Geschlagen und eingesperrt Psychofolter für Tochter (17) – wegen der Familienehre

Alle drei Angeklagten haben gestanden und bekamen eine Bewährungsstrafe. (Symbolbild) Foto: dpa

Eine Familie quält die eigene Tochter tagelang, weil die 17-Jährige ihrer Meinung nach den "falschen" Freund hatte. Das Amtsgericht verurteilt Vater, Mutter und Bruder des Opfers zu Bewährungsstrafen.

 

München - "Sie sollten sich schämen", "das war Psychofolter" – Amtsrichter Robert Grain findet klare Worte bei der Begründung seines Urteils gegen Vater (66), Mutter (50) und Bruder (23) einer 17-Jährigen.

Das Opfer hatte sich in einen afghanischen Mitschüler verliebt. Als ihr Vater, der mit der Familie vor dem Krieg in Syrien nach Deutschland geflohen war, davon erfuhr, begann für die 17-Jährige die Hölle. Ihr Vater hielt sie Ende 2017 ohne Essen und Trinken drei Tage lang in der elterlichen Wohnung in Bogenhausen fest, um jeden Kontakt mit dem Freund zu unterbinden und so die "Familienehre" zu schützen.

Mädchen ist in Zeugenschutzprogramm

Doch damit nicht genug: Der Vater trat ihr ins Gesicht, zwang sie, sich auf den Boden zu setzen. "Das war demütigend", erklärt der Richter. Das Mädchen erlitt schmerzhafte Beulen und Flecken. Nachdem sich das Opfer in der Schule offenbarte, wurde das Jugendamt eingeschaltet. Die Familie versuchte, die Tochter aus München rauszuschaffen, um die Behörden auszutricksen. Doch der Versuch wurde noch am selben Tag abgebrochen, nachdem der Vater in U-Haft kam. Inzwischen ist das Opfer in einem Zeugenschutzprogramm. Keiner in der Familie weiß, wo sie sich aufhält.

Dass keiner der drei Angeklagten versucht, Kontakt mit dem Mädchen aufzunehmen, ist eine Bewährungsauflage. Vor allem für die Mutter eine Härte, sagt ihr Verteidiger Peter Pospisil. Sie vermisse ihre Tochter, die sie seit Januar nicht mehr gesehen habe. Pospisil: "Es tut ihr wahnsinnig leid."

Die 17-Jährige will vor Gericht nicht aussagen. Ihre Familie habe genug gelitten, sagt das Opfer der Übergriffe. Alle drei Angeklagten gestehen und bekommen Bewährung. "Es gibt nur einen Grund, warum sie nicht ins Gefängnis gehen", sagt Richter Grain zum Vater des Mädchens. "Ihre Tochter will das nicht."

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