Grünes Dach statt große Gärten Die Zukunft des Eggartens nimmt Gestalt an

Noch bis 2025 könnten auf dem Areal der Eggarten-Siedlung, südlich des Lerchenauer Sees, 1.750 bis 2.000 neue klimaneutrale Wohnungen entstehen. Foto: Eggarten Projektentwicklung

Im Eggarten im Münchner Norden sollen 2.000 Wohnungen entstehen. Die AZ erklärt den Wettbewerbssieger – und, warum es weiter lauten Protest gibt.

 

München - "Einen Ort, der bisher nur wenigen Menschen vorbehalten war, machen wir jetzt wieder vielen Münchnerinnen und Münchnern zugänglich", verkündete Ralf Büschl stolz auf der Pressekonferenz im Isarforum. Er ist Vorsitzender der Geschäftsführung der Büschl Unternehmensgruppe, einer der beiden Grundstückseigentümer der Eggarten-Siedlung im Münchner Norden. Für die war ein Architektenwettbewerb ausgelobt worden – mit dem offiziellen Ziel, den Eggarten zu einem "zukunftsweisenden und nachhaltigen Modellquartier" zu entwickeln.

Nun ist die Entscheidung gefallen. Die Jury um Stadtplaner Markus Allmann hat sich aus den über 14 Einreichungen für den Entwurf von Studio Wessendorf und dem Atelier Loidl Landschaftsbau GmbH entschieden. "Der Siegerentwurf hat sich inspirieren lassen von der historisch gewachsenen Grünstruktur, er erhält viele Bäume und integriert Bestandsgebäude", so Stefan Ondracek von CA Immo.

Eggarten-Viertel soll an öffentlichen Nahverkehr angebunden werden

Das Konzept von Architekt Jörg Wessendorf sieht zwei oberirdische Parkplatzflächen sowie eine Tiefgarage am Rande des Quartiers vor. Im Innenbereich des Quartiers entsteht so eine verkehrsberuhigte Zone.

Damit die künftigen Bewohner auf eigene Autos verzichten und auf Radl, Bus und Bahn umsteigen, soll das Viertel mit kurzen Wegen an den öffentlichen Nahverkehr angebunden werden. Zusätzlich sollen Sharing-Angebote zur Verfügung stehen.

Die Gebäude sollen CO2-neutral gebaut und die Fassaden sowie Dächer begrünt werden. Das schafft ein gutes Stadtklima und verringert die Wärmebelastung. Doch der Eggarten soll nicht nur Modellquartier für Mobilität und Energie werden, sondern auch für das genossenschaftliche Bauen. Bis zur Hälfte der bis zu 2.000 Wohnungen sollen Genossenschaften errichten. Nach Angaben der Eigentümer das größte genossenschaftliche Bauprojekt seit dem Zweiten Weltkrieg in München.

BUND: "Artenschutz beginnt vor der eigenen Haustüre"

Als nächster Schritt muss der Stadtrat über das "Strukturkonzept" des Eggartens entscheiden.

Der Stadtratsbeschluss könnte gleichzeitig auch Startschuss für die Bebauung des zirka 21 Hektar großen Gebiets sein. Um dies zu verhindern, setzen sich der BUND und der Landesbund für Vogelschutz weiter für den Erhalt des Eggartens ein. Ihre Begründung: Eine Entscheidung des Stadtrates für den Bau des Modellquartiers stehe dem Volksbegehren Artenschutz entgegen.

Christian Hierneis, Vorsitzender des BUND, mahnt: "Es ist scheinheilig, das Volksbegehren zu unterstützen, wie die SPD, oder es im Landtag in Gesetzesform zu gießen, wie die CSU, und gleichzeitig zu beschließen, eine der letzten Naturflächen in der Stadt zu betonieren. Artenschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und beginnt vor der eigenen Haustüre!"

Die drei Modelle der Preisträger werden bis zum 9. August im Isarforum auf der Museumsinsel von 12 bis 20 Uhr ausgestellt.

Lesen Sie hier: Gibt es bald ein Radl-Referat in München?

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