"GNTM" Darum baut die Klum-Show so ab

Die "Topmodel"-Jury: Thomas Hayo, Heidi Klum und Wolfgang Joop Foto: ProSieben/ Richard Huebner

"GNTM" feiert mit der zehnten Staffel Premiere - und niemanden interessiert's. Woran kann es liegen, dass Heidi Klums Sendung so abbaut?

 

Eigentlich sollte die diesjährige Ausgabe von "Germany's Next Topmodel" die triumphale Jubiläumsstaffel werden - aber die Quoten sind so schlecht wie nie. Nur gut 2,4 Millionen Menschen schalteten ein, um die Auftaktsendung - das Casting in Köln - zu verfolgen. Zum Vergleich: 2014 waren es noch 640.000 mehr. Und schon da war der Wert eher Durchschnitt als Überflieger. Doch woran liegt es, dass die Show, die zu Glanzzeiten über 20 Prozent der Zuschauer abgreifen konnte, so stark nachlässt?

Zusammensetzung der Jury

Heidi Klum (41) ist wie Dieter Bohlen - nicht wegzudenken aus der Jury ihrer Castingshow. Doch während der Pop-Titan durch seine frechen, aber authentischen Sprüche stets für Unterhaltung oder zumindest Diskussionsstoff sorgt, wird die Art der Modelmama oftmals als zu aufgesetzt komisch und gespielt übertrieben kritisiert. Seit fünf Staffeln an Klums Seite steht Creative Director Thomas Hayo (45), der bestimmt viel Erfahrung hat, aber doch eher blass bleibt. Nicht auffallend witzig, nicht auffallend Bad-Guy, nicht auffallend originell. Bieten die beiden den Zuschauern zu wenig Unterhaltung?

Lediglich das dritte Jury-Mitglied variiert. Seit zwei Staffeln dabei: Modedesigner Wolfgang Joop (70). Er bringt zweifellos noch am ehesten Farbe in das Trio, ist beim Publikum und Kandidatinnen aufgrund seiner emotionalen Seite beliebt. Vergleicht man ihn jedoch mit "schrillen Vögeln" wie Bruce Darnell (Staffel eins und zwei) oder Rolf(e) Scheider (Staffel drei und vier) fällt er hinter den beiden zurück. Vor allem Laufstegcoach Darnell vereinigte durch seine herzliche Art und seine Sprüche in eher rudimentärem Deutsch die Sympathien auf sich. Wer erinnert sich nicht an legendäre Aussagen, wie "die Handetasche muss lebendig sein"?

Zu viel Show, zu wenig Modelbusiness

Selbst Juror Wolfgang Joop findet die Challenges, die die Kandidaten in der Show absolvieren müssen too much. "Naja, mir geht's manchmal ein bisschen zu sehr um Mutproben", urteilte er erst kürzlich im Interview mit der "Bild"-Zeitung. Es sei nicht wichtig, ob ein Mädchen fähig sei, an einem Helikopter zu hängen. Auch die ehemalige Modelikone Rita Jaeger (80) ging bereits vor gut drei Jahren hart mit der Sendung ins Gericht. "Oh Gott, das ist echt schrecklich, diese Heulerei [...] Was für eine Showveranstaltung. Echte Models heulen nicht so oft", kritisierte sie im Gespräch mit der "taz" die oft allzu zahlreichen emotionalen Momente der Teilnehmerinnen.

Über die für die Kandidatinnen arrangierten Castings urteilte Jaeger: "So viel Aufwand für ein Casting? Im Leben nicht! Die Zeit haben die Leute gar nicht." Zudem würden Models niemals in einer Villa mit Pool schlafen - Fazit: "Reine Unterhaltungsshow"! Ist den Zuschauern das Bild, das durch die Show vom Modelbusiness vermittelt wird, mittlerweile einfach zu realitätsfern?

Blasse Charaktere

"Germany's Next Topmodel" ist zugegeben nicht unbedingt die Sendung, die schrill-alternativen Persönlichkeiten eine Bühne bietet. Dennoch predigen die Juroren stets, dass es nicht nur aufs Aussehen, sondern auch auf die Persönlichkeit ankommt. Höhepunkte der Show sind Zickenkriege, vielleicht einmal der ein oder andere vulgäre Ausspruch. Doch vor allem in der vergangenen Staffel fehlte ein einzigartiger Charakter à la Sarah Knappik, Sara Kulka oder Gisele Oppermann. Ein Mädchen, von dem man zumindest als TV-Zuschauer mehr sehen möchte, weil sie in Erinnerung bleibt und für etwas Zündstoff zwischen Shootings und Challenges sorgt.

Die Regel ist simpel: Ohne Persönlichkeit oder zumindest das, was gerne als "Star-Potenzial" bezeichnet wird, gibt es auch keine Fans, die zu Autogrammstunden stürmen, sich Poster ins Zimmer hängen oder wenigstens regelmäßig begeistert die Sendung verfolgen.

Erfolge der Gewinnerinnen bleiben aus

Neun Staffeln "GNTM" sind bereits gelaufen und an wen erinnert man sich tatsächlich noch? Vielleicht an Lena Gercke (26), das allererste "Topmodel", die man jetzt ab und an im TV oder an der Seite von Fußballer Sami Khedira sieht. Doch ein Großteil der Siegerinnen und Finalistinnen blieb der große Durchbruch verwehrt. Sicherlich arbeiten einige als Model, doch verspricht die Show nicht mehrmals pro Sendung, dass ein wahres "Topmodel" gesucht werde? Fragen sich die Zuschauer mittlerweile, worin dann der Sinn der Show liegt oder glauben sie sogar, dass falsche Versprechungen gemacht werden?

Es kommt einfach nichts Neues

Es kann nur eine "Germany's next Topmodel" werden, nur eine kommt aufs Cover ... Jeder, der die Sendung in den vergangenen Jahren zumindest einmal verfolgt hat, weiß, dass vor allem die Entscheidung über das Weiterkommen gefühlt 90 Prozent der Sendezeit ausmachen. Dazwischen Fotoshootings von bis zu zwölf Mädchen und Challenges. Für jene, die selbst an Ort und Stelle sind, mögen diese Erfahrungen außergewöhnlich sein - doch sind sie das auch für die Zuschauer zu Hause?

Hinzu kommt, dass es kaum Potenzial für große Innovationen gibt, der Ablauf der Show ist von Staffel zu Staffel identisch, einzig die Kandidatinnen werden ausgetauscht. Jede Staffel werden die Challenges als besonders herausfordernd angepriesen, die Fotografen als besonders berühmt und die Aufträge als besonders wichtig. Jedes Jahr gibt es dasselbe tränenreiche Umstyling. Sogar Heidi Klum versprach vor den zehnten Staffel schon "déjà-vus" für eingefleischte Fans. Das Fazit: Kennt man eine Staffel, kennt man alle.

 

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