Getränke Kaffee wird zum Luxusgetränk

Auch diese beiden Münchnerinnen werden sich bald über die steigenden Kaffeepreise ärgern Foto: Daniel von Loeper

HAMBURG Es ist eine bittere Melange aus gestiegenen Rohstoffpreisen und ausufernden Finanz-Spekulationen: Die Kaffee-Preise steigen unaufhörlich. Gestern hat der Marktführer Tchibo angekündigt, die Preise für die braunen Bohnen ab 28. Februar um bis zu 50 Cent pro Pfund zu erhöhen. Schon vorher hatten Aldi, Rewe und Edeka an der Preisspirale gedreht.


Als Grund nennen die Kaffeeröster, dass sich der hochwertige Arabica, die am meisten verkaufte Sorte, auf den Rohstoffmärkten stark verteuert hat, so viel kostet wie vor 14 Jahren. Als Grund werden eine schwache Ernte in den Erzeugerländern Kolumbien und Brasilien, bedingt durch zahlreiche Unwetter, sowie eine steigende Nachfrage auf dem Weltmarkt genannt. Eine große Rolle spielt aber auch, dass auf den internationalen Terminmärkten der Kaffeepreis ein immer beliebteres Spekulationsobjekt ist.


Das funktioniert so: Risikofreudige Anleger wetten auf die Zukunft der Preise. Auf jeden Sack Kaffeebohnen, der geerntet und verschifft wird, kommen neun virtuelle Säcke, die nur in den Handelssystemen der Börsianer angeboten und gekauft werden. Das führt beim Kaffee an den Terminbörsen zu erheblichen Preisaufschlägen.


So vermuteten bereits im vergangenen Jahr Analysten der Commerzbank, dass missglückte Spekulationsmanöver auf den Kaffeemärkten zu den Preisanstieg geführt haben. Wie viele andere Rohstoffmärkte sei auch der Kaffeemarkt, so die „Financial Times Deutschland” in der Hand von Finanzinvestoren, Hegde Fonds und Spekulanten.


Erstaunlicherweise gibt es Verbraucherschützer, die ein gewisses Verständnis für die jetzt stark steigenden Kaffeepreise haben, zum Beispiel Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg: „Kaffee gehört wie Milch zu den Produkten, von denen der Handel mindestens ein Angebot im unteren Preissegment im Regal haben will. Deshalb ist die Rendite der Branche seit jeher gering.”
Zu den direkten Preiserhöhungen wie derzeit kommen übrigens auch noch verdeckte, wie sei seit einiger Zeit üblich sind. So enthält zum Beispiel jetzt eine große Packung der Marke Senseo nur noch 16 statt bisher 18 Kaffeepads – zum gleichen Preis.


Die Steigerung der Rohstoffpreise kommt übrigens keineswegs den Kaffeebauern zugute. Denn: Zwischenhändler kaufen denen die Ernte zu gleichbleibenden Dumpingpreisen ab. Wird das Angebot knapper (zum Beispiel durch Missernten) schlägt der Zwischenhandel die Preise auf.


Für den Verbraucher ist zwar fair gehandelter Kaffee (z. B. von Gepa) teurer als herkömmlich gehandelte Ware. Es kommt aber wesentlich mehr Geld bei den Kleinbauern an, weil Zwischenhandel und Export von den Bauern in Form von Kooperativen selbst übernommen werden.

 

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