Familiendrama nahe Rosenheim Achtjähriger erschossen! - Großvater unter Tatverdacht

Ein Achtjähriger ist in Vogtareuth (Landkreis Rosenheim) erschossen worden. Die Bilder vom Tatort. Foto: dpa/Josef Reisner

Am Mittwochvormittag ist in der Gemeinde Vogtareuth nahe Rosenheim ein achtjähriger Junge an einer Schussverletzung gestorben. Der eigene Großvater steht unter Tatverdacht.

 

Vogtareuth - Das Entsetzen über die Wahnsinnstat in Vogtareuth ist groß. In dem 3.000-Seelen-Dorf im Chiemgau kennt jeder jeden. Die Familie ist überall geachtet. Der Vater, Mischa S. (47), ist Bankangestellter. Er und seine Frau Irmi S. (37) haben zwei Kinder. Opa Josef H. (79) wohnt nur eine Straße weiter.

Sein Enkel Franz-Josef ist auf einen Rollstuhl angewiesen. Folge einer Infektion, die er als Baby hatte, heißt es im Ort. Gegen 9.30 Uhr morgens findet Irmi S. ihren schwer verletzten Sohn im Haus im Vogtareuther Ortsteil Zaisering. Sie verständigt den Rettungsdienst. Er habe eine Schussverletzung, sagt sie. Sofort rasen ein Notarzt und die Polizei los.

Als die Rettungskräfte am Tatort eintreffen, lebt Franz-Josef noch. Der Achtjährige blutet am Kopf. Sein Zustand ist kritisch. Der Bub kommt ins Krankenhaus. Doch die Ärzte können nichts mehr für ihn tun. Er stirbt wenig später.
Die Polizei sperrt den Tatort. Rotweißes Flatterband ist quer über die Hochriesstraße gespannt. Die Kripo befragt Angehörige und Nachbarn.

Die haben Irmi S. und Franz-Josef noch am Morgen gesehen. Mutter und Sohn seien ins Haus gegangen. Dann sei mindestens ein Schuss gefallen und die 37-Jährige habe geschrien: "Geh weg, geh weg!"

Der Großvater hat versucht, sich selbst zu erschießen

Ihr eigener Vater, der Opa des kleinen Franz-Josef, soll geschossen haben. Der 79-Jährige flieht nach der Tat. Polizisten finden ihn in einem Wald in der Nähe. Josef H. liegt mit einer Schusswunde am Boden. Er hat versucht, sich das Leben zu nehmen. Der Senior kommt ins Krankenhaus. "Er ist derzeit nicht vernehmungsfähig", sagt Polizeisprecher Stefan Sonntag.

Experten der Spurensicherung untersuchen die Kleidung des Seniors. An ihr und an den Händen müssten sich Schmauchspuren befinden. Laut Polizei gilt er als einziger Tatverdächtiger. Das Motiv ist unklar. "In der Familie gab es nie Streit", sagen Leute aus dem Dorf. Woher die Waffe stammt, ist nicht geklärt. Angeblich gibt es jemanden in der Familie, der einen Waffenschein besitzt.

In der Gemeinde sind viele schockiert und fassungslos. Seelsorger versuchen, Trost zu spenden. "Ich bin geschockt", sagte Bürgermeister Rudolf Leitmannstetter. "Über sowas liest man sonst in der Zeitung. Jetzt ist es auf einmal so nah."

 

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