Glockenbachviertel SEK-Einsatz in München: Waffennarr erschießt sich

Polizeieinsatz in der Holzstraße im Glockenbachviertel - ein Mann hat sich erschossen, die Polizei sucht nach Sprengstoff. Foto: Sigi Müller

Als er seine Pistolen dem Kreisverwaltungsreferat übergeben soll, erschießt sich Dominic H. (32). Die Polizei evakuiert das Haus - aus Angst vor Sprengstoff. Und die war begründet. Der Mann hatte ein unfassbares Waffen-Arsenal angehäuft.

 

Isarvorstadt - Der Schlüssel steckt, aber die Männer gehen nicht rein. Hinter der Wohnungstür zischt es plötzlich – dann ein Knall, vielleicht auch zwei. Ein Schuss? Eine Explosion? Die Beamten wissen es nicht, ziehen sich aber lieber zurück – und rufen das Spezialeinsatzkommando.

Das kommt gegen 10 Uhr in die Holzstraße 51. Mit einer Ramme schlagen die Spezialkräfte die Tür der Einzimmer-Wohnung im ersten Stock auf. Zuerst sehen sie nichts als Qualm. Dann finden sie einen Mann – der sich soeben in den Kopf geschossen hat.

Der Tote vom Glockenbachviertel ist mit hoher Wahrscheinlichkeit auch der Mieter der Wohnung: Dominic H. (32) galt als Waffennarr, und Waffen waren auch der Grund für den Polizeieinsatz am Mittwochmorgen.

Um 8.30 Uhr waren Mitarbeiter des Kreisverwaltungsreferats (KVR) in der Holzstraße, um zwei Pistolen des Mannes sicherzustellen, sagt Sprecherin Kristin Nettelnbrecher. Dominic H. war bereits Anfang 2013 aus einem Münchner Sportschützenverein ausgetreten – das hatte der Verein dem KVR gemeldet.

Nach einer gewissen Frist habe man den Mann „mehrmals“ angeschrieben, um die Waffenbesitzkarte zu prüfen, Dominic H. habe sich aber nie gemeldet. Nach mehreren Schreiben und zwei Zwangsgeldern widerruft das KVR die Erlaubnis – und kommt am Mittwoch mit einem Durchsuchungsbeschluss, um die Waffen zu holen.

Dominic H. macht aber nicht auf. Die KVR-Mitarbeiter holen die Polizei, die bringt einen Schlüsseldienst mit – dann zischt es. In diesem Moment sitzt Christian Kaya gerade am Frühstückstisch in seiner Wohnung im zweiten Stock: „Da hat es plötzlich an meiner Tür geklopft“, sagt der Klarinettist (55) der AZ. „Eine Polizistin sagte, ich solle schauen, dass ich rauskomme.“

Die Polizei räumt das sechsstöckige Haus, weil in der Wohnung von Dominic H. Sprengstoff liegen könnte. „Im ersten und zweiten Stock war das Treppenhaus voller weißem Rauch“, sagt Kaya. „Es roch merkwürdig – wie Holzrauch.“

Draußen werden die Hausbewohner von der Feuerwehr versorgt – und kommen in einem Bus unter. Um sie herum: eine Hochsicherheitszone. Vor der Tür Ermittler und Feuerwehrmänner, in den abgesperrten Straßen Gruppen von uniformierten Polizisten, Feuerwehrautos, Polizeibusse und Krankenwagen. Beamte halten Anwohner vom Haus fern – noch ist unklar, ob die Wohnung sicher ist.

Gegen 11 Uhr durchsuchen Experten der Technischen Sondergruppe die Wohnung – und müssen dabei äußerst vorsichtig sein: In jeder Schublade, in jedem Schrank könnte eine Sprengfalle sein. In der Wohnung habe man viele Waffen gefunden, sagt Polizeisprecher Wolfgang Wenger. Unter anderem besaß Dominic H. eine Pistole, die er selbst mit einem langen Lauf modifiziert hatte, mehrere Schreckschuss-Pistolen, Gotchas, 1000 Schuss scharfe Munition und haufenweise Pyrotechnik.

Doch damit nicht genug: Auch eine selbst gebaute "taktische Ausrüstung", bestehend aus einem Helm und einer Weste fanden die Beamten in der Wohnung. Dazu: Mehrere Behälter mit noch nicht identifizierten Chemikalien und Sprengstoffen. Diese "Brandfallen", sieben an der Zahkl, waren teilweise sogar mit einem Zünder ausgestattet. Eine davon hatt Dominic H. beim Einsatz des SEK noch mit einem Signalfeuer in Brand gesetzt. Glücklicherweise ging der Sprengsatz jeoch nicht hoch.

Dominic H. lebte seit rund zehn Jahren in seiner Wohnung, sagt seine Vermieterin. „Er war ruhig, anständig, manierlich“ – und immer allein. „Nie waren Freunde oder ein Mädchen bei ihm“, sagt die Vermieterin, die ihr Büro neben seiner Wohnung hat. Als er sich das Leben nahm, war sie gerade auf dem Weg in ihr Büro.

Dominic H. soll ohne Telefon, Handy und Internet gelebt haben, sagt die Hausbesitzerin. „Wenn wir was voneinander wollten, dann haben wir uns Zettel geschrieben.“

 

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