Germanwings-Absturz und Andreas L. Todes-Pilot: Sehvermögen um 30 Prozent eingeschränkt?

Gefährlicher Einsatz an der Absturzstelle: Einsatzkäfte suchen nach dem zweiten Flugschreiber. Foto: dpa

Sechs Tage nach dem Absturz eines Germanwings-Flugzeugs in Frankreich rätseln Hinterbliebene und Öffentlichkeit weiter über die Hintergründe. Die Identifizierung der Opfer wird noch Wochen dauern.

 

Paris/Düsseldorf - Co-Pilot Andreas L., der am vergangenen Dienstag einen Germanwings-Airbus nach bisherigen Erkenntnissen absichtlich zum Absturz gebracht hat, verheimlichte mögliche Krankheiten offenbar ganz bewusst vor seinem Arbeitgeber. Dafür spricht eine zerrissene Krankmeldung, die bei einer Hausdurchsuchung gefunden worden war. Und dazu teilte das Unternehmehmen am Sonntag mit, dass es nichts von einer angeblichen psychischen oder sonstigen Erkrankung des Piloten wusste. "Wir haben da keine eigenen Erkenntnisse", sagte ein Lufthansa-Sprecher am Sonntag auf die Frage, ob das Unternehmen (Germanwings ist eine Lufthansa-Tochter) von einer Depressionen bei Andreas L. wusste.

Weder habe Andreas L. direkt, noch behandelnde Ärzte (diese unterlägen der Schweigepflicht) das Unternehmen über eine mögliche Erkrankung informiert. "Deswegen war uns das nicht bekannt", zitierte Focus Online den Sprecher. Auch von angeblichen Augenproblemen des Piloten, über die am Sonntag mehrere Medien spekulierten, sei der Lufthansa nichts bekannt. Laut französischer Zeitung "Le Figaro" sei das Sehvermögen des Copiloten um 30 Prozent eingeschränkt gewesen sein - eine mögliche Ursache für eine Depression. Beim letzten Check von Andreas L. sei offenbar nichts festgestellt worden, sonst hätte er den Flugtauglichkeitsvermerk nicht bekommen, sagte der Lufthansa-Sprecher laut Focus..

Suche nach dem zweiten Flugschreiber

Bei den Ermittlungen zum Airbus-Absturz in den französischen Alpen fehlt den Ermittlern weiterhin ein zentraler Baustein: Immer noch wird der zweite Flugschreiber im ausgedehnten Trümmerfeld in der Nähe des Örtchens Seyne-les-Alpes gesucht. Die Ermittler erhoffen sich von gespeicherten Flugdaten Aufschluss darüber, was genau an Bord des Germanwings-Airbus geschah, bevor er am Dienstag mit 150 Menschen an Bord an einem Bergmassiv nordöstlich von Marseille zerschellte.

Nach bisherigem Erkenntnisstand brachte der Co-Pilot die Maschine mutwillig zum Absturz. Warum - darauf haben die Ermittler noch keine Antwort geben können. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf hatte am Freitag lediglich erklärt, man habe in der Wohnung des Mannes "zerrissene, aktuelle und auch den Tattag umfassende Krankschreibungen" gefunden. Frühestens am Montag will die Behörde weitere Ermittlungsergebnisse zum Absturz bekanntgeben.

Ermittler untersuchen Möglichkeit eines technischen Defekts

Der Copilot soll den Airbus A320 auf dem Flug von Barcelona nach Düsseldorf absichtlich in einen Sinkflug versetzt haben, als der Kapitän das Cockpit kurz verließ. Die französische Staatsanwaltschaft schloss aus den Aufzeichnungen des rasch gefundenen Sprachrekorders, dass der 27-Jährige den Piloten aus dem Cockpit aussperrte. Französische Ermittler untersuchen allerdings weiterhin auch die Möglichkeit eines technischen Defekts der Germanwings-Maschine.

Am Absturzort liegen Trümmerteile und die sterblichen Überreste der toten Insassen in einem unzugänglichen Gelände, das sich über mehrere Hektar erstreckt. Die Identifizierung der Opfer könnte nach Einschätzung des Rechtsmediziners Michael Tsokos von der Berliner Charité mehrere Wochen dauern. "In etwa drei Wochen werden bis zu 95 Prozent der Vermissten identifiziert und somit offiziell für tot erklärt sein", sagte er der "Bild am Sonntag". Die Familien müssten sich vermutlich am geschlossenen Sarg von ihren Lieben verabschieden. Ein letzter Blick auf die Opfer sei ihnen nicht zuzumuten.

 

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