Gesetzes-Vorschlag bei Twitter Räumungsklage gegen Münchner (89): Jetzt äußert sich Sigmar Gabriel

Rudolf K. (89) soll nach 44 Jahren aus seiner Wohnung geklagt werden. Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel (r.) hat sich bei Twitter zu dem Fall geäußert. Foto: Peter Kneffel, Daniel Karmann/dpa

Ein 89-jähriger Münchner soll nach 44 Jahren aus seiner Wohnung geklagt werden. Dieser Fall macht derzeit deutschlandweit die Runde. Nun hat sich Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel bei Twitter zu der Räumungsklage geäußert und einen Gesetzes-Vorschlag in den Raum geworfen.

München - Seit 44 Jahren lebt Rudolf K. (89) in seiner Münchner Mietwohnung. Doch jetzt, nach fast einem halben Jahrhundert, soll der 89-jährige Renter aus der Wohnung raus. Das Amtsgericht München muss sich nun mit der Räumungsklage beschäftigen. Geklagt hat der 36-jährige Sohn der Vermieterin, die Rudolf K. vor gut einem Jahr wegen Eigenbedarfs gekündigt hat.

Sigmar Gabriel twittert Gesetzes-Vorschlag

Nun hat sich Sigmar Gabriel, ehemaliger SPD-Chef, Ex-Vizekanzler und Ex-Bundesaußenminister zu dem Fall geäußert. Bei Twitter schrieb der 59-Jährige: "Einem 89-jährigem Rentner soll in München nach 44 Jahren die Wohnung gekündigt werden. Das ist unsozial. Ich finde, ein Gesetz muss her: Menschen über 70 darf die Wohnung nicht mehr gekündigt werden. Das muss die Regel sein!".

Eine sicherlich gut gemeinte Idee, doch im überhitzten Wohnungsmarkt in deutschen Großstädten, allen voran München, ist dies eher Wunschdenken. Das Echo auf Gabriels Tweet war dann auch eher gegensätzlicher Meinung.

"Die Wohnungsnot entsteht weil die Politik sich in den Markt einmischt. Wieso gibt es Kostenexplosionen bei den Gestehungskosten? Ihr Vorschlag bedeutet bis zu 25 Jahre Kündigungsschutz. Unrealistisch zu glauben dass dann nicht die Kündigung zum 69. Geburtstag komm(t)en (muss)."

"Grüße in die Heimat @sigmargabriel (Goslar) aber leider ist das nicht realistisch. Wohnungen finden ist egal wo eh sehr schwer und dann? Vermietet niemand mehr an Menschen 50+ oder die Mieten steigen. Nicht zu Ende gedacht, wenn auch gut gemeint. Würde es nur verschlimmern."

Twitter-User werfen Gabriel unrealistisches Denken vor

Das Gros der Meinungen unterstellt Sigmar Gabriel, der Generation 70+ mit solch einem Gesetz eher einen Bärendienst zu erweisen und werfen dem SPD-Politiker populistische Schnellschüsse vor.

Gabriel selbst meldete sich auch noch mal zu Wort: "Unrealistisch ist es zu glauben, der Markt regele die Wohnungsnot alleine. Grund und Boden sind knappe Güter. Das darf man nicht den Märkten überlassen. Warum soll man den Mieterschutz nicht ausdehnen können? Wohnungsnot ist heute DIE soziale Frage Nr 1."

Urteil im Fall Rudolf K. am 5. April?

Fakt ist, dass Gabriel mit seiner "Gesetzes-Idee" in ein Wespennest gestochen hat. Doch selbst, wenn dieses Gesetz jemals in Kraft treten würde, für den Münchner Rudolf K. käme es zu spät. Seine Räumungsklage wird am 5. April weiterverhandelt, möglicherweise wird dann auch schon ein Urteil verkündet und der 89-Jährige muss nach über vier Jahrzehnten seine Wohnung verlassen.

Der Tierschutzverein München hofft für Rudolf K. auf ein Happy End. "Dieser Fall belastet auch uns sehr. Herr Kluge ist nämlich jahrzehntelang mit unseren Tierheimhunden ehrenamtlich Gassi gegangen. Ein Herz von einem Menschen! Nun muss er in seinem hohen Alter evtl. noch aus seiner Mietswohnung raus. Noch steht nichts fest. Die endgültige Gerichtsentscheidung fällt am 5. April. Wir drücken ihm alle Daumen und Pfoten!", schreiben die Tierschützer bei Facebook.

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