Geschmackloser Tweet Flüchtlingskrise: Steinbach missbraucht Schmidt-Zitat

Erika Steinbach (72) war von 1998 bis November 2014 Präsidentin des Bundes der Vertriebenen. Foto: dpa

Twitter-Desaster: Die CDU-Politikerin Erika Steinbach hat ein Zitat des gerade verstorbenen Altbundeskanzlers Helmut Schmidt genutzt, um in der Flüchtlingsdiskussion Stimmung zu machen. Aktion und Reaktion.

 

Berlin - Sie erntete einen Sturm der Entrüstung: Erika Steinbach, die frühere Präsidentin des Bundes der Vertriebenen vermeldete am Dienstagnachmittag via Twitter, dass die CDU-Fraktion in ihrer Sitzung des verstorbenen Altbundeskanzlers Helmut Schmidt "mit Respekt" gedacht habe und stellte ein Zitat von Schmidt dazu.

"Wir können nicht mehr Ausländer verdauen, das gibt Mord und Totschlag", hatte Schmidt 1981 auf einer Veranstaltung des Deutschen Gewerkschaftsbundes gesagt.

Mit ihrem geschmacklosen Tweet instrumentalisierte die CDU-Politikerin den Tod des Altbundeskanzlers für ihre Zwecke, machte damit in der aktuellen Flüchtlingsdebatte mächtig Stimmung.

Der Grünen-Politiker Omid Nouripour twitterte zurück: "Sie finden es nicht pietätlos, Ihre politischen Forderungen mit dem Tod eines gerade erst Verstorbenen zu verquicken?"

Laut "Spiegel Online" lieferte Schmidt später auf einem SPD-Parteitag die Begründung für seine Aussage: "Es gibt so eine unterschwellige Neigung bei Millionen Bürgern, auch Arbeitnehmern, den Ausländern für alles die Schuld zu geben" - wie einst den Juden, erklärte Schmidt. "Lasst uns das um Gottes Willen nicht mitmachen", zitiert die Online-Seite aus der Biografie.

Es ist nicht die erste Steinbachsche Entgleisung. Vor wenigen Monaten nannte die 72-Jährige die NSDAP auf Twitter eine "linke Partei". Und vor zwei Jahren behauptete sie, dass Polen bereits militärisch aufgerüstet hatte, bevor die Deutschen 1939 in das Land einfielen.

Auch Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig stieß der Steinbach-Tweet auf: "Geschmackloser geht’s nicht!", schrieb sie zurück.

Steinbach selbst schien der Shitstorm nicht sonderlich zu stören. Einige Stunden später schrieb sie, dass Schmidt "gegen den Zeitgeist" regiert habe...

 

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