Gleiche Kleidung seit 1976 Neue Uniformen: Polizisten wollen schicker werden

Grün oder blau: Bayerns Polizisten müssen sich entscheiden. Foto: John Schneider

Die Beamten wünschen sich eine modischere Dienstkleidung. Eine Streitfrage: grün oder blau? Was die Betroffenen zu den Plänen sagen und was sie an ihren Hosen kritisieren

 MÜNCHEN In ganz Deutschland tragen Polizisten blau. In ganz Deutschland? Nein. In Bayern hängt man noch sehr an den 1976 eingeführten moosgrün-beigen Uniformen des Modedesigners Heinz Oestergaard († 87). Zwar ist man auch im Freistaat davon überzeugt, dass die Uniformen schicker, zeitgemäßer und strapazierfähiger werden sollten, aber das ginge auch in grün.
„Grün ist unverwechselbar. Mit blauen Uniformen ähneln wir zu sehr Schaffnern oder privaten Sicherheitsdiensten“, erklärt der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Helmut Bahr, die Befürchtungen vieler Polizisten.

Die Gewerkschaft will jetzt erst einmal herausfinden, wie die Mehrheit der Kollegen denkt. Per Postkartenaktion sollen die Polizisten selber über die Farbe ihrer Uniform entscheiden.
Verena Hartmann (23) weiß, was sie will. Die junge Münchner Polizistin möchte weiter grün tragen: „Grün unterscheidet uns von den anderen.“ Nur etwas schicker als bislang darf es schon sein. „Taillierter, damit ich als Frau erkennbar bin, und noch funktionaler sollte es werden“, findet sie. So wetzen sich zum Beispiel die alten Hosen schnell ab, berichtet sie. Bessere Qualität würde helfen.
Damit liegt sie auf einer Linie mit vielen Kollegen. Wolfgang Wenger, Pressesprecher der Münchner Polizei: „Wir wollen schon sauber ausschauen. Aber es kommt nicht auf die Farbe der Uniform an. Bayern ist nicht deswegen das sicherste Land.“ Das Meinungsbild im Präsidium sei „durchwachsen“.

Vielleicht ist es auch einfach nur eine Sache der Gewohnheit. Der pensionierte Polizist Bernd Fink (62) kann sich jedenfalls erinnern, „dass wir uns schon sehr lustig gemacht haben, als 1976 die grünen Uniformen eingeführt wurden“.
Dabei gibt es auf lange Sicht eigentlich keine Alternative. Bereits im Jahre 2000 beschloss die Innenministerkonferenz, dass auch deutsche Ordnungshüter wie die meisten ihrer europäischen Kollegen in blau auf Verbrecherjagd gehen sollten.

Siegfried Walczok (55) von der Bundespolizei sieht jedenfalls keine Verwechslungsgefahr. Die Kollegen laufen seit 2005 in blau durch den Hauptbahnhof. Mit Schaffnern sind sie seines Wissens noch nicht verwechselt worden. „Die blaue Uniform hat sich bewährt“, will er die Grün-Fans beruhigen.
Die Umstellung auf blaue Uniformen würde rund 30 Millionen Euro kosten, sagt die Gewerkschaft. Geld, das ihrer Meinung nach besser in die Ausrüstung gesteckt werden sollte. „Zum Beispiel für neue Waffen“, sagt Bayerns GdP-Vize Peter Schall.

Und wenn die bayerische Polizei irgendwann doch ihr blaues Uniform-Wunder erleben sollte, steht gleich die nächste Neuerung ins Haus. Denn in diesem Fall müssten auch die Polizei-Fahrzeuge blau werden.

 

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