Gottschalk moderiert Oper für alle: Festspiele als Volksfest

Der Opernplauderer Thomas Gottschalk im Gespräch mit dem Opernintendanten Nikolaus Bachler. Foto: Wilfried Hösl

Wagners "Tannhäuser" als Übertragung aus dem Nationaltheater bei "Oper für alle" am Max-Joseph-Platz. Moderiert von Thomas Gottschalk, gesungen von Stars wie Anja Harteros, Christian Gerhaher und Klaus Florian Vogt.

 

München - Von einem kurzen Gewitter lässt sich der Opernfreund im Allgemeinen und der Wagnerianer im Speziellen kaum abhalten. Insgesamt 13 000 Menschen kamen nach Angaben der Bayerischen Staatsoper auf den Max-Joseph-Platz, um die Übertragung von „Tannhäuser“ mit Klaus Florian Vogt, Anja Harteros, Christian Gerhaher, Elena Pankratova und Georg Zeppenfeld zu verfolgen – ganz oder teilweise.

Wer rechtzeitig da war, entging der strengen Flaschenkontrolle am Zugang und konnte sich im Fall des Nichtgefallens die umstrittene Inszenierung von Romeo Castellucci schöntrinken. Wie immer wurde rund um das Denkmal des ersten bayerischen Königs auf Picknickdecken campiert. Und hier ist erlaubt, was drinnen verpönt wäre: Jedes größere Solo erhielt spontanen Applaus. Die Bildstörungen im ersten Teil verdarben niemandem die Stimmung.

Poetry Slammer in der Pause

Thomas Gottschalk machte den Pausenclown. Wenn ihm ein Altherren-Kalauer durch die Rübe rauscht, muss er raus, und sei es ein Kommentar zum „Schwarzen Block“ beim Einsatz eines Krankenwagens. Elena Pankratova als Venus hatte es ihm besonders angetan: Gottschalk wollte es einfach nicht begreifen, dass es Tannhäuser von dieser üppigen Venus zur langweiligen Elisabeth zieht.

Warum das so ist, war in der ersten Pause in einem kurzen Film zu erfahren. Romeo Castellucci erläuterte, unterstützt von Christian Gerhaher und Klaus Florian Vogt, die Symbolik seiner Inszenierung. Keine ganz leichte Kost für Picknicker und Flaneure, aber eine gute Sehhilfe für Regietheater-Anfänger.

Leider ist diese Inszenierung nicht ideal für eine Übertragung, weil man zu den Solisten immer auch die Totale sehen muss – beispielsweise die Scheibe mit dem roten Pinsel am Ende des ersten Akts. Auch der Pilgerchor verlor sich im Dunkeln.

Lästern und Wein

In der ersten Pause wurde der Sängerkrieg auf der Wartburg in die Gegenwart geholt: Drei Poetry Slammer versuchten auf den Stufen des Nationaltheaters das Wesen der Liebe zu ergründen. Wagnersche Längen waren kurz im Vergleich zu ihren Ausführungen, die das Internet, aber auch romantische Körperflüssigkeiten umkreisten. Der Preis, ein T-Shirt, wurde per Applauslautstärke zuerkannt.

„Oper für alle“ macht die Festspiele zum Volksfest. Man hat einen netten Abend im Freien, möglichst mit Freunden. Es gibt etwas Schönes zu sehen. Und auch was zum Lästern. Und wer lieber zu Hause bleibt, hätte auch davon was haben können: etwa 38 000 Neugierige verfolgten den Livestream auf Staatsoper.tv.

 

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