Großer Festakt im Antiquarium der Residenz Seehofer ehrt Bayerns Lebensretter

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) verlieh 87 Lebensrettern aus ganz Bayern die bayerische Rettungsmedaille. Foto: Daniel von Loeper

Ihnen verdanken andere Menschen ihr Leben: Ministerpräsident Horst Seehofer hat gestern 87 Personen mit der bayerischen Rettungsmedaille ausgezeichnet.

 

Im ehrwürdigen Antiquarium der Münchner Residenz gab es gestern jede Menge Auszeichnungen für große Taten: Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) verlieh 87 Lebensrettern aus ganz Bayern die bayerische Rettungsmedaille. Seehofer zeigte sich sichtlich begeistert ob so viel Engagements und erinnerte an den Spruch: „Wer einen Menschen rettet, der rettet die ganze Welt.“

Entscheidend sei, dass spontan geholfen werde – und das beherzt und unter großem Einsatz. Seehofer lobte bei dieser Gelegenheit auch den Einsatz vieler tausender Helfer bei der Hochwasserkatastrophe. „Ich bin zutiefst dankbar“, sagte der Ministerpräsident. Die jüngste ausgezeichnete Retterin war Sophia Deyle (Bild links), der älteste Retter war der 77-jährige Sigmund Daubmeier aus Rennertshofen.

"Ich war aufgeregt"

Sophia Deyle (14) ist die jüngste Lebensretterin. Die damals 13-jährige Schülerin sprang mitsamt ihren Klamotten in den Happurger Stausee in Mittelfranken, um einen vierjährigen Buben zu retten. Das aus Hersbruck stammende Mädchen erzählt: „Ich war heute früh schon total aufgeregt und bin sogar jetzt noch etwas nervös. Wer kann schon von sich behaupten, dass er in München vom Herrn Seehofer eine Medaille bekommt. Mich hat der Augenblick der Auszeichnung sehr bewegt. Das war für mich schon ein ganz besonderer Moment. Außerdem freut es mich riesig, dass meine Eltern zu der Veranstaltung mitgekommen sind.

Zu ihrer Rettungsaktion sagt die 14-jährige: Es seien zwar viele Leute da gewesen, als der Bub ins Wasser gefallen ist, aber: „Die Leute hatten die Dreistigkeit, nur zuzusehen statt zu handeln. Ich bin seit meinem dritten Lebensjahr in der Wasserwacht und von daher war für mich klar, was zu tun ist.“

„Es war Wahnsinn“

Die beiden Eisbachsurfer Thomas Hensel (35) aus München und Philipp Soller (27) aus Vaterstetten haben bei Dunkelheit einem Kollegen das Leben gerettet. Bei beiden hatten am Eisbach gerade noch das weiße Board gesehen, plötzlich war es weg. Sie sprangen sofort ins Wasser. „Wir handelten intuitiv“, sagt Hensel. Es sei ein bisschen wie in einem Film gewesen.

Die beiden hatten einen dumpfen Knall gehört und dann ging alles rasend schnell.

Die Rettungsaktion dauerte nur wenige Minuten – für den verunglückten Surfer war das entscheidend.

Nach den Reanimationsmaßnahmen musste der Gerettete von Sanitätern ins künstliche Koma versetzt werden. Nach drei Tagen erfuhren die beiden Lebensretter, dass es dem unglücklichen Kollegen wieder besser geht. Für die beiden war es keine Frage, ob sie handeln.

„Wir hatten keine Zeit, nachzudenken“, sagt Philipp Soller. Irgendwie ist es für sie heute noch ein Wunder, was geschehen ist, dass sie überhaupt das weiße Board gesehen haben. Thomas Hensel meint: „Durch die Ehrung vom heutigen Tag kommt bei mir noch mal das Gelebte ein bisschen hoch. Es war Wahnsinn, was passiert ist.“

„Wir wollten unbedingt ihr Leben retten“

Die Schülerinnen Theresa Kurzeder, Katherina März und Franziska Schlickenrieder retteten in Bad Heilbrunn eine 83-jährige Frau aus dem Unterbuchener Weiher.

Theresa Kurzeder berichtet: „Wir haben ganz spontan gehandelt als wir sahen, dass eine ältere Frau Hilfe brauchte. Wir schwammen zu ihr. Sie war schon bewusstlos und wir wollten unbedingt ihr Leben retten.“

Es erforderte schon etwas Kraftanstrengung, doch die drei schafften es: Sie zogen die ältere Frau gemeinsam zum Steg und riefen dann um Hilfe. Kurze Zeit später kamen die Rettungssanitäter.

Die drei Mädels kennen sich schon seit ihrer Kindheit aus der Nachbarschaft und sie sind allesamt gut befreundet. Da packt man gemeinsam an, wenn es etwas zu tun gibt.

Als die drei vom Ministerpräsidenten jeweils eine Medaille erhalten leuchten ihre Augen.

„Schnelle Erste Hilfe“

„Ohne meinen Enkel Joseph und meinen Nachbarn Philipp wäre ich seit anderthalb Jahren tot“, sagt Karl Münch aus Aicha vorm Wald.

Er und die beiden Buben, damals 17 und 13 Jahre alt, werkelten gerade am Haus herum, als der Senior umfiel. „Er lag plötzlich regungslos am Boden“, erinnert sich Philipp Hartzesberger. Der 13-Jährige holte umgehend seien Freund Joseph zu Hilfe. Der wusste noch von seinem Erste-Hilfe-Kurs, was zu tun ist, und begann, seinen Großvater zu reanimieren – so lange, bis schließlich die Rettungssanitäter eintrafen.

Karl Münch lag danach zwei Wochen im Koma, insgesamt fünf Wochen behielten sie ihn im Krankenhaus auf der Intensivstation im Auge.

An seinem Großvater mag Joseph, dass er viel Humor hat und er noch viel von ihm lernen kann. Mit einem Augenzwinkern meint der Opa, dass er manchmal etwas zu streng sei und an seine Mitmenschen zu große Anforderungen stelle. Enkel Joseph und Nachbarsbub Philipp haben seine Erwartungen aber mehr als erfüllt. Ihnen verdankt er sein Leben.

„Gemeinsam durchs Feuer“

Angelika Küster und David Brandl aus Bruckmühl bei Rosenheim warnten die Bewohner eines brennenden Anwesens. Sie gingen gemeinsam durch das mit dichtem Rauch gefüllte Treppenhaus von Wohnung zu Wohnung. David Brandl sagt: „Die Auszeichnung gibt einen Ansporn an die Öffentlichkeit.

Für uns war es Adrenalin pur, als wir das Feuer sahen. Alles musste ganz schnell gehen. Es war noch gut, dass wir zu zweit waren – und wir gaben unser Bestes. Erst später registrierten wir, wie gefährlich es war.“

„Frau wollte springen“

Engenheiro Datchangue beobachtete am Pasinger Bahnhof in München eine junge Frau, die offenbar Selbstmord begehen wollte. Die Frau versuchte, vom Brückengeländer der Bahnunterführung auf die Straße zu springen. Der gebürtige Portugiese handelte schnell und stellte sich auf die Fahrbahn der verkehrsreichen Straße, um die Frau aufzufangen.

Engenheiro Datchangue sagt: „Ich wollte einfach helfen. Im ersten Moment war ich etwas erschrocken, doch dann griff ich ein.“

Datchangue arbeitet in München als Bauarbeiter. Dass er jetzt vom Ministerpräsidenten Horst Seehofer eine Medaille bekommen hat, das freute ihn natürlich sehr.

„Hilflos im Baggersee“

„Ich spüre ganz viel Dankbarkeit“, sagt die 81-jährige Helga Bauer und hat dabei ein paar Tränen in den Augen. Drei junge Männer haben ihr das Leben gerettet: Alexander Dobler, Markus Hegel und Michael Stelzer. Dafür wurden die drei jetzt geehrt. Die drei retteten die ältere Dame, als diese bewusstlos im Schweinfurter Baggersee trieb. Alexander Dobler machte noch im Wasser Mund-zu-Mund-Beatmung. Eigentlich waren die drei Lebensretter wegen der Geburtagsparty einer Freundin an den See gekommen. Doch als sie Hilferufe hörten, sprangen sie sofort ins Wasser.

 

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