Gewerkschaften Münchner Streikfrühling

Der Frühling kann heiß werden. Die Gewerkschaften sind Warnstreiks zur Durchsetzung ihrer Tarifforderungen nicht abgeneigt. Foto: Mike Schmalz

Sie fordern eine Belohnung für ihre Zurückhaltung während der Krise. Vor allem der öffentliche Dienst ist zum Kampf entschlossen: „2012 ist ein entscheidendes Jahr.”

 

MÜNCHEN Wenn es nach dem DGB und seinen Einzelgewerkschaften geht, wird München ein heißes Frühjahr erleben. Die Streikkassen sind gut gefüllt. Auch längere Warnstreiks sind also kein Problem.

Die Streikbereitschaft ist nach Jahren der krisenbedingten Zurückhaltung groß. Vor allem im Öffentlichen Dienst – also etwa auf Flughäfen, im Nahverkehr, bei Müllabfuhr, Kindertagesstätten, Stadtwerken oder Seniorenheimen.

„2012 ist ein entscheidendes Jahr”, sagt Heinrich Birner von Verdi München. „Was wir heuer nicht rausholen, werden wir 2013/14 auch nicht schaffen.” Und Horst Lischka von der IG Metall sagt unumwunden: „Wir wollen belohnt werden.” Während der Krise wären die Arbeitnehmer „alles mitgegangen. Aber wenn die Gewinne sprudeln, haben die Beschäftigten Anspruch darauf, anständig bezahlt zu werden”.

Laut Birner sind die Erwartungen der Arbeitnehmer genau so hoch wie die Bereitschaft zu Aktionen und Warnstreiks. Hinter den Kulissen werden jetzt schon die organisatorischen Vorbereitungen getroffen. Wie hart und wie lang die Öffentlichkeit von Arbeitskampf-Maßnahmen betroffen sein wird, hängt nach den Worten des Verdi-Mannes ganz von den Arbeitgebern unter Führung des Münchner Personalreferenten Thomas Böhle ab: „Wenn bei den Verhandlungen am 1.März kein Angebot kommt, werden wir gerüstet sein.”

Öffentlicher Dienst: Wie viel die Mitarbeiter hier mehr in den Geldbeutel wollen, wird Verdi erst am 9. Februar festlegen. Die Latte liegt aber beim Blick auf die bisherigen Forderungen und Abschlüsse ziemlich hoch: Mit der Deutschen Post wurde am 10. Januar ohne großes Tamtam ein Zuschlag von 4,5 Prozent vereinbart. Für die Telekom und deren Tochtergesellschaften fordert Verdi 6,5, fürs private Bankgewerbe sechs Prozent.

Bei der IG Metall spricht man von einem Aufschlag „zwischen sechs und sieben Prozent”. Auch dort werden schon jetzt in den Betrieben „mit Volldampf” Warnstreiks vorbereitet, so Horst Lischka.

Verdi will die einschlägigen Aktivitäten im Rahmen einer Image-Kampagne durchziehen. Motto: „Wir sind es wert!” Dazu fährt am 29. Februar sogar ein eigener „Kampagnen-Truck” auf dem Marienplatz vor.

Noch keine gemeinsame Aussage gibt es beim DGB zum Thema dritte Startbahn. „Das wird aktiv diskutiert”, so Region München-Vorsitzender Christoph Frey. Eindeutig für die zusätzliche Startbahn spricht sich die Führung der IG Metall aus. Lischka: „Wir wollen erreichbar sein.”

 

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