Gigantische Ermittlungspanne? Fall Peggy: Böhnhardt-DNA wohl doch falscher Treffer

Der Fundort von Peggys Leiche: Auf einem Stück Stoff fanden Ermittler DNA-Spuren des NSU-Terroristen Uwe Bönhardt. Foto: dpa

Im Fall Peggy bahnt sich erneut eine gigantische Ermittlungspanne rund um verunreinigte DNA-Spuren an.

 

München - Nach Informationen des Bayerischen Rundfunks (BR) und des Spiegel hat der NSU-Terrorist Uwe Böhnhardt wohl doch keine Verbindung zum Fall Peggy.

Der DNA-Treffer bei einem Stofffetzen, der am Fundort von Peggys Leiche sichergestellt wurde, sei demnach eine Verunreinigung, die durch die Thüringer Tatortgruppe selbst verursacht worden war.

Geradezu hanebüchen klingt die Erklärung, wie die DNA-Verunreinigung aufgetreten sein soll: Der Spiegel berichtet, dass laut Ermittlungen des Bundeskriminalamts BKA der gleiche, unverwechselbare Meterstab zur Vermessung der Leiche Böhnhardts und des Fundorts von Peggys Skelett verwendet worden sei. Trotz der großen zeitlichen Distanz zwischen den zwei Ereignissen (rund fünf Jahre) sei es gut vorstellbar, dass dabei einige nach wie vor auf dem Meterstab vorhandene Böhnhardt-Zellen auf das betroffene Kleiderstück gelangt seien.

Der Leitende Bayreuther Oberstaatsanwalt Herbert Potzel gab sich bereits unmittelbar nach bekanntwerden des DNA-Treffers am 13. Oktober skeptisch. Gegenüber der AZ betonte er damals: ""Wir werden jetzt erst einmal die Spur ganz genau zurückverfolgen, um festzustellen, wie sie überhaupt zustande gekommen ist." Eine Verwechslung der Spuren, eine Panne bei der Ermittlungsarbeit, schloß Potzel explizit nicht aus: "Es gibt viele Möglichkeiten, wie so etwas passieren kann. Im Moment wissen wir es nicht und müssen uns erst ein genaues Bild machen."

Einnerungen an das "Phantom von Heilbronn" werden wach

Damit wäre dies schon der zweite Fall von dramatischen Ermittlungsfehlern rund um DNA-Material des NSU-Trios.

In Sachen Polizeipannen legendär wurde in Deutschland die Fahndung nach dem "Phantom von Heilbronn": Nach dem Mord an der Polizistin Michele Kiesewetter - der inzwischen den Morden des rechtsextremen NSU zugeordnet wird - fanden Kollegen an ihrem Einsatzwagen DNA-Spuren, die in dieser Zeit auch an anderen Tatorten auftauchten. Von der Tat im April 2007 bis März 2009 jagten die Ermittler eine unbekannte Frau, bald das "Phantom" genannt. Gen-Spuren dieser "Frau ohne Gesicht" werden bei mehr als 35 Straftaten gefunden - darunter Morde und Einbrüche.

Aber eine Frau als brutale Polizistenmörderin? Von wegen. Nach zwei Jahren muss die Polizei kleinlaut einräumen, dass die Gen-Spuren gar keiner kriminellen Frau zuzuordnen sind. Stattdessen gelangten sie bereits beim Verpacken durch die Mitarbeiterin eines Unternehmens auf die sonst sterilen Wattestäbchen der Kripo. Klaus Hiller, damals Chef des Landeskriminalamts, sagte: "Wir haben eine Frau gesucht. Es war eine Frau. Und wir haben diese Frau gefunden."

Dieser Artikel wird fortlaufend mit neuen Informationen ergänzt.

 

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