Gladbach Vizepräsident im AZ-Interview Rainer Bonhof über Dante: "Kein Thema!"

Der 62-Jährige Rainer Bonhof spielte in den 70er Jahren lange für Borussia Mönchengladbach, war Welt- und Europameister. Seit 2009 ist er Vizepräsident der Borussia. Foto: AZ-Kombo | dpa

Vor dem Spiel des FC Bayern gegen Gladbach (So., 17:30 Uhr, AZ-Liveticker) spricht Gladbachs Vizepräsident Rainer Bonhof im AZ-Interview über eine mögliche Rückkehr von Verteidiger Dante, die Chancen am Sonntag und den Abschied von Sinan Kurt.

 

AZ: Herr Bonhof, der FC Bayern trifft im Viertelfinale der Champions League auf Porto. Könnte es ein Vorteil für Gladbach sein, dass sich die Münchner vom Kopf her schon mehr mit der Champions League als mit dem Duell in der Bundesliga beschäftigen?

RAINER BONHOF: Wir reden von Profis beim FC Bayern. Die interessiert das im hintersten Stübchen am wenigsten, gegen wen sie in zwei Wochen spielen. Da reden die eine Stunde drüber und dann konzentrieren die sich auf Mönchengladbach. Da brauchen Sie sich keine Sorgen machen.

Beim 0:0 im Hinspiel konnte Gladbach gut dagegen halten. Was erwarten Sie nun?

Ich erwarte einen Klassiker mit viel Kampf und Spitzen, die wir hoffentlich setzen können. Und dann schau mer mal, wie der Franz zu sagen pflegt.

Bei einigen anderen Bundesligisten hatte man zuletzt das Gefühl, dass sie sich schon vor dem Spiel den Bayern geschlagen geben ...

Man muss mit Respekt vor den Leistungen des FC Bayern hinfahren. Man darf nur keine Angst haben. Und die haben wir nicht.

Ist Gladbach auf dem Weg, langfristig wieder ein ernsthafter Bayern-Konkurrent zu werden?

Wir basteln an der Zukunft. Aber wir wissen, dass wir vor vier Jahren in der Relegation gestanden haben. Der FC Bayern spielt gefühlt seit 1973 immer Champions League.

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Dennoch hat man den Eindruck, dass in Gladbach grade etwas zusammenwachsen könnte ...

Das wünschen wir uns auch. Aber es ist nicht so, dass wir von Null auf 250 in zwei Sekunden sind. Es sieht im Moment ganz ordentlich aus. Platz drei ist aber nur eine Momentaufnahme.

Der Ex-Gladbacher Dante ist momentan nur Ersatzspieler bei Bayern. Trainer Lucien Favre und Manager Max Eberl haben bestätigt, dass der Kontakt zu ihm nie abgerissen ist. Wäre eine Rückkehr vorstellbar?

Da werden etliche Dinge falsch interpretiert. Der FC Bayern braucht einen Kader, der in Europa standhält. Dazu gehört auch Dante. Er ist ein exzellenter Fußballer, der eben auch mal nicht ganz so gute Phasen hat. Dann steht er etwas in der Kritik bei Bayern. Und dann wird von außen da etwas reingedrückt, was ihm nicht gut tut. Er ist beim FC Bayern gut aufgehoben. Er ist für uns überhaupt kein Thema.

Favre hat die Mannschaft 2011 auf dem letzten Tabellenplatz übernommen, jetzt steht man auf Platz drei. Was zeichnet ihn aus?

Seine Akribie. Er vertritt eine Schritt-für-Schritt-Philosophie und lebt diese vor. Er ist ein absoluter Fachmann, einer der besten in Deutschland.

Sein Name fiel auch schon mal im Zusammenhang mit dem FC Bayern. Fürchten Sie, dass die Münchner eines Tages wegen ihm anrufen werden?

Im Moment habe ich keinen Bedarf, in diese Richtung zu denken. Er steht bei uns unter Vertrag und wir sind froh, dass er hier ist.

Sie mussten im Sommer den jetzt 18-Jährigen Sinan Kurt an den FC Bayern abgeben. Max Eberl hat den Transfer der Bayern etwas kritisiert und gesagt, man würde die Talente ernten, bevor sie reif seien.

Für uns ist das Thema abgeschlossen. Es war seine Entscheidung, uns zu verlassen – dummerweise. Wie das zustande gekommen ist, stand schon überall. Da braucht man sich nicht drüber aufregen. Jetzt alte Kamellen zu kommentieren, da habe ich keine Lust dazu.

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Max Eberl hat das ja ein wenig grundsätzlich gefasst. Die Frage ist doch, ob es für einen jungen Spieler und seine Entwicklung nicht besser ist, etwas länger bei seinem Heimatverein zu bleiben.

Wenn dem Spieler in seinem Umfeld zu einem Wechsel in frühen Jahren geraten wird, ist das sein Thema. Wir haben hier viele junge Talente, die sich hier sehr gut entwickelt haben. Die besten Beispiele sind die, die im Moment in der ersten Mannschaft spielen. Auch Marc-André ter Stegen oder Marko Marin haben sich hier hervorragend entwickelt. Wir geben jungen Spielern eine Chance. Wenn jemand meint, dass er das verändern muss, ist das sein Ding. Wenn dann eine vernünftige Lösung für beide Seiten zustande kommt, muss man das so hinnehmen.

 

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