeren weniger. Die Sträucher werden als kleine Pflanzen in Kübel gesetzt.

Nordbalkon: Das Sorgenkind

Wer einen Nordbalkon hat, für den ist es schwieriger, Obst und Gemüse anzubauen – denn die Sonne fehlt. Das hat oft zur Folge, dass viele Sorten langsamer wachsen und es länger bis zur Ernte dauert. Verzweifeln müssen Nord-Gärtner deshalb aber nicht. "Man muss experimentieren", sagt Röll. Gedeihen könnten zum Beispiel Blatt- und Pflücksalate wie Kopfsalat, Lollo Rosso oder Eichblatt. Sie werden im Balkonkasten ausgesäht, die Pflanzen sollten einen Abstand von 25 bis 30 Zentimetern zueinander haben. Wichtig: Salate überstehen keinen Frost und müssen gegebenenfalls reingeholt werden, sie vertragen außerdem keine Staunässe.

Ebenfalls im Balkonkasten aussähen kann man Radieschen, die sehr niedriges Laub haben und von denen in einen regulären Balkonkasten sogar zwei Reihen passen. Eine andere Möglichkeit ist Kresse: Sie gedeiht auf fast jedem Boden.

Was Sie dürfen - und was nicht

Obst und Gemüse auf dem eigenen Balkon anpflanzen, ist erlaubt. Aber wie sieht es mit der restlichen Balkongestaltung, Grillen oder Sommerpartys aus? Volker Rastätter, Geschäftsführer des Mieterverein München, klärt auf:

  • Sichtschutz: Ist erlaubt bis zur Höhe der Balkonbrüstung. Er muss mit der Gestaltung der Außenfassade vereinbar sein.
  • Markise: Vor dem Anbringen lieber den Vermieter fragen. Ein Anbringen an der Hauswand gilt als Eingriff in die Bausubstanz. Erlaubt: ein Sonnenschirm!
  • Blumenkästen: Laut Mieterverein dürfen Sie Blumenkästen sowohl innen als auch außen anbringen. Sie müssen aber gut befestigt sein. Gießen, bei dem ständig Wasser die Fassade hinunterläuft, ist nicht erlaubt. Blüten und Blätter müssen Mieter entsorgen.
  • Kletterpflanzen: Sie sind nicht erlaubt, da sie das Mauerwerk beschädigen.
  • Grillen: Gesetzlich erlaubt, allerdings kann im Mietvertrag geregelt sein, wann und wie lange – daran muss man sich halten. Bei Beeinträchtigungen durch Rauch kann es der Vermieter auch verbieten.
  • Lärm: Bei einer Party am Balkon gilt wie bei anderen Partys auch die örtliche Lärmschutzverordnung: Ab 22 Uhr sollte man lieber also drinnen weiterfeiern.

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