Gesperrt beim FC Bayern? Tätschel-Aktion mit Bibi Steinhaus - Strafe für Pep Guardiola?

Bayern-Coach Pep Guardiola vergisst seine guten Manieren und geht die vierte Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus an. Foto: sampics/Augenklick

Der Bayern-Trainer geht in der Nachspielzeit auf Bibiana Steinhaus, die vierte Schiedsrichterin, los – und blitzt ab. Lienen: „Das war ein bisschen respektlos“.

 

München - Es war der Aufreger der Nachspielzeit beim 0:0 der Bayern am Sonntag in Mönchengladbach. Trainer Pep Guardiola vergaß für einen kurzen Augenblick seine ansonsten tadellosen Manieren und ging zwei Mal auf die vierte Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus los. Einmal, in dem er ihr höhnisch die Hand schüttelte und vermeintlich gratulierte, danach als er ihr eine Hand auf die Schulter legte.

Kann der Spanier für seine Unbeherrschtheiten nachträglich gesperrt werden? Warum wird die Schiedsrichterin, die in der Zweiten Liga als Chefin pfeift, hauptsächlich an der Linie eingesetzt?

Die AZ beantwortet die wichtigsten Fragen zum doppelten „Handspiel“ Guardiolas:

Was war der Auslöser für die Wut des Bayern-Trainers? Guardiola warf den Gladbachern Zeitspiel vor. Steinhaus hatte nach Ablauf der 90 Minuten kurz zuvor drei Minuten Nachspielzeit angezeigt. Doch als der verletzte Granit Xhaka behandelt wird, verrinnen die Sekunden. Also redet Guardiola auf Steinhaus ein, der Trainer will Zusatzzeit. „Aber sie sagte: Nein, das machen wir nicht“, erklärte Guardiola hinterher. Wohl ein sprachliches Missverständnis. Denn tatsächlich verlängerte Schiedsrichter Felix Zwayer die Nachspielzeit auf mehr als fünf Minuten.

Warum „tätschelte“ Guardiola Steinhaus an der Schulter? Erst „kommentierte“ der Bayern-Coach ihr Verhalten mit einem höhnischen Glückwunsch per erzwungenem Handshake. Steinhaus schickt den Katalanen weg. Kurz darauf läuft er zu ihr und legt den linken Arm – nun milder gestimmt – auf ihre Schulter, als wolle er sagen: Nun schau mal, Señora Bibi, so läuft das. Sie wischt die Hand erschrocken von der Schulter – eine Szene wie man sie an vielen Theken dieser Welt erlebt. Steinhaus bleibt aber cool. Zum Glück für Pep.

Kann Guardiola nachträglich gesperrt werden? Nein. Auch ohne den Verweis auf die Tribüne – was anderen Trainer bei weitaus geringeren Vergehen schon passiert ist – hätte der Vorfall ein Nachspiel vor dem Sportgericht haben können. Die Folge wären gewesen: Verfahren vor dem DFB-Sportgericht, Geldstrafe und eventuelle Sperre. Doch Zwayer vermerkte den Pep-Ausraster nicht im Spielberichtsbogen.

Muss sich Guardiola künftig mehr zusammenreißen? Ja. Nun ist er mehr auf dem Radar der Schiedsrichter. In den 43 Bundesliga-Spielen seit seinem Amtsantritt bei Bayern bekam er fast nie Ärger mit dem Vierten Offiziellen. Auch wenn der 43-Jährige oft einen Meter im Spielfeld steht bei taktischen Korrekturen an die Adresse seiner Spieler, halten viele Referees Sicherheitsabstand. Aus (zu viel) Respekt? Zum Vorfall meinte Ex-Bayern-Kapitän Oliver Kahn: „Das war unnötig. Aber man kann aus dieser Szene auch etwas anderes lesen. Es gab Zeiten beim FC Bayern, da wäre man mit so einem 0:0 zufrieden gewesen. Das zeigt sehr schön den Charakter von Pep Guardiola. Er will dieses Spiel gewinnen und glaubt bis zur letzten Sekunde an den Sieg. Das lebt er der Mannschaft vor.“ So etwas haben gesperrte und mit Geldbußen belegte Trainer wie Jürgen Klopp (BVB) auch immer für sich reklamiert.

Warum fungiert Steinhaus oft als Vierte Schiedsrichterin? Steinhaus (35) aus Hannover ist die erste Schiedsrichterin im deutschen Profifußball. Früher war sie Polizeikommissarin in Niedersachsen, heute Sachbearbeiterin im dortigen Innenministerium. Ab 2005 ist sie Fifa-Schiedsrichterin, seit 2007/08 pfeift sie bei den Männern in der 2. Liga. „Um sich dort sechs Jahre zu halten, reichen blonde Haare allein nicht aus“, sagte sie einmal. Der DFB setzt Steinhaus gerne als Vierte Schiedsrichterin ein, weil sie den „Wachhund-Job“ zwischen den Coaching-Zonen der Trainer meist extrem gelassen meistert. Nun hat sie Pep eine Abfuhr erteilt. „Das war ein bisschen respektlos Bibiana Steinhaus gegenüber“, urteilte Ex-Löwen-Trainer Ewald Lienen bei „Sky“ über Guardiolas „Annäherungsversuche“ an der Seitenlinie“ und sagte: „Ich fand es klasse, wie sie reagiert und ihn abgeschüttelt hat.“

Bibiana souverän, anders als der Pep.

 

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