Prozess in München Wiesn-Besucher attackiert Polizisten im Suff

, aktualisiert am 09.06.2018 - 09:51 Uhr
Vor Gericht entschuldigte sich der Angeklagte, der letztes Jahr auf der Wiesn verhaftet wurde. Foto: Symbolbild/dpa, AZ

Ein Oktoberfestbesucher rastet aus, attackiert und beschimpft Polizisten als Nazis. Jetzt muss er sich vor Gericht verantworten.

München - Eine aufsehenerregende Wiesn-Festnahme hat vor dem Amtsgericht ein juristisches Nachspiel gehabt. Polizisten aus einer achtköpfigen Gruppe hatten 2017 einen Betrunkenen zu Boden gebracht, gefesselt und zur Wiesnwache gebracht. Unbeteiligte Augenzeugen kritisierten das Vorgehen der Beamten als brutal. Aber auch den Polizisten ist der Einsatz in unangenehmer Erinnerung.

Das wird dem Angeklagten vorgeworfen

Noam S. (Name geändert) ist heute 22 Jahre alt, er hat vor Kurzem einen Schmuckladen eröffnet. Am Freitag musste sich der schmächtige Mann – 1,65 Meter groß, 60 Kilo leicht – wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte, versuchter Körperverletzung, Beleidigung und Bedrohung verantworten. Der Einsatz am 22. September kurz vor 19 Uhr sorgte auch deshalb für Aufsehen, weil Noam S. schrie, er sei Jude und die Polizisten seien Nazis und "Nazischweine".

So schildert die Polizei den Vorfall

Der 21-Jährige versuchte, die Beamten zu schlagen und zu beißen, er bespuckte und beleidigte sie. "Wir wollten ihn schnell wegbringen. Er wurde politisch: Wir waren die bösen Nazis, er der Jude. Das hat Spuren hinterlassen. Die Leute glauben ja, was der von sich gibt", sagte einer der Polizisten als Zeuge. "Es tut mir sehr leid!", entschuldigte sich der Angeklagte mehrmals. Er hatte damals zweieinhalb Maß intus. Seitdem würde er kaum noch Alkohol trinken. Sein Anwalt Sascha Petzold: "Er hatte sich nicht mehr unter Kontrolle. Er hat sich da reingesteigert." Die Richterin Sylvia Silberzweig ermahnte Noam S.: "Gerade wenn man Angehöriger des jüdischen Glaubens ist, sollte man darauf achten, dass der Begriff Nazi nicht abgenutzt wird."

Deshalb wurde der Vorfall nicht mit der Kamera erfasst

Ein Münchner Ingenieur (76), der die Festnahme beobachtet hatte, hatte sich nach dem Vorfall bei der Polizei als Zeuge gemeldet. Er sagte aus, die Polizisten hätten den Eingang blockiert, Noam S. habe sie nur angerempelt, weil er vorbei wollte. Die Beamten seien sehr brutal vorgegangen, hätten ihn "mit dem Gesicht mehrmals gegen eine Wand geworfen". Wie alles begann, ist nicht dokumentiert. Die Bodycam wurde erst später eingeschaltet.

Der Ingenieur wurde im Prozess nicht gehört. Die Beteiligten einigten sich. Noam S. wurde zu einer Geldstrafe von 190 Tagessätzen à 10 Euro verurteilt.

 

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