GP von Australien Eiskalt in Australien – oder: Das Ende der Vettel-Magie

Kimi Räikkönen siegt beim Formel-1-Auftakt, der Weltmeister hat Probleme mit den Reifen, und das Comeback des Gräfelfingers Sutil glückt

 

MELBOURNE Sebastian Vettel stand nach dem Auftaktrennen in der Formel 1 in Melbourne auf dem Podest, klar. Auch Fernando Alonso, sein mittlerweile fast schon ewiger Rivale, durfte zur Siegerehrung. Aber weder Vettel noch Alonso standen in der Mitte – und somit ganz oben. Der Mann, der sich für den ersten Saisonsieg feiern ließ und den Vettel und Alonso kräftig mit Champagner abspritzten, war dagegen: Kimi Räikkönen.

Der schweigsame Finne, Branchenname Ice-Man, hatte ebenso überraschend wie überlegen das Rennen in Aus-tralien gewonnen vor Alonso und Vettel. „Es war einer meiner leichtesten Siege”, befand Räikkönen hinterher sogar gewohnt eiskalt. „Das ist ein gutes Zeichen für uns. Bis jetzt läuft es gut, es gibt keinen Grund, warum es nicht so bleiben sollte”, sagte er.
Nun ist es nicht so, dass kein Experte Räikkönen den Sieg nicht schon vor dem Rennen zugetraut hätte – der Mann war 2007 schließlich Weltmeister und belegte letzte Saison im Jahr nach seiner Rückkehr aus dem Rallye-Sport Rang drei in der Gesamtwertung. Und doch war dieses Auftakt-Wochenende in Down Under eines voller Überraschungen:

VETTELS LEISTUNG: Noch im Training hatte Vettel mit Fabelzeiten aufhorchen lassen, auch in der Qualifikation, die wegen heftigster Regenfälle von Samstag auf Sonntag Vormittag verschoben wurde, war er überlegen an die Spitze gefahren. Doch während des Rennens zeichnete sich schon während der ersten Rennrunden ab, dass Vettels Red Bull die Reifen zu schnell unfahrbar werden ließ. „Die Reifen sind uns doch ein bisschen zu früh um die Ohren geflogen”, gestand Vettel sein wohl entscheidendes Manko. So musste der Heppenheimer erst Alonso ziehen lassen und sich schließlich auch Räikkönen geschlagen geben. Der kam als einziger Topfahrer mit nur zwei Boxenstopps aus. „Ich war ein wenig überrascht, als da plötzlich Autos vor mir waren – aber wir können zufrieden sein. Es hat Spaß gemacht heute”, sagte Vettel, der am Ende satte 22,3 Sekunden Rückstand auf Räikkönen hatte, dennoch. Und weiter: „Ich bin nicht beunruhigt. Wir müssen eben zugeben, dass manchmal die anderen auch schneller sind”, sagte Vettel, der sich angesichts der Fakten sogar „zufrieden” gab mit den gewonnenen Punkten.

DIE MACHTVERHÄLTNISSE: Red Bull und Ferrari scheinen, wie erwartet, die stärksten Teams dieser Saison zu sein. Schon im kommenden Rennen im feucht-tropischen Malaysia nächsten Sonntag kommt es weniger auf die Reifen an als in Melbourne. Doch gleich hinter den beiden Top-Teams dürfte sich Lotus eingereiht haben mit dem bärenstarken und top-motivierten Räikkönen. Es wird spannend zu sehen sein, ob Lotus das Entwicklungstempo der Konkurrenz mitgehen kann. Und auch Mercedes war, obwohl Nico Rosberg mit einem technischem Defekt ausschied und Lewis Hamilton lediglich Fünfter wurde, nicht weit weg von der Spitze. Das Feld ist näher zusammengerückt. „Die magischen Tage, als wir in den schnellen Kurven deutlich schneller als die Konkurrenz waren, kommen nicht wieder. Wir sind aber immer noch sehr wettbewerbsfähig”, sagte Vettel. Eine einzige Enttäuschung war in Melbourne dagegen McLaren.

DER SUTIL-COUP: Die einjährige Zwangspause scheint den Gräfelfinger noch schneller gemacht zu haben. Adrian Sutil lag zwischenzeitlich lag er sogar zum ersten Mal in seiner Karriere einige Kilometer in Führung. Erst in den letzten Runden musste auch er den abbauenden Reifen Tribut zollen und landete schließlich auf Rang sieben. „Ich bin sehr stolz, ich weiß ja erst seit drei Wochen wieder, dass ich fahren darf”, sagte Sutil. 

 

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