Großhandel Führungskrise beim Handelsriesen Metro

Führungskrise: Nach wochenlangem Tauziehen bim Handelsriesen Metro soll eine Entscheidung her. Vorstandschef Cordes kämpft und ein Nachfolger drängt sich bislang nicht auf.

 

Düsseldorf  – Die Führungskrise bei Deutschlands größtem Handelskonzern Metro soll rasch beendet werden. In Kreisen der Eigentümer wird bereits eine Entscheidung über den Vorstandsvorsitz in den nächsten Tagen für möglich gehalten, wie die Deutsche Presse- Agentur am Mittwoch erfuhr. Eine zentrale Rolle könnte Finanzvorstand Olaf Koch dabei spielen, der als Hoffnungsträger gilt und für einen Generationswechsel an der Metro-Spitze stehen würde. Die Frage ist allerdings, ob der 41-jährige bereit ist, Vorstandschef Eckhard Cordes schon jetzt zu beerben oder übergangsweise den Konzern zu führen.

Nach Informationen des „Handelsblattes“ stützt Koch seinen langjährigen Förderer Cordes: Falls der Vorstandschef gehen müsse, plane auch sein Finanzchef, den Konzern zu verlassen, berichtete die Zeitung am Mittwoch. Koch verbinde seine Zukunft mit der des Vorstandschefs. Koch stehe nicht für eine Ablösung von Cordes bereit, wurde in seinem Umfeld bestätigt. Dagegen hieß in Kreisen der Großaktionäre am Mittwoch, Koch habe sich flexibel gezeigt. In den kommenden Tagen seien Gespräche mit ihm geplant. Laut „Handelsblatt“ stehen ohnehin Gespräche über eine Verlängerung seines Vertrages an.

Das Familienunternehmen Haniel verwies am Mittwoch darauf, dass Personalfragen Sache des Metro-Aufsichtsrates beziehungsweise des Personalausschusses seien. „Meldungen, wonach das Unternehmen Franz Haniel & Cie. GmbH in der Personalfrage aktiv sei, sind unrichtig und widersprechen den Regeln guter Unternehmensführung“, erklärte ein Unternehmenssprecher. Allerdings wurde zur Entscheidungsfindung innerhalb der weit verzweigten Haniel-Familie nichts mitgeteilt. Nach Angaben eines Cordes-Vertrauten steht der andere wichtige Metro- Großaktionär Schmidt-Ruthenbeck hinter dem Vorstandsvorsitzenden. Beide Familien halten zusammen 50,1 Prozent der Metro-Anteile.

Auslöser der seit Wochen schwelenden Personaldebatte war die anstehende Verlängerung von Cordes' Vertrag, der in gut einem Jahr auslaufen würde. Ein Vertreter der Haniel-Familie habe Cordes klargemacht, dass der 60-Jährige bei der Verlängerung seines bis Oktober 2012 reichenden Vertrages nicht mit Unterstützung rechnen könne, berichtete das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Man habe Cordes nahegelegt, noch im September eine Entscheidung zu treffen und von sich aus auf den Vorstandsposten zu verzichten, so das Magazin.

Neben Koch gilt der erfahrene Handelsmanager Thomas Hübner als ein möglicher Nachfolger für Cordes, der bis 2008 im Düsseldorfer Konzern für die Großhandelsmärkte zuständig war. Allerdings sitzt Hübner derzeit in der Chefetage des französischen Handelskonzerns und Konkurrenten Carrefour.

 

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