Geschlossen mindestens bis Montag Von wegen Defekt: Legionellen im Nordbad

Seit Mittwoch ist das Hallenbad an der Schleißheimer Straße geschlossen. Die Ergebnisse der Wasser-Nachuntersuchung liegen frühestens am Montag vor. Foto: Anja Perkuhn

Das Schwimmbad ist gesperrt – angeblich wegen eines Defekts. Die Wahrheit: Es sind Bakterien im Wasser gefunden worden, die krank machen können.

München – Innerhalb weniger Minuten laufen mehrere ältere Frauen zur schmiedeeisernen Tür des Nordbads, denn das Bad in Schwabing ist beliebt und rege besucht. Sie lesen den kleinen Zettel, der dort hängt: „Wegen eines technischen Defekts muss das Nordbad bis auf Weiteres geschlossen bleiben.“ Auf einem anderen Zettel ist die Rede von „technischen Problemen“. Die Damen ziehen enttäuscht wieder ab.

Was sie nicht wissen: Es handelt sich beim Grund für die Sperrung nur entfernt um ein technisches Problem. Das Bad ist wegen Legionellen geschlossen.

Von Legionellen ist nirgends die Rede. Warum?

Am Mittwoch haben die SWM das stadteigene Bad samt Sauna und Fitnesscenter zugemacht, nur die Zettel am Gebäude und eine kurze Mitteilung auf der Website der Bäderbetriebe informieren darüber. Auf die Twitter-Anfrage eines Münchners hin erklären die SWM, es gebe einen „Defekt in der hausinternen Wasseraufbereitung“. Von Legionellen – stäbchenförmigen Erregern, die Lungenentzündungen auslösen können – ist nirgends die Rede.

Warum? „Ursächlich für die Schließung war ein technischer Defekt“, teilen die SWM-Bäderbetriebe auf Anfrage der AZ mit. Das SWM-Labor, das regelmäßig die Wasserqualität überprüft, habe den erhöhten Wert festgestellt. Wann genau? Diese Information gibt es weder von den SWM noch vom Gesundheitsreferat.

Die Stadtwerke hätten sich „pflichtgemäß und ohne Versäumnis“ mit dem Hinweis auf die erhöhten Werte gemeldet und mitgeteilt, das Bad an der Schleißheimer Straße zu schließen, gibt das Gesundheitsreferat aber an. Man habe das Bad „umgehend geschlossen und mit (...) der Desinfektion begonnen“, um eine „Gefährdung der Badegäste auszuschließen“, so die SWM.

Bei der üblichen Desinfektion wird sowohl das Wasser auf 70 Grad erhitzt und alle Entnahmestellen fünf Minuten lang durchgespült, als auch Chlordioxid eingesetzt. Zusätzlich wurden laut SWM im Nordbad noch rein vorsorglich Sterilfilter in die Duschen eingebaut.

Nach dieser obligatorischen Säuberung ist – wie auch bei Legionellen-Befall in Wohnhäusern – noch eine Nachuntersuchung durch einen Dienstleister Pflicht. Laut Gesundheitsreferat fand die am Freitag statt, Ergebnisse liegen noch nicht vor. Es wird also frühestens am Montag eine Entscheidung von SWM und Referat geben.

Es gab auch schon einmal Legionellen-Alarm im KVR - Lesen Sie hier davon oder hier von den Legionellen im Rathaus

In ein Schwimmbad können Legionellen beispielsweise durch Füllwasser gelangen und sich bei nicht ausreichender Desinfektion und Spülung vor allem in den Filtern vermehren. Im Nordbad habe man als Ursache für das vermehrte Vorkommen der Bakterien zwei kürzlich stillgelegte Wasserleitungen festgestellt, die nicht mehr mit Frischwasser durchströmt wurden, sowie eine Undichtigkeit an einer Duschleitung, heißt es von den SWM.

Da Legionellen durch zerstäubtes Wasser übertragen werden können – wie in Duschen –, müssen Schwimmbäder ihr Wasser ständig unter anderem auf diese Erreger hin überprüfen. Vorgeschrieben ist das jährlich – die Stadtbäder führen die Analyse nach eigenen Angaben sogar halbjährlich durch. „Bei der letzten Beprobung im April wurden keine Legionellen festgestellt“, heißt es. Einmal im Monat finde im Bad eine thermische Desinfektion statt. Außerdem gab es noch nie in einem Münchner Bad Legionellen-Befall, so das Gesundheitsreferat.

Bei den Stadtwerken geht man davon aus, dass das Bad „in den nächsten Tagen wieder öffnet“. Den Anwohnern, die in den oberen Etagen des Gebäudes leben, hat man bereits mitgeteilt, dass sie ihre Duschen wieder benutzen dürfen.

 

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