Gondel-Drama Münchner Professor starb in den Armen seiner Frau

Tod an der Rialtobrücke: Hier verunglückte Joachim Vogel, Professor aus München. Foto: dpa/Uni Tübingen

Ein Augenzeuge schildert die Ereignisse nach dem Unfall in Venedig. Laut dem Gondoliere hatte Joachim Vogel auch offenbar eine böse Vorahnung.

München/Venedig - In der Mitte der Gondel kauert eine Frau in schwarzem Kleid. Sie hält den Kopf ihres Mannes in ihrem Arm und stützt seinen Nacken. „Halte durch, halte durch“, schreit sie verzweifelt. Doch in diesem Moment ist Joachim Vogel vielleicht schon in den Armen seiner Frau gestorben. Neben ihr stehen ihre beiden Söhne (8, 10) und müssen alles mit ansehen.

So schildert Kellner Besart B. die Sekunden nach dem Gondel-Unfall in Venedig in der Zeitung „Il Gazzettino“. Der dreifache Familienvater und Münchner Jura-Professor († 50) war am Samstag auf dem Canale Grande in Venedig zerquetscht worden.

Die fünfköpfige Familie sitzt kurz nach Mittag in einer Gondel vor der weltberühmten Rialto-Brücke. Ein Moment, auf den sich Joachim Vogel besonders gefreut hat. „Der Professor wollte seine Frau unter der Rialto-Brücke küssen, weil das Glück bringt“, ließ ihr Gondoliere, Stefano Pizzagia, über seinen Anwalt nach dem Unfall im „Corriere della Sera“ mitteilen.

In diesem Moment erfasst ein Vaporetto-Fahrer beim Rückwärtsfahren wohl die Gondel und schleift sie unter den Augen dutzender Gondolieri, Touristen und Kellner mit. Ob Joachim Vogel dabei ins Wasser fällt, ist nicht ganz geklärt. Sein Oberkörper wird aber zwischen der Fähre und einem Pier zerdrückt – als er sich über seine kleine Tochter Lilli (3, Name geändert) beugt, um sie zu schützen.
Direkt nach dem Unfall sieht Besart B. Joachim Vogels leblosen Körper in der Gondel, dessen Frau Gundula sitzt neben ihm. „Sie versuchte, ihn zu schütteln und klammerte sich an ihm, während sie auf deutsch ,Halte durch’ schrie. Die beiden Söhne standen und waren völlig durcheinander, und das kleine Mädchen war in die Gondel gefallen.“

Dann kommen die Retter per Boot. Sie klammern sich an die Gondel und steigen hinein. „Die Mutter und die Söhne wurden auf eine andere Gondel und dann auf den Steg gebracht“, sagt Besart B. „Aber die Kinder wollten um jeden Preis zu ihrem Papa zurück, an dem gerade eine Herzmassage durchgeführt wurde.“

Die Retter kümmerten sich laut dem Zeugen auch um Joachim Vogels kleine Tochter. Sie „wurde sofort von einem Mann auf den Arm genommen. Sie weinte nicht, war unter Schock und voller Blut. Dieser Anblick hat mich erschüttert. Sie klammerte sich an diesen Mann mit all ihrer Kraft, als ob sie Schutz suchte. Sie wollte ihn nicht mehr loslassen, nicht mal, als sie sie zum Krankenhaus bringen wollten.“

Joachim Vogel stirbt kurze Zeit später im Krankenhaus an seinen Brustverletzungen. Lilli hat eine Gehirnerschütterung und einen Wangenknochenbruch erlitten, hat das Krankenhaus aber mittlerweile wieder verlassen. Der Staatsanwalt ermittelt italienischen Medien zufolge wegen Totschlags gegen den Vaporetto-Fahrer.

Ob er allein am Tod von Joachim Vogel schuld ist, wird sich zeigen. Es scheint aber, als sei die Verkehrslage auch ein Faktor gewesen: Kurz vor dem Unfall ist der Canale an der Rialto-Brücke wohl total überfüllt. Neben Gondeln und Lastschiffen drängen sich hier fünf große Vaporetti an vielen kleinen Stegen vorbei.

Dass es hier viel zu eng ist, hat auch Vogel wohl erkannt. Laut seiner Frau habe er während der Fahrt gesagt: „Bei dem Verkehr würde ich hier nie ein Boot steuern.“

 

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