Klage am Verwaltungsgericht Schlangenhalterin verfüttert lebende Mäuse

Evelyn S. mit ihren Schlangen: Wegen der Fütterung der Tiere ist sie jetzt vor den Kadi gezogen. Foto: Daniel Loeper

Eine 46-Jährige hält vier Schlangen – und ließ Nager als Beute frei in der Wohnung laufen. Nun klagt sie gegen einen Bescheid der Stadt

 

München - Wie füttert man eine Python artgerecht? Oder: Haben Mäuse auch Rechte? Um diese Fragen drehte sich am Mittwoch die Klage einer Frau aus Berg am Laim gegen die Stadt. Evelyn S. (46) hält vier Königpythons und füttert diese mit lebenden Mäusen. Das ist durchaus artgerecht.

„Jäger wollen jagen“, erklärte dann auch Markus Baur, Chef der Münchner Reptilienauffangstation, in der Verhandlung am Verwaltungsgericht. Aber: Tote Mäuse als Schlangenfutter sei inzwischen in Deutschland der Standard. Schon weil die Protestwelle hochschlagen würde, wenn ruchbar würde, dass man beispielsweise in einem Tierpark lebende Tiere verfüttere. Eine Umgewöhnung der Schlangen sei auch durchaus möglich, sagte Baur. Wenn auch zeitaufwändig.

Die Würgeschlangen verweigern bislang jede tote Kost

Evelyn S. ist bislang an dieser Aufgabe gescheitert: Die Schlangen verweigern die tote Mäusekost. Also kauft sie nun lebende Mäuse, um diese zu verfüttern. 40 bis 60 pro Monat.

Doch die Stadt sieht die Rechte der Mäuse in Gefahr und beruft sich dabei auf das Tierschutzgesetz, wonach unnötiges Leiden bei Tieren verhindert werden soll. Mehr als zehn Minuten Todesangst im Schlangenterrarium wollen die städtischen Tierschützer einer Maus nicht zumuten. Besser noch, es würden gar keine lebenden Tiere verfüttert.

So kam der Fall ins Rollen: Die Kontrolleure waren von Nachbarn alarmiert worden, die beobachtet hatten, wie eine Maus aus der Wohnung der Frau entwischt war. Bei den folgenden Kontrollen im vergangenen Jahr fanden die städtischen Mitarbeiter nicht nur die Riesenschlangen (siehe Kasten), sondern auch sechs Rotbauchunken, fünf Vogelspinnen, einen Schäferhund und ungezählte Mäuse in der Wohnung vor.

Stadt verbietet Mäusezucht und fordert mehr Platz für den Schäferhund

Die Nager liefen tatsächlich frei in der Wohnung herum. So geht’s nicht, sagten die Kontrolleure. Die Stadt forderte unter anderem den Abbruch der Mäusezucht und mehr Platz für den Schäferhund.

Evelyn S. zeigte sich einsichtig und setzte die meisten eingeforderten Bedingungen der Tierhaltung um. Strittig blieb gestern lediglich die Art und die Menge des Futters der Schlangen. Die Kammer des Verwaltungsgerichts unter Vorsitz von Dietmar Wolff will nicht vor dem 30. Juni entscheiden. Klar wurde bereits gestern, dass Evelyn S. ihre Schlangen mit Expertenhilfe auf tote Mäuse umstellen sollte.

Immerhin verriet Baur der Schlangenhalterin ein paar Tricks, wie es gelingen könnte. Zwar seien Königspythons anspruchsvoll, was ihre Kost betreffe, aber wenn die Schlange erkennbar nach Beute suche, dann nehme sie auch eine auf Lebendtemperatur erwärmte tote Maus, riet der Experte. Wenn man diese auch noch ein wenig hin und her bewegt, lässt sich die Schlange oft täuschen und würgt ihre vermeintlich noch lebende Beute.

 

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