Grüner Bürgermeister Hep Monatzeder: "Ich dachte, ich sterbe"

"Es geht wieder bergauf", sagt Hep Monatzeder. Inzwischen ist der Bürgermeister wieder voll im Rathaus-Einsatz. Foto: Petra Schramek

Hier schildert der grüne Bürgermeister den Schock, den er auf den Philippinen erlebt hat – und den Horror seiner Behandlung: Die Schrauben, die der Arzt bei der OP verwendet, stammen vom Markt
 
AZ: Die wichtigste Frage, Herr Monatzeder: Wie geht es Ihnen nach dem Unfall?

 

Es geht wieder bergauf. Allerdings nur langsam, ich bin ein bisserl ungeduldig. Ich muss noch jede Menge Tabletten nehmen, was manchmal auch ein wenig nervt. Schmerzmittel und Antibiotika. Deswegen bin ich in der Früh etwas schwummrig beieinander.

Erinnern Sie sich an jedes Detail des Unfalls?

Ich war nicht bewusstlos. Es war halt ein saublöder Unfall. Ich bin mit dem Moped langsam auf der rechten Seite gefahren, und dann kamen mir zwei Jugendliche mit einem Affenzahn auf dem Moped entgegen. Der Fahrer ist mit dem Vorderrad von der Fahrbahn abgekommen, wollte wieder zurück, und dabei hat’s ihm das Radl aufgestellt, das ganze Motorradl hat’s dann gedreht und mich von der Straße gefegt. Dabei hatte ich noch unglaubliches Glück: Alle acht Meter standen Pflanzbeton-Kübel. Ich kam ganz nah an so einem Kübel zu liegen.

Hatten Sie Schmerzen?

Ich stand so unter Schock, dass ich nichts gefühlt habe. Ich hatte das Gefühl, dass meine linke Seite eiskalt ist. Aber ich habe gespürt: Die Knochen stimmen nimmer. Dann hatte ich wieder großes Glück: Es kamen immer mehr Leute, darunter war ein junger Mann. Der hat mich gefragt, ob ich mich auf sein Motorrad setzen kann, dann bringt er mich zum Doktor. Ich hab mich mit der Seite, die unverletzt war, eingehalten. Erst während der Fahrt kamen die Schmerzen. Inzwischen weiß ich: Es war gut, dass er mich mitgenommen hat. Wenn ich auf die Polizei gewartet hätte, hätte ich das Ganze vielleicht nicht überlebt.

Die Fahrt muss der Horror gewesen sein.

Das Schlimmste war: In der Ambulanz der nächstgrößeren Stadt und im Krankenhaus der Kreisstadt haben sie abgewunken und mich weiter geschickt in die Uniklinik in Cebu. Also die ganze Strecke zurück. Das hat Stunden gedauert. Ich dachte, ich sterbe vor Schmerzen. Ich hatte bei dem Unfall nur mein Brillenetui und ungefähr 120 Euro dabei. Kein Handy, keinen Ausweis. Als ich endlich in Cebu auf der Notfallstation war, bin ich erst mal gefragt worden, ob ich Geld habe. Das hat dann wenigstens fürs Röntgen gereicht.

Wie schwer waren Sie verletzt?

Schulter, Schlüsselbein und acht Rippen waren gebrochen – meine Lunge ist verletzt worden. Deswegen war ich nicht transportfähig und musste nach dem Unfall noch zehn Tage auf den Philippinen bleiben. Erst als es mir etwas besser ging, konnte ich vor Ort operiert werden. Am Vortag sagte mir der Arzt: Heute muss ich für den Eingriff noch auf dem Markt einkaufen. Dort besorgte er Schrauben und ein Hakerl – wie zum Aufhängen großer Bilder. Leider dauerte die Operation dann ewig lange, fünfeinhalb Stunden. Dabei habe ich mir Keime geholt. Als ich endlich in München war, musste erst einmal diese Entzündung behandelt werden. Die Metallteile mussten wieder raus, insgesamt hatte ich sechs OPs.

Klingt nach einer Tortur.

Ja, aber ich habe unglaubliches Glück gehabt.

Warum haben Sie anfangs so eine Geheimniskrämerei um den Unfall gemacht?

Das habe ich nicht. Ich habe immer Wert darauf gelegt, zwischen dem privaten und dem politischen Hep Monatzeder zu trennen. Ich habe nie irgendwelche Homestorys gemacht, weil ich das nicht will.

Es ging ja nicht um eine Homestory. Sie sind eine Person des öffentlichen Lebens. Da ist doch klar, dass die Münchner und Ihre Parteifreunde wissen wollen, was passiert ist.

Ich habe ja auch nicht geschwiegen. Ich habe gesagt: Ich war im Ausland und hatte einen schweren Unfall – mit einer Reihe von Knochenbrüchen, die ich sogar beschrieben habe. Das ist doch genug an Info. Ich habe mir gedacht: Warum muss ich Details über meinen Unfall erzählen?

Zum Beispiel, um Ihre Parteifreunde zufrieden zu stellen, einige kritisierten Ihre Informationspolitik. Es wäre doch ein Leichtes gewesen, zu sagen, dass Sie an dem Unfall keine Schuld trugen. Und nur Sie dabei verletzt wurden.

Mal ehrlich: In so einer Situation im Krankenhaus kam es mir nicht in den Sinn, groß mit der Öffentlichkeit oder der Partei zu kommunizieren.

Warum haben Sie denn zum Beispiel Ihr Urlaubsziel verschwiegen? Hatten Sie Sorge, die Grünen würden Ihnen eine Fernreise ankreiden?

Das wissen die sowieso. Ich bin leidenschaftlicher Taucher und tauche in der Regel nicht am Walchensee oder Starnberger See. Erstens sieht man nichts, zweitens ist es saukalt. Aber ich gebe Ihnen recht: Das Urlaubsziel hat bei meiner ersten Information gefehlt – und dass ich alleine auf dem Motorradl gesessen hab. Im Nachhinein betrachtet, wäre es wohl besser gewesen, das gleich zu sagen. Aber es ist eben so: Ich war in erster Linie mit meinem Gesundheitszustand beschäftigt.

Warum haben Sie es sich dann doch noch anders überlegt und den Unfallhergang mitgeteilt?

Ich habe gedacht bei meiner ersten Meldung: Es ist alles gesagt. Aber der Punkt war ja die Interpretation. Aufgrund dessen, was ich gesagt habe, hat man in ganz negativer Art angefangen zu interpretieren. Es gab Stimmen, die behaupteten: Der sagt deswegen nicht mehr, weil er wahrscheinlich ein kleines Kind zusammengefahren hat. Und weil er wahrscheinlich mit einem philippinischen jungen Madl unterwegs war. Die Charakterdarstellung meiner Person hat mich geschockt.

 

6 Kommentare